ludwigslust : „Frau Schütt hat alles im Griff“

Selina Schütt und Jochen Hupka gehören nun zu einem Team.
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Selina Schütt und Jochen Hupka gehören nun zu einem Team.

Eine junge Frau mit Handicap fasst über den Behindertenverband Fuß im neuen Job

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12. Dezember 2013, 07:00 Uhr

„Ich muss gleich los!“ Selina Schütt verweist höflich aber bestimmt auf ihre begrenzte Zeit zum Schwatzen. Gleich wird sie wieder in der „Schule an der Bleiche” bei der Essenausgabe aushelfen. Die 28-Jährige freut sich auf die Arbeit, kennt sie doch die meisten Lehrer noch aus der Zeit, in der sie selbst in dieser Schule lernte. Die Schüler und Pädagogen dort sehen sie auch sehr gern, denn die junge Frau ist freundlich, aufgeschlossen und gewissenhaft, ihr Lachen ansteckend.

Ausschließlich lobende Worte werden auch bei ihrem neuen Arbeitgeber, dem Behindertenverband Ludwigslust e.V., gefunden. Seit dem 1. Oktober dieses Jahres hat die junge Frau, die mit ihrem Partner in Grabow wohnt, ihren Wirkungskreis in der Ludwigsluster Geschäftsstelle des Vereins in der Seminarstraße 12. Hier ist sie unter anderem für den „grünen Bereich” verantwortlich. So schneidet sie zum Beispiel Hecken und reinigt Gehwege auf dem Gelände. Der „Servicebereich” ist etwas umfassender. Die Reinigung der Räumlichkeiten des Vereinssitzes gehört genauso dazu, wie die Betreuung von Veranstaltungen im Haus.

Jochen Hupka, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins, ist begeistert: „Frau Schütt hat hier alles im Griff. Steht zum Beispiel unser monatlicher öffentlicher Tanztee an, backt sie den Kuchen, kocht Kaffee, übernimmt die Bedienung und erledigt die Nachbereitung vollkommen selbstständig – inklusive Einkauf und Abrechnung.”

Diese Tätigkeiten, die auf den ersten Blick nicht sehr anspruchsvoll erscheinen, sind für Menschen mit Handicap eine große Herausforderung. Auf ihrem Weg von der Förderschule für Lernbehinderte über die Schule zur individuellen Lebensbewältigung bis zu ihrer ersten Arbeitsstelle in den Lewitz-Werkstätten eignete sich Selina Schütt mit dem ihr eigenen Ehrgeiz die Fähigkeiten an, die sie nun umsetzen kann.

Nach zehn Jahren in der Kantine der Lewitz-Werkstätten, von denen sie zwei Jahre lang bereits praktische Erfahrungen im Behindertenverband sammeln konnte, war der ersehnte Arbeitsvertrag für den ersten Arbeitsmarkt in greifbarer Nähe. Doch dann kam die Ernüchterung: Wegen einer Seh- und Hörbehinderung war es Selina nicht möglich, die Fahrerlaubnis zu absolvieren. Und die ist heute fast überall Bedingung für einen Job. Jochen Hupka: „Alle Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle setzten sich jedoch für Selina ein. Sie kennen sie seit vielen Monaten und schätzen den Fleiß, die Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit dieser Frau sehr. Sie gehört jetzt zu unserem Team!“


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