Ludwigslust : „Flüchtlingsgespräche“ im Rathaus

Christian Lehsten (Bildmitte) erläutert den Gästen, darunter Bürgermeister Reinhard Mach, die Ausstellung. Fotos: andreas münchow
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Christian Lehsten (Bildmitte) erläutert den Gästen, darunter Bürgermeister Reinhard Mach, die Ausstellung. Fotos: andreas münchow

Neue Ausstellung in Ludwigslust vergleicht Situation Schutzsuchender nach dem 2. Weltkrieg und in der Gegenwart

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05. April 2017, 19:00 Uhr

Es ist eine Ausstellung über Menschen, die Krieg, Flucht und Vertreibung erlebt haben, sich in einer neuen Umgebung zurecht finden mussten und müssen. Es ist aber auch eine Ausstellung, die Sehnsucht und Hoffnung auf ein Leben in Frieden zeigt.

Am Dienstagabend eröffnete Bürgermeister Reinhard Mach im Lichthof des Ludwigsluster Rathauses die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche.“ Solveig Witt (Texte) vom Helferkreis aus Dabel und Christian Lehsten (Fotos) vom Verein Rothener Hof e. V. haben dafür Flüchtlinge interviewt und fotografiert. Das Besondere: Es handelt sich um Menschen, die vor über 70 Jahren ihre Heimat verlassen mussten und solche, die erst vor kurzem geflohen sind – aus Afghanistan oder Syrien.

„Die Bevölkerung halb Mecklenburgs besteht aus Flüchtlingen oder deren Nachkommen“, sagte Christian Lehsten. Aus dieser Tatsache heraus sei die Idee für die Exposition entstanden. „Rothen (bei Sternberg – d. Red.) zum Beispiel hatte im letzten Kriegsjahr 108 Bewohner, 1946 waren es 184. Für die Ausstellung haben wir jeweils vier ,alte’ und aktuelle Flüchtlinge interviewt und letztlich festgestellt, dass man deren Lage damals und heute wirklich vergleichen kann. Sie alle haben Krieg, Hunger, Bomben und Zerstörung erlebt“, so Christian Lehsten. Und damals wie heute seien die Flüchtlinge bei Einheimischen nicht immer willkommen gewesen.

Die interviewten Betroffenen von damals leben seitdem in Dörfern bei Sternberg, die Flüchtlinge von heute fanden die Interviewer in der Asylbewerberunterkunft in Dabel. Bei den Interviews mit den älteren Menschen habe sich gezeigt, dass es sie aufwühle, über ihre Geschichten zu erzählen, sie aber auch froh gewesen seien, dass jemand zuhört. In der Vergangenheit hätten sie kaum darüber berichten wollen, weil sie nicht als Opfer gelten oder auch ihre Familien nicht belasten wollten. Und dann sei das Thema Flucht und Vertreibung in der DDR weitgehend ein Tabu gewesen.

Die aktuellen Flüchtlinge, so Christian Lehsten, haben ihre Geschichten in englischer Sprache aufgeschrieben, die dann ins Deutsche übersetzt wurden.

Bürgermeister Reinhard Mach nannte die Ausstellung, die aus Porträts und Texttafeln mit den Geschichten der Flucht bestehen, ein „wunderbares Projekt“. „Wir haben ganz oft Fotoausstellungen hier, aber nicht so oft mit einem so besonderen Hintergrund“, sagte Reinhard Mach.

Die Ausstellung ist jetzt seit etwa einem Jahr im Land unterwegs. Und es ist kein Zufall, dass sie nun auch in Ludwigslust zu sehen ist. Anke Ballhorn, Fachbereichsleiterin Kultur, meint dazu: „Wir haben schon öfter gemeinsame Projekte zu verschiedenen Themen mit Christian Lehsten durchgeführt. Ich schätze ihn als Fotografen sehr.“ Lehsten seinerseits lobt die „unkomplizierte und tatkräftige“ Unterstützung seitens des Rathauses. „Projekte werden hier schnell umgesetzt“, sagt der Fotograf.

Unter den Gästen während der Eröffnung waren auch Flüchtlinge, die derzeit in Ludwigslust leben, darunter die 26-jährige Walaa aus Syrien. Sie ist alleine nach Deutschland geflüchtet, lebt erst seit zwei Monaten hier. „Ich bin Dialyse-Krankenschwester und würde später gerne hier als Schwester arbeiten. Jetzt mache ich aber erstmal einen Deutsch-Kurs“, sagt die junge Frau auf Englisch, die aber trotz der kurzen Zeit bei uns auch bereits etwas Deutsch spricht.

Die Ausstellung kann bis zum 19. Mai 2017 zu den Öffnungszeiten des Ludwigsluster Rathauses im Lichthof besucht werden.

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