Anna Flögels Kaffee-Studien sorgen für Aufsehen : Forscherin aus Lulu glänzt in San Diego

Anna Flögel ist mit ihren 27 Jahren bereits Master of Science (MSC) und Master of Public Health (MPH). Ende dieses Jahres will sie ihre Doktorarbeit fertig haben. uwe köhnke
Anna Flögel ist mit ihren 27 Jahren bereits Master of Science (MSC) und Master of Public Health (MPH). Ende dieses Jahres will sie ihre Doktorarbeit fertig haben. uwe köhnke

Sie trinkt vier Tassen Kaffee am Tag - und das mit Genuss. Denn Anna Flögel (27) aus Ludwigslust, Doktorandin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, hat das Phänomen Kaffee entzaubert.

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08. Mai 2012, 09:20 Uhr

ludwigslust/ | Sie trinkt vier Tassen Kaffee am Tag - und das mit Genuss. Denn Anna Flögel (27) aus Ludwigslust, Doktorandin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, hat das Phänomen Kaffee entzaubert. Das Wissenschaftler-Team um Prof. Dr. Heiner Boeing und Anna Flögel wies nach, dass Kaffeetrinken nicht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen erhöht. Es ist sogar mit einem verminderten Risiko für Typ-II-Diabetes verbunden. Das hat nicht nur in der Fachpresse für Aufsehen gesorgt. Das fanden auch renommierte Tageszeitungen, Nachrichten- und Online-Dienst eine Berichterstattung wert.

Mit ihren Forschungsergebnissen ist Anna Flögel gerade nach San Diego (Kalifornien) gereist. Dort fand die Jahrestagung der American Nutrition Society statt, auf der die junge Forscherin ihre Ergebnisse präsentieren durfte. Das Resultat war eine Auszeichnung, der "Graduate Student Research Award". In den USA liegt auch eine der Wurzeln für Anna Flögels Interesse an den Ernährungswissenschaften. Hier hat sie in der 11. Klasse ein High-School-Jahr absolviert und die Faszination dieses Wissenschaftszweiges entdeckt. "Die Amerikaner haben eine hoch entwickelte Ernährungswissenschaft", sagt Anna Flögel. Das verwundert nicht, wenn man einen Blick auf die Essgewohnheiten im Mutterland der Fast-Food-Ernährung wirft.

Eine andere Wurzel für den beruflichen Erfolgsweg der jungen Forscherin liegt im Ludwigsluster Goethe-Gymnasium. Dort hat sie den Chemie-Leistungskurs besucht und besonders die Lebensmittelchemie faszinierend gefunden. Und sie nennt auch ihren ehemaligen Chemielehrer, den jetzigen Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, Ekkehard Detenhoff, "mitschuldig" an ihrem Interesse für die verborgenen Vorgänge in unseren Lebensmitteln. 2004 hat Anna Flögel ihr Abitur gemacht und dann bis 2008 an der Uni Potsdam Ernährungswissenschaften studiert. Anschließend folgte ein Jahr an der University of Connecticut an der amerikanischen Ostküste. Es endete mit dem wissenschaftlichen Grad eines Master of Science (MSC). An der Berliner Charité hat die junge Frau zudem noch den Grad eines Master of Public Health (MPH) erworben. Die nächste Hürde wird ihre Doktorarbeit sein. Deren Thema birgt ebenfalls Spannung.

Auf der Suche nach Vorzeichen von Volkskrankheiten

Anna Flögel untersucht 160 diagnostische Marker im Blut gleichzeitig, die erkennen lassen, ob ein Mensch später einmal an Diabetes II, Herzinfarkt oder Schlaganfall erkranken wird. Basis ist auch hier die Langzeitstudie mit 42 600 erwachsenen Frauen und Männern aus Potsdam und Heidelberg, die bereits die Kaffee-Resultate lieferte. Sie läuft bereits seit Mitte der neunziger Jahre. Damals waren die Probanden 35 bis 65 Jahre alt. Einige sind heute nicht mehr am Leben, die anderen natürlich viel älter geworden. Ein Ende der Studie ist nicht in Sicht. "Das geht so langsam schon in Richtung Altersforschung", sagt Anna Flögel. Sie sieht noch viel Potenzial in dieser EPIC genannten Studie, an der in zehn europäischen Ländern gleichzeitig geforscht wird und an der etwa 500 000 Menschen teil nehmen.

So viel wissenschaftlicher Erfolg in so jungen Jahren - verliert man da nicht die Bodenhaftung? "Immer bescheiden bleiben", sagt Anna Flögel. Die akademische Karriere, das wäre es, was sie sich wünscht. Universitätslehrer werden, eine Professur erhalten, weiter forschen können. Und natürlich auch das persönliche Glück. Bald wird Anna Flögel heiraten. Ihr Zukünftiger ist ebenfalls Doktorand, allerdings Physiker.

In Ludwigslust, wo ihre Eltern leben, ist Anna Flögel nicht mehr so häufig. Gerade aber hat sie mal wieder einen Besuch zu Hause gemacht. Zieht es sie eigentlich in die weite Welt? Nicht für immer, da ist die junge Wissenschaftlerin ziemlich sicher. Für eine gewisse Zeit in Amerika forschen und arbeiten - ja. Aber ihr Lebensmittelpunkt soll Deutschland bleiben, denn die Sozialleistungen dieses Landes suchen ihresgleichen in vielen Teilen der Welt.

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