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Flüchtlinge: „Wir haben die Pflicht, sie unterzubringen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Informationsveranstaltung zum Thema Asyl und Flüchtlinge fand in Neustadt-Glewe statt

Das Interesse am Thema Asyl und Flüchtlinge ist auch in Neustadt-Glewe groß. Das zeigte die Infoveranstaltung am Dienstagabend, zu der Bürgermeisterin Doreen Radelow auf die Burg eingeladen hatte. Viele Einwohner des Amtes waren dazu gekommen.

Zunächst informierte Doreen Radelow, dass in Neustadt-Glewe (ca. 6500 Einwohner) derzeit 92 Flüchtlinge bzw. Asylbewerber sowie 28 Personen mit Aufenthaltsstatus leben. Der Landkreis habe zur Unterbringung dieser Menschen in der Stadt 30 Wohnungen angemietet, von denen aktuell 23 belegt sind. Simone Kaiser von der Wobau ergänzte, dass es sich bei den vermieteten Wohnungen um solche handelt, die schon sehr lange leer stehen. Da jedem Flüchtling lediglich 6 m2 Wohnfläche zustünden, seien beispielsweise in Drei-Raum-Wohnungen fünf bis sechs Personen untergebracht.

Den Hauptanteil der Flüchtlinge in Neustadt-Glewe bilden derzeit Syrer mit 74 Personen. Weitere kommen aus Albanien, der Ukraine, Eritrea, Ghana und dem Iran. Wolfram Struve von der Awo, der die Flüchtlinge in der Stadt betreut, sagte, 60 Prozent von ihnen seien Studierte, 38 Prozent Handwerker und zwei Prozent seien ohne Ausbildung bzw. Schulabschluss.

Hinsichtlich immer wieder auftauchender Gerüchte im Zusammenhang mit Flüchtlingen bat Doreen Radelow, sich in solchen Fällen persönlich an sie zu wenden.

Die Teilnehmer der Veranstaltung nutzten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. So kam die Frage nach den aktuellen Integrationsmaßnahmen in Neustadt-Glewe. Bürgermeisterin Radelow erläuterte, dass die meisten Flüchtlinge im Asylverfahren sind, sie daher keinen Anspruch auf Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge haben. Jedoch hat in Neustadt das Institut für Berufsbildung und Umschulung (ibu) Sprachkurse eingerichtet. Ibu-Geschäftsführer Christian Rosenkranz sagte dazu: „Wir haben derzeit vier Klassen mit jeweils etwa 20 Flüchtlingen. Die Kurse sind nicht nur auf die deutsche Sprache reduziert.“ Laut Rosenkranz sollen die Teilnehmer auch befähigt werden, Alltagsdinge, wie zum Beispiel den Einkauf, zu erledigen.

Ein Mann wollte hinsichtlich der Aufnahme so vieler Flüchtlinge wissen: „Wo kommt jetzt plötzlich das Geld her?“ Landrat Rolf Christiansen: „Es geht hier um Menschen, die in ihrer Heimat nicht sicher sind. Wenn sie jetzt in Deutschland sind, haben wir schlicht und einfach die Pflicht, sie unterzubringen. Wir haben das große Glück, dass die deutsche Wirtschaft boomt.“ Auf eine entsprechende Nachfrage betonte Christiansen, dass das Geld von Bund und Landkreisen komme, es sich also um Steuergelder handelt. „Sie wissen das doch ganz genau“, so der Landrat an den Fragesteller gewandt.

Ob es eine Zunahme der Kriminalität durch oder gegen Flüchtlinge gebe, wollte jemand wissen. Reimund Kube, stellvertretender Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust: „In der Kriminalitätsstatistik ist kein Anstieg zu erkennen.“ Wenn, dann gebe es Probleme zwischen den Flüchtlingen untereinander, die meist auf die Enge bei ihrer Unterbringung zurückzuführen seien.

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