Frauen arbeiten deutlich öfter in Teilzeit

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Viele qualifizierte und motivierte Frauen würden gerne mehr arbeiten, aber wegen familiärer Rahmenbedingungen war ihnen der Zugang bislang nicht möglich. Arbeitsagentur

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08. März 2013, 10:34 Uhr

Schwerin/Ludwigslust | Im deutschen Bildungssystem haben Mädchen und Frauen in den letzten Jahrzehnten eine Menge erreicht. Sie haben die besseren Schulabschlüsse und sind für das Berufsleben mindestens so gut qualifiziert wie Männer. Nur am Arbeitsmarkt scheint sich die Gleichstellung nur sehr langsam durchzusetzen.

Auch wenn Frauen vom konjunkturellen Aufschwung der letzen Jahre ähnlich stark wie Männer partizipieren konnten, bleiben doch einige qualitative Unterschiede. Frauen arbeiten deutlich öfter in Teilzeit, seltener in Führungspositionen und mit geringeren Löhnen als Männer. Sie sind häufiger langzeitarbeitslos und tragen damit im Geschlechtervergleich das höhere Verbleibsrisiko in Arbeitslosigkeit. 67 Prozent aller Westmecklenburger arbeitslosen Frauen sind in der Grundsicherung.

Frauen bilden eine gut qualifizierte Reserve für den Arbeitsmarkt. "Eine Reservebank am Arbeitsmarkt können wir uns aber nicht mehr leisten", erklärt Dirk Heyden, Chef der Schweriner Arbeitsagentur. "Fachkräfte werden händeringend gesucht, offene Stellen können zum Teil nicht besetzt werden - auch nicht in klassischen Frauenberufen, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen", so der Agenturchef. Dass sich die Situation für Frauen weiter verbessern wird, ist fast sicher, denn Frauen haben einen starken Verbündeten, den demografischen Wandel.

"Wir werden älter und weniger. Die Arbeit bleibt, aber die Arbeitskräfte gehen aus. Umso dringender müssen wir den Blick auf diejenigen richten, die bisher nur zum Teil zum Zuge kamen", appelliert Heyden.

Betreuungsangebot nicht flächendeckend

Das sind zum Beispiel auch gut qualifizierte und motivierte Frauen, die gerne (mehr) arbeiten würden, aber denen wegen familiärer Rahmenbedingungen der Zugang bislang nicht möglich war. Gerade Alleinerziehende haben es besonders schwer. Die Betreuungsangebote wurden und werden zwar ausgebaut, entsprechen in ihrer Gestaltung aber noch nicht flächendeckend dem Stand des 21. Jahrhunderts. "Hier muss noch mehr getan werden", meint Heyden.

Ein Drittel der arbeitslosen Westmecklenburger Frauen kommen aus dem Einzelhandel, aus Gesundheits- und Pflegeberufen oder aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Alles Berufe mit Arbeitszeiten, die durch klassische Kinderbetreuungszeiten nicht abgedeckt werden können.

Neben den Kinderbetreuungsangeboten sind aber auch in der Wirtschaft kluge Modelle und Ideen gefragt, um Beruf und Familie zu verbinden. Langfristig denkende Personalverantwortliche haben längst die Zeichen der Zeit erkannt und investieren in familienfreundliche und familienbewusste Arbeitsbedingungen, bieten verstärkt Teilzeitausbildungen an oder richten Betriebskindergärten ein. "Gespräche mit jungen Frauen zeigen mir aber auch, dass es immer noch zu viele Vorurteile gibt, z.B. wenn sich Vorstellungsgespräche zu 90 Prozent nur um das Kind bzw. die Kinder drehen. Der Wandel in den Köpfen hat eingesetzt, muss sich aber fortsetzen", so Heyden abschließend.


Zahlen, Daten, Fakten aus Westmecklenburg

Im Februar 2012 waren 11267 Frauen und 15427 Männer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Arbeitslosigkeit bei den Männern um 1604 oder 9,4 Prozent und bei den Frauen um 1369 oder 10,8 Prozent abgenommen.

Die (sozialversicherungspflichtige) Beschäftigungsquote der Frauen war im Juni 2012 mit 56,7 Prozent höher als die der Männer mit 55,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie bei den Frauen aber nur um 0,1 Prozentpunkte zugenommen. Bei den Männern hingegen um 0,6 Prozentpunkte.

Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten hat im Vorjahresvergleich bei Frauen um 1,6 Prozent (-167) und bei den Männern um 3,1 Prozent (-267) abgenommen. Im Juni 2012 waren 10160 Frauen und 8221 Männer ausschließlich geringfügig beschäftigt.

Westmecklenburger Arbeitslose werden überwiegend im Rechtskreis SGB II betreut. Dabei liegt der Anteil der Frauen, die im Rechtskreis SGB II registriert sind, bei 67 Prozent und der der Männer bei 63 Prozent.

Quelle: Arbeitsagentur

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