Bresegrad b. Eldena : Frühstück mit Familie Storch

Altstorch (r.) und die beiden Jungvögel nach der Frühstücks-Fütterung auf der Wiese
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Altstorch (r.) und die beiden Jungvögel nach der Frühstücks-Fütterung auf der Wiese

Zwei Jungvögel lassen sich in Bresegard allmorgendlich in der Nähe der Familie Güritz nieder / Ein Junges zum Storchenhof gebracht

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30. Juli 2014, 13:50 Uhr

Wenn Friedrich Güritz morgens zum Frühstück auf die Terrasse hinter seinem Haus kommt, sind seine Gäste meist schon da. Keine 20 Meter entfernt stolzieren sie über die benachbarte Weide und picken mit ihren langen Schnäbeln im Gras herum. „Seit etwa zwei Wochen haben wir die beiden Jungstörche jeden Morgen hier unten und können sie während unseres Frühstücks aus nächster Nähe beobachten“, erzählt der Bresegarder. „Manchmal landen sie aber auch im Vorgarten oder sogar auf der Straße.“ Dann marschiert Friedrich Güritz hinterher, um die Störche vor den Autos zu schützen. „Ich erwische mich zurzeit dabei, besonders früh aufzustehen, um nach ihnen zu schauen“, so der 70-Jährige. Es wären nicht die ersten Störche, denen er durch seinen Einsatz das Leben rettet.

Angefangen hatte alles vor gut sieben Jahren. Damals ließen sich immer mal wieder Störche in Bresegard blicken, wurden aber nicht heimisch. Das wollte Friedrich Güritz ändern. Deshalb stellte er in seinem Garten einen hohen Baumstamm als Nisthilfe auf. Zwei Monate später begann tatsächlich ein Storchenpaar mit dem Bau des Nestes, in dem es schließlich zwei Junge großzog.

In diesem Jahr waren es ursprünglich vier Junge. Zwei davon seien jedoch – wahrscheinlich wegen Futtermangels – aus dem Nest geworfen worden, so Friedrich Güritz. Eines davon konnte der Bresegarder Storchenvater retten. „Seit vier Jahren spanne ich im Frühjahr unter dem Nest ein Netz, um herunterfallende Eier oder Jungvögel aufzufangen“, berichtet der 70-Jährige. Bei einem etwa 300 Gramm schweren Jungen klappte es. Güritz brachte das Tier zum Storchenhof Loburg bei Magdeburg, wo es für den Flug in den Süden aufgepäppelt wird. Als einige Tage später erneut ein Jungvogel herunterfiel, gab es keine Rettung. „Weil er mit knapp einem Kilogramm schon zu schwer war, rauschte er durch das Netz hindurch“, bedauert Güritz, der jetzt auf der Suche nach einem stärkeren Netz ist.

Alle Ereignisse rund um die Storchenfamilie hält der Bresegarder schriftlich fest. „Jedes Jahr passiert etwas Neues“, sagt er. So ist 2010 ein Altstorch im Nest verendet. Weil er auf dem Gelege lag, gab es auch keinen Nachwuchs. Im vergangenen Jahr überzeugten die Bresegarder Altvögel dann als Adoptiveltern. Nachdem der Muchower Storch in eine Stromleitung geraten war, seien die Eier in Loburg ausgebrütet und die Jungvögel dann in fremde Nester in Balow, Möllenbeck und Bresegard gesetzt worden. Nach Bresegard kamen zwei Junge – „weil ich im Notfall vom Trockenwerk schnell Technik bekomme, um ans Nest zu kommen“, so Friedrich Güritz. Und in diesem Jahr hatte ein Altstorch offenbar die Nase voll vom Familienleben. Pfingstsonntag war er plötzlich verschwunden. „Möglicherweise ist er nach Karstädt gezogen. Dort ist jedenfalls zum Zeitpunkt seines Verschwindens ein zweiter Storch aufgetaucht.“

Die Storchensaison 2014 neigt sich allmählich dem Ende. Wenn die Störche im August gen Süden ziehen, werden Jungvogel Nr. 13 und 14 aus Bresegarder Aufzucht dabei sein.

Plötzlich klappert es auf dem Horst. Der Altvogel ist zurück. Die Jungen pfeifen aufgeregt. Wenige Augenblicke später schwebt der Storch auf die Wiese und wird von den Jungen bestürmt. Jetzt gibt es eine ordentliche Portion Frühstück. „Ist das nicht toll anzusehen“, sagt Friedrich Güritz begeistert. „Ich befürchte nur, dass wir solche Naturschauspiele künftig nicht mehr oder nur noch selten genießen können, wenn immer mehr Mais angebaut wird, nichts gegen den Trend zur Monokultur getan wird.“

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