Wöbbelin : Französin sucht ihre Halbschwester

Das Arbeitskommando E 962. Bekannt ist nur, das es auf einem Bauernhof in Westmecklenburg gearbeitet hat. In der hinteren Reihe der Dritte von links ist Mariuse Amoudruz. Das Foto dürfte noch vermehrt im Umlauf sein. Fotos: Archiv Anja Fischer
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Das Arbeitskommando E 962. Bekannt ist nur, das es auf einem Bauernhof in Westmecklenburg gearbeitet hat. In der hinteren Reihe der Dritte von links ist Mariuse Amoudruz. Das Foto dürfte noch vermehrt im Umlauf sein. Fotos: Archiv Anja Fischer

Vater Mariuse Amoudruz war bei Kriegsende in einem der vielen E 900-Arbeitskommandos zwischen Ludwigslust und Boizenburg

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16. Mai 2017, 07:00 Uhr

Am Sonnabend, 27. Mai, um 10 Uhr wird es in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ein ganz besonderes Treffen geben. Joseph René Dailler aus Frankreich kommt gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Sohn, und er wird aus dem Tagebuch seines Vaters vorlesen.

Das Treffen findet im Rahmen der Reihe „Erzählcafé“ statt. Herzlich eingeladen sind auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Regionalgeschichte und darüber hinaus alle historisch Interessierten.

Der Besuch des Franzosen beleuchtet ein ganz eigenes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, das in Westmecklenburg geschrieben worden ist. Im Mittelpunkt steht dabei das Stammlager (Stalag) II E, das seinen Standort in Schwerin hatte, und in dem unter anderem französische Kriegsgefangene interniert und in Arbeitskommandos aufgeteilt waren. Der Vater von Monsieur Dailler gehörte zu ihnen. Er wird alles nach Wöbbelin mitbringen, was er an Dokumenten hat.

Pastorin Anja Fischer aus Schwerin hat schon einiges über dieses Stück Vergangenheit herausgefunden. „Anlässlich des Jahrestages des Kriegsendes sollten wir uns daran erinnern, dass viele Folgen des Zweiten Weltkriegs immer noch nicht erforscht und abgeschlossen sind. So haben besonders die französischen Kriegsgefangenen, von denen etwa 10 000 allein in Schwerin und Umgebung gearbeitet haben, hier viele menschliche Beziehungen gehabt, oft auch Liebesbeziehungen, aus denen Kinder hervorgegangen sind“, so die Pastorin.

Sie hat im Landeshauptarchiv in Schwerin eine Liste mit über 100 „offiziellen Franzosenkindern" gefunden. Diese Zahl sei aber nur die Spitze des Eisbergs, ist Anja Fischer sicher. Immer noch suchten deutsche Kinder ihre französischen Väter und französische Kinder ihre deutschen Angehörigen.


Wo ist das „Franzosenkind“?

Gesucht wird zum Beispiel eine Frau, die etwa 1944/45 eine Tochter mit Mariuse Amoudruz gehabt habe, der im Arbeitskommando E 962 des Stalag II E war. Bekannt ist nur, dass er auf einem Bauernhof gearbeitet hat, aber nicht, wo. „Das Foto ist wahrscheinlich sehr verbreitet bei den Menschen in der entsprechenden Gegend, so dass vielleicht jemand ,seinen‘ Franzosen wiedererkennt“, hofft Anja Fischer.

Mariuse Amoudruz hat nach dem Krieg versucht, Mutter und Tochter wiederzufinden, was ihm aber nicht gelungen ist. Er hat in Frankreich dann geheiratet und eine Tochter bekommen. Diese Tochter sucht schon lange nach ihrer Halbschwester hier in Mecklenburg. „Es gibt keine andere Möglichkeit mehr, sie zu finden, außer über die Öffentlichkeit“, sagt die Pastorin.

Neuere Recherchen von Joseph Dailler haben ergeben, dass um Hagenow herum, also etwa zwischen Ludwigslust und Boizenburg, viele E 900er-Arbeitskommandos ihren Ort hatten. Auch die Tatsache, dass es sich bei dem Pferd der Reiterin um ein mecklenburgisches Warmblut mit besonderer Halfterung bzw. Trense handelt, spricht dafür, dass es eine Zusammenarbeit mit Redefin gab. Normalerweise gab es solche Reitpferde nicht auf einfachen Bauernhöfen. Es könnte sich um einen Zucht- oder Bereitbetrieb gehandelt haben.

Wer etwas über den Verbleib der Reiterin weiß, wird gebeten, sich bei Pastorin Anja Fischer zu melden. Sie ist zur Zeit Vertretungspastorin in Gadebusch und Alt Meteln.

Kontakt:  Anja Fischer: afischerschwerin@aol.com, 0157 56124848

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