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Ludwigsluster Tageblatt

23. September 2017 | 15:00 Uhr

Frieda erlebte ihren Maffay-Traum

vom

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erstellt am 09.Jun.2013 | 10:23 Uhr

Ludwigslust | Diesen Abend wird Frieda so schnell nicht vergessen. Die Achtjährige war am Sonnabend mit ihrem Vater aus Triebsees zum Konzert von Peter Maffay in den Ludwigsluster Schlosspark gekommen. Als der deutsche Superstar dann gleich zu Beginn rief "Lasst es krachen, seid laut, wir sind dann noch lauter", stürmten die Fans bis an die Absperrung der Bühne. Frieda und ihr Papa standen in der ersten Reihe. Das sollte allerdings nicht so bleiben. Als Maffay "Über sieben Brücken" anstimmen wollte, muss ihm die kleine Frieda aufgefallen sein. Ein kurzer Wortwechsel mit einem Security-Helfer, ein Kopfnicken des Papas und plötzlich stand die Kleine neben Peter Maffay auf der Bühne. Im Duett begannen sie. Laith Al Deen stimmte ins Lied, das die Herzen der Fans noch immer berührt mit ein. Frieda hielt durch, sang ohne Aussetzer - dafür mit viel Lampenfieber - und bestand ihre unverhoffte Bühnenpremiere mit dem "Weltstar zum Anfassen". Dafür erhielt sie einen Applaus, stürmisch wie ein Wirbelwind.

Vom ersten Akkord an hatten Peter Maffay und Band die rund 7000 Fans in ihren Bann gezogen. Mit neuen Liedern, vielen rockigen Rhythmen und alt bekannten Dauerbrennern. Allerdings machte der viel zu heftige Bass-Sound aus Lautsprechern das Verstehen der Texte zum Teil schwer. Für das Publikum kein Problem. Die Menge war textsicher, wollte Maffay wie im Juni 2011 sehen, hören, feiern und bestens unterhalten werden. Und diese Erwartungen erfüllte der deutsche Superstar mit seinem "Haufen", wie er seine langjährigen Bandmitglieder bezeichnete, in bestechender musikalischer Professionalität. Maffay hat sich mit dem Open-Air-Konzert in Ludwigslust gänzlich von Klischee des Tabaluga-Onkels und von der Tattoo-Tour gelöst, spielte auch fast keine Gassenhauer aus den 70ern und 80ern. Vielmehr präsentierte er noch nicht veröffentlichte, mögliche Titel für sein neues Album, das im Herbst auf den Markt kommen soll. Die neuen Songs wie "Wer liebt" oder "Das kannst nur du" bleiben den bekannten Maffay-Botschaften jedoch durchaus treu: die Kraft der Liebe, sich niemals aufgeben oder kämpfen gegen Widerstände, um das Schicksal zu besiegen, das Einsamkeit fordert.

Als Maffay dann typisch für ihn gefühlvoll, eckig und rauchig ins Mikrofon hauchte "Die Welt verbrennt vor meinen Augen und ich kann nichts dagegen tun. Wer liebt, setzt alles auf die Zeit", da lagen sich junge wie ältere Paare in den Armen. Als später die ersten Akkorde von Maffays erstem Superhit erklangen, kreischten einige Fans wie am 17. August 1961, als die Beatles erstmals aus dem Flieger in Hamburg stiegen: "Und es war Sommer" - veröffentlicht 1976 und am Sonnabend unter dem Ludwigsluster Sternenhimmel frenetisch bejubelt.

Instrumentalen Supersound hat der durchtrainierte 64-jährige Vollblutmusiker mit den vielen, wohl schönsten Sympathiefalten, wie Gudrun aus Oranienburg und ihre drei Freundinnen Jana, Gabi und Irene aus Parchim meinten, durch seinen alten Freund und Weggefährten Carl Carlton erhalten. 2004 verließ der Bassist die Bandformation, ging eigene Wege. Dass die beiden musikalisch und menschlich wieder zusammen sind, das war beim ultimativen Mitsing-Song "Fire" zu erleben. Carlton zupfte die Saiten im Formel-1-Tempo und Maffay applaudierte. Das riss auch Gerd Warnke von seinem Sitzplatz. Der Berliner hat Maffay bereits auf über 40 Konzerten erlebt, auf der Berliner Waldbühne und nun auch in Ludwigslust. Im perfekten Klangkörper setzen aber auch Gitarrist Peter Keller und Keyboarder Pascal Kravetz musikalische Akzente. Unter der knallroten Kopfbedeckung glänzt Kravetz mit einer beeindruckenden Röhre, die er mit dem John Hiatt-Song "Have a little face in me" ausdrucksstark ausreizte. Bertram Engel an den Drums hingegen brillierte durch eine Energieleistung. Er ließ seinen im August 1996 im Alter von 46 Jahren verstorbenen Freund und Wegbegleiter Rio Reiser musikalisch wieder auferstehen. In Anlehnung an den Reiser-Superhit "König von Deutschland" kritisierte er die Politik von US-Präsident Obama im englisch getexteten Lied "King of the USA".

In die Begeisterung hinein sang Tourneegast Laith Al Deen seinen Welthit "Dieses Lied ist für Dich". Ihm schwappte eine Sympathiewelle entgegen, die ihn tief berührte, dankte der Medienstar mit der samtigen Rock-Röhre. Mit "Bilder von dir" verabschiedete sich der Solosänger unter frenetischen Applaus.

Anschließend setzte Maffay musikalisch noch einen drauf. Er spendierte allen Geburtstagskindern ein Ständchen und verabschiedete sich dann doch noch mit einem seiner wohl unsterblichen Gassenhauern "Sonne in der Nacht". Zugabe.

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