Ludwigslust : Florierender Verein „Societät“ ließ in Lulu ein Schauspielhaus bauen

Ludwigsluster Schauspielhaus auf der Bleiche.  Repro: R. Heißner
Ludwigsluster Schauspielhaus auf der Bleiche. Repro: R. Heißner

143 Jahre lang, von 1804 bis 1947 war es künstlerische Stätte und ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt/ Im Februar 1947 brannte die Kulturstätte ab

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04. Februar 2014, 07:00 Uhr

Der Förderverein Schloss Ludwigslust e.V. hat sich u. a. auch die Aufgabe gestellt, Leben und Werk historischer Persönlichkeiten sowie historische Ereignisse in unserer Stadt aufzubereiten und vorzutragen. In Erinnerung an das vor 180 Jahren entstandene Theater hieß das Thema: „Das Ludwisgluster Schauspielhaus im Wandel der Zeit“. 143 Jahre lang, von 1804 bis 1947, hatte Ludwigslust ein Schauspielhaus.

Im Jahre 1795 gründeten zwölf Ludwigsluster Honoratioren plus Herzog Friedrich Franz I. einen Herrenclub namens „Societät“. Der Verein florierte, besaß schon bald ein stattliches Gesellschaftshaus an der Bleiche und ließ durch den Hofbaumeister F.G. Groß zusätzlich ein Theater anbauen (wo heute die Schule zur individuellen Lebensbewältigung ist), das am 2. Februar 1834 eröffnet wurde. Der nüchterne Bau aus Eichenfachwerk bot, bei guter Akustik, im Zuschauerraum unten 300 Plätze und weitere 60 Plätze auf der Galerie und wurde auch als Konzert- und Ballsaal genutzt. Die Bühne war auch für größere Aufführungen geeignet. Der Herzog (seit 1815 Großherzog) unterhielt eine eigene Theatertruppe vor Ort, die abwechselnd mit dem Ensemble des Schweriner Hoftheaters spielte. Als Friedrich Franz I. 1837 starb und die Hofhaltung nach Schwerin zurück verlegt wurde, zeigte sich Nachfolger Paul Friedrich großzügig und kaufte der in finanzielle Schieflage geratenen Societät das Schauspielhaus ab. Es wurde als „Großherzogliches Schauspielhaus“ bis 1877 weiter betrieben. As dann wegen wachsender Defizite die Schließung drohte, kaufte die Societät das Haus von Friedrich Franz II. zurück und suchte eine Lösung über Gründung einer Aktiengesellschaft, doch ohne Erfolg.

So übernahm im Februar 1914 die Stadt Ludwigslust das Gebäude - und nutzte es u.a. im Ersten Weltkrieg als Vorratslager. Erst der 1921 gegründete Kunstverein organisierte ein neues und sehr reges Konzert- und Theaterleben.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren im Schauspielhaus Flüchtlinge untergebracht. Doch im Spätsommer 1945 ergriff der damalige Bürgermeister Bruno Theek die Initiative, sammelte die in Ludwigslust lebenden Künstler um sich und nahm den Theaterbetrieb wieder auf. Unter anderem mit Irmgard und Fred Düren, Georg Thomalla, Ilse Weintraud und Regisseur Klaus Albrecht; Friedo Solter und Ekkard Kiesewetter stießen dazu. Im Februar 1947 kam dann das Aus: Ein Kurzschluss legte Haus und Fundus in Schutt und Asche. Das gerade wiedererstandene Kulturleben der ersten Nachkriegszeit musste weitergehen! Viele Mitstreiter packten an und bauten die Turnhalle der Fritz-Reuter-Schule zum kleinen Theater um.

Bald wurde hier wieder anspruchsvolles Theater gespielt: Von Ibsens „Volksfeind“ bis Goethes „Urfaust“ (1949). Aber schließlich fehlte es wieder an Geld, und das Ende des Ludwigsluster Theaterlebens war nicht mehr aufzuhalten.

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