Debatte über demografischen Wandel im ländlichen Raum : Franz Müntefering diskutiert in Ludwigslust

<strong>Franz Müntefering</strong> am Dienstag in Ludwigslust. <foto>Foto: Uwe Köhnke</foto>
Franz Müntefering am Dienstag in Ludwigslust. Foto: Uwe Köhnke

"Demografischer Wandel" war das Thema der Diskussionsrunde, zu der die SPD-Bundestagsfraktion Menschen aus dem Landkreis nach Ludwigslust eingeladen hatte. Bei der Debatte mit dabei war auch EX-Vizekanzler Müntefering.

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06. Juni 2012, 10:11 Uhr

ludwigslust | Er ist inzwischen 72 und "nur noch" Bundestagsabgeordneter seiner Partei, der SPD. Vizekanzler war er und Minister. Das alles hat Franz Müntefering aufgegeben. Aber er ist ein Mann, dessen Meinung immer noch interessiert. "Demografischer Wandel" war das Thema der Diskussionsrunde, zu der die SPD-Bundestagsfraktion Menschen aus dem Landkreis nach Ludwigslust eingeladen hatte. Franz Müntefering ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft in seiner Bundestagsfraktion, die sich mit dieser Problematik beschäftigt.

In dieser Funktion reist er durch die Lande, um die Ziele dieser Kommission vorzustellen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und die waren am Mittwoch aus allen Ecken des Landkreises ins Freizeitzentrum Zebef am Alexandrinenplatz gekommen, sogar aus dem östlichsten Teil, aus Plau am See. "Der demografische Wandel ist eine Problematik, die uns über Jahre beschäftigen wird", so der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker. Bevölkerungsentwicklung, Ausbildung und die Potenziale des Alters waren drei Punkte, die Müntefering umriss. Er bricht eine Lanze für die ältere Generation, die teils bis ins hohe Alter sich an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen will. "Im Übrigen ist das gesund", unterstreicht der vitale Politiker.

Landrat Rolf Christiansen schilderte am praktischen Beispiel die Probleme der demografischen Entwicklung. Etwa, dass vor zehn Jahren bei der Schulplanung über 20 Schulen im Landkreis geschlossen werden mussten. "Ein sehr schmerzhafter Prozess, der aber deutlich macht, welcher Wandel sich hier vollzogen hat", so der Verwaltungschef. Innerhalb von sieben Jahren sind 11 000 Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren aus den beiden Altkreisen Ludwigslust und Parchim abgewandert.

Wie steuert man einer solchen Entwicklung entgegen? Das ist die Frage, die die Politik aller Ebenen umtreibt. Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach rief ins Gedächtnis, dass in der Stadt im vergangenen Jahr über 100 neue Kita-Plätze geschaffen wurden. Man sei Jahre lang am Limit gewesen. Es sei aber zu verzeichnen, dass es viele Eltern gäbe, die ihre Kinder in Ludwigslust in den Kindergarten bringen wollten, weil sie hier arbeiteten oder von hier aus mit dem Zug nach Hamburg zur Arbeit führen.

Müntefering macht den Ludwigslustern Mut: Kita-Plätze, Schule, gute Ausbildung, das sei schon mal eine Größe für Eltern. "Wenn die dann noch günstige Wohnungen haben, ist der Großraum Hamburg keine schlechte Ausgangslage für eine Stadt mittlerer Größe, sich gut aufzustellen", so der Politiker.

Es wird nach seinen Worten eine zunehmende Konzentration auf die großen Metropolregionen geben, von denen Hamburg eine sei. Um dem Rechnung zu tragen, brauche es vor Ort Politiker, die engagiert und sensibel seien "und die versuchen, Bewusstsein zu schaffen für die Problematik, aber auch Lösungsansätze", so Müntefering. Ludwigslust hat mit seinem Pendlerstammtisch in dieser Richtung bereits für Aufsehen gesorgt.

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