Ludwigslust : Frühschicht für das Abendmahl

Bevor die Hostien gestanzt werden, schiebt Ramona Kruse die Oblaten in den Hostienkuchenbefeuchtungsschrank.  Fotos: Hennes (4)
1 von 2
Bevor die Hostien gestanzt werden, schiebt Ramona Kruse die Oblaten in den Hostienkuchenbefeuchtungsschrank. Fotos: Hennes (4)

Oblatenbäckerin Ramona Kruse backt ab 6 Uhr morgens Bio-Hostien - auch glutenfrei / Stift Bethlehem versendet jährlich 650 000 Oblaten

von
19. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Nur eine Kelle Teig - mehr kippt Ramona Kruse nicht auf den heißen Teller des Backeisens. Vorsichtig drückt sie den Deckel nach unten. Es zischt, dampft und sprudelt. Bis der Teig blubbernd an den Rändern herausquillt. Es ist warm und feucht in der Backküche von Ramona Kruse. Seit sechs Uhr morgens rührt sie den Teig für die Oblaten, wechselt zwischen Backeisen, Stanzmaschine und Verpackungstisch. Nach ihrer Frühschicht wird sie tausende talergroße Hostien eingetütet und sortiert haben.

Zur Adventszeit herrscht Hochbetrieb in der Oblatenbäckerei des Stiftes Bethlehem. Die kleine geflieste Backstube neben der Paramentenwerkstatt gehört zu den wenigen in ganz Deutschland, in der Hostien noch von Hand gebacken werden. Das Besondere: Ludwigslust backt nicht nur mit Weizen und Wasser, sondern auch mit Bio-Roggenmalzmehl, Vollkornbuchweizen, Hirse, Reis oder Maismehl. Vier verschiedene Oblaten gehören zum Sortiment - alle in Bioqualität. Jährlich werden die Produkte neu zertifiziert. „Da steckt viel Mühe und Aufwand drin“, sagt Leiterin Christina Ritter. „Mit Gewinn gehen wir hier nicht raus.“

Seit 65 Jahren werden im Stift Bethlehem Oblaten gebacken. Weil es in der DDR keine geeigneten Backgeräte gab, bekamen die Ludwigsluster in den 50-er Jahren von ihrer bayerischen Partnergemeinde Rührmaschine, Backeisen und Stanzgerät. Seit 2004 backt Ludwigslust nur noch in Bioqualität. „Damit richten wir uns nach den Kunden, die oft anrufen und fragen, ob wir auch glutenfrei backen und Mehl aus kontrolliertem Anbau verwenden.“ So können auch Menschen, die an Zöliakie leiden, am Abendmahl teilnehmen.

Ramona Kruse hat inzwischen die fertigen Oblate aus dem Backeisen genommen und in den großen Edelstahlschrank im Nachbarraum gehängt. „Hostienkuchenbefeuchtungsschrank“ heißt der. Die cross gebackenen Oblaten werden darin im heißen Wasserdampf wieder biegsam gemacht, damit sie nicht splittern, wenn die Hostien später ausgestanzt werden. Für die Hostien gibt es vier Motive: Das Christogramm, das Kruzifix, das Griechische Kreuz und das Siegeslamm. Pastoren reichen die Hostien während des Gottesdienstes zum „Abendmahl“ an die Gläubigen. Sie sollen daran erinnern, dass Jesus gestorben ist und dadurch alle Sünden vergeben werden.

Wie gefragt die Hostien aus Ludwigslust sind, zeigt das Auftragsbuch. Vor zwanzig Jahren verkaufte das Stift im Jahr 23  600 Brothostien, heute sind es 157  000. Der Umsatz bei den glutenfreien Hostien ist von 1  800 im ersten Jahr auf heute 51  000 gestiegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen