Groß Laasch : Flüchtlingsfrage spaltet das Dorf

Applaus auf beiden Seiten: Die einen sprechen von „Sorge um ihr Hab und Gut“. Andere, wie Elgin Tiedemann (Foto) , hoffen auf mehr Akzeptanz. „Wer Flüchtlinge nicht kennt, hat Angst“, sagt sie. Es sei schade, dass viele mit dieser vorgefertigten Meinung zu der Versammlung kommen. Fotos: Kahe (2)
Applaus auf beiden Seiten: Die einen sprechen von „Sorge um ihr Hab und Gut“. Andere, wie Elgin Tiedemann (Foto) , hoffen auf mehr Akzeptanz. „Wer Flüchtlinge nicht kennt, hat Angst“, sagt sie. Es sei schade, dass viele mit dieser vorgefertigten Meinung zu der Versammlung kommen. Fotos: Kahe (2)

In Groß Laasch sollen zwanzig minderjährige Flüchtlinge leben – der Plan sorgt für hitzige Diskussion auf Einwohnerversammlung

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26. November 2015, 18:14 Uhr

Der Landkreis will ab Januar  minderjährige  Flüchtlinge in der ehemaligen Musikschule in Groß Laasch unterbringen. Das ist der Plan. Und damit er von vielen getragen wird, hat Bürgermeister  Markus Lau am Mittwoch die Groß Laascher ins Kulturhaus eingeladen. „Zwanzig  Flüchtlinge in unserer Gemeinde mit  1000 Einwohnern  – das sollten wir schaffen“, findet Lau. Doch die Groß Laascher, die an diesem Abend vor ihm sitzen, denken nicht alle so. Nachdem der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling den  Plan vorstellt und kurz auf die Polizeistatistik zu sprechen kommt, geht ein Raunen durch die Menge. „Hören Sie  auf zu schönen und zu schwindeln.  Seien Sie  ehrlich“, ruft ein Mann von hinten und bekommt  Applaus. Doch Schmülling schüttelt den Kopf: „Ganz ehrlich: Die Polizei  hat mehr  damit zu tun,  Ausländer vor Deutschen zu schützen als die Deutschen vor   den Ausländern.“

Fast  2000 Flüchtlinge leben laut Schmülling zurzeit im Landkreis, darunter 370 unbegleitete Minderjährige. „Alle Einrichtungen für sie sind proppevoll“, sagt Schmülling. Deshalb nimmt der Landkreis das Angebot von Bürgermeister Lau in Groß Laasch gern an. „Vorausgesetzt, die Einwohner hier tragen es mit.“ Elgin Tiedemann tut das. Die Groß Laascherin ist Lehrerin und  arbeitet mit Flüchtlingskindern. „Was sie erlebt haben, das wünschen wir unseren Kindern im Leben nicht“, sagt sie und bedauert, dass einige Groß Laascher   an diesem Abend schon mit vorgefertigter Meinung kommen. „Sie haben doch nur Angst, weil Sie es persönlich gar nicht kennen.“ Genau darin sieht Bürgermeister Markus Lau die Chance für Groß Laasch:  „Leben die Flüchtlinge bei uns, dann erkennen vielleicht auch Skeptiker, dass das, was sie irgendwo aufgeschnappt haben, nicht  stimmen muss.“ Für den Bürgermeister hat sich die Frage nach der Flüchtlingsunterkunft nie gestellt. „Es  ist selbstredend, dass wir helfen, wenn Menschen in Not sind. Egal, wer von wo kommt,  es  ist eine Menschenpflicht.“ 

Träger der  Flüchtlingsunterkunft  könnte  – wie auch in Ludwigslust – die  BBS Start werden.  Deren Geschäftsführerin  Dr. Diana Richert lud nach der Diskussion die Laascher    zu den jungen Flüchtlingen nach Ludwigslust. „Kommen Sie vorbei. Überzeugen Sie sich selbst. Lernen Sie die jungen Menschen kennen. Und lassen Sie sich erzählen, dass auch sie Angst haben, wenn  in Ludwigslust vor ihrer Tür gegen sie demonstriert wird.“

 Ob junge Flüchtlinge nach Groß Laasch kommen, entscheidet sich am 7. Dezember. Dann stimmen die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung  über den  Mietvertrag für das Gebäude ab. Lau: „Ich bin optimistisch, dass es klappt.“

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