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Ludwigsluster Tageblatt

16. Januar 2018 | 08:54 Uhr

Dömitz : Fledermaus-Hotel bezugsfertig

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nachtschwärmer müssen jetzt durch die Ausstellung „Im Grunde“ zu ihrem Winter-Quartier, doch Kritiker bezweifelt, dass die Tiere das „Hotel“ annehmen.

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2015 | 07:38 Uhr

Noch ist es ruhig unter der Gewölbedecke in der Bastion Greif auf der Festung Dömitz. Die Besucher der Ausstellung „Im Grunde“ können sich ganz auf die Exponate am Boden konzentrieren. Ende September soll sich das ändern: Dann schwirren über den Köpfen der Ausstellungsbesucher vielleicht Fledermäuse. Dutzende, hunderte oder sogar tausende Nachtschwärmer kommen zurück in ihr Winterquartier. Früher haben die Tiere in den Schlitzen und Absätzen der Gewölbedecke Unterschlupf gefunden. Nach dem Umbau der Bastion Greif für die Ausstellung ist die Decke als Winterquartier ungeeignet. Stattdessen sollen die Fledermäuse nun im hinteren Teil der Bastion schlafen. In drei Quartierkammern im Gewölbe und in einem kathedraleähnlichen Fledermaushotel. Auf zwei Etagen könnten hier bis zu 10  000 Fledermäuse in so genannten Hohlblock-Steinen überwintern. „Die Tiere finden hier optimale Bedingungen“, sagt Anke Hollerbach vom Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. „Es ist dunkel, feucht und kühl. Und die Hohlblocksteine schützen sie vor Zugluft.“

Um zu ihrem neuen Quartier zu gelangen, müssen die Fledermäuse durch den Besuchereingangstunnel fliegen, zwei Ausstellungsräume passieren und den Spalt finden, durch den sie in die dunkle Kathedrale gelangen. Henrik Pommeranz, der den Bau fachlich begleitet hat, ist zuversichtlich, dass die Tiere die neue Situation annehmen. Freiberufliche Gutachter, wie Udo Binner aus Schwerin, sehen das Projekt aber eher kritisch. Binner bezweifelt, dass die Tiere den Weg durch die Ausstellung nehmen. „Es ist eine Katastrophe, dass für die Ausstellung ein so großes Fledermausquartier geopfert wurde“, sagt Binner. Vor dem Umbau habe der Schweriner Artenschützer bis zu 500 Fledermäuse in der Bastion Greif erlebt. „Jetzt aber wird sich das Mikroklima in den Räumen verändern“, ist Binner sich sicher. „Weder Luftfeuchte noch Temperatur wird den Fledermäusen gefallen.“ Für Binner sei es sehr fragwürdig, so viel Geld in ein Projekt zu investieren, ohne Nachweise dafür zu haben, dass die Idee auch funktioniere.

Im Herbst wird sich zeigen, ob die Fledermäuse ihr neues Quartier annehmen. Dann (26. September) lädt das Biosphärenreservat mit Henrik Pommeranz zur „Batnight“ auf die Festung. „Wir werden Netze spannen und Fledermausarten bestimmen“, sagt Pommeranz. Die große Hoffnung der Naturschützer: Vielleicht ist dann auch das Große Mausohr dabei. Die Fledermausart ist auf der Festung das letzte Mal 2004 nachgewiesen worden.

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