zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

19. August 2017 | 15:00 Uhr

Ludwigslust : Flammende Reden für den Tunnel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Beim Einwohnerforum in der Stadthalle sprach sich eine Mehrheit für das Projekt aus / Internetumfrage mit ähnlichem Zwischenergebnis

Marlies Ludwinski muss tagtäglich über die Hochbrücke fahren, um zur Arbeit zu kommen. Das macht tagtäglich fast zwei Kilometer Umweg auf der Hinfahrt und fast zwei Kilometer Umweg auf der Rückfahrt. Der direktere Weg von der Fritz-Reuter-Straße zur Neustädter Straße ist durch die Bahntrasse versperrt. „In den zehn Jahren, die wir dort wohnen, sind so einige Tausend Kilometer zusammengekommen. Da weiß man, wie viel Benzin ein Tunnel uns ersparen würde“, sagte die Ludwigslusterin am Montag beim Tunnel-Forum und erntete dafür von vielen der mehr als 150 Zuhörer in der Stadthalle Beifall. Und nicht nur das. „Weniger Kilometer bedeuten auch weniger Lärm und weniger Schadstoffe in der Luft“, machte Wolfgang Dittmann deutlich.

Bürgermeister Reinhard Mach hatte Ludwigsluster und andere Interessierte eingeladen, um ihre Meinung zum Thema Tunnelbau am Bahnhof in Erfahrung zu bringen. Damit wollte er den Stadtvertretern eine Entscheidungshilfe liefern. Sie sollen im Mai die Planungsvereinbarung mit der Bahn beschließen oder zumindest aber einen Grundsatzbeschluss fassen, dass die Stadt den Tunnel bauen will. Schade, dass die Bürger nicht früher einbezogen worden seien, sondern erst jetzt, wo die Weichen im Prinzip schon in Richtung Tunnelbau gestellt sind, kritisierte eine Zuhörerin.

Betrachtet man das Stimmungsbild aus dem Einwohnerforum und der Internetumfrage der Stadtverwaltung, scheint die Mehrheit der Ludwigsluster für den Bau zu sein. Bis Montagabend hatten sich auf der Homepage der Stadt 168 User für das Projekt ausgesprochen, 38 waren dagegen. Auch beim Forum überwogen die Befürworter.

Viele treibt die Sorge um die Hochbrücke um, auch wenn die Stadtverwaltung nicht müde wird zu betonen, dass der Tunnel niemals ein Ersatz dafür sein soll und sein wird. „Wenn die Hochbrücke am Freitagnachmittag um 16 Uhr wegen eines Unfalls gesperrt wird, steht der Stau um 17 Uhr in Schwerin vor der Staatskanzlei“, sagte ein Einwohner. „Ludwigslust braucht eine Alternative zur Hochbrücke. Schluss mit der Eierei. Die Stadt muss endlich Nägel mit Köpfen machen.“

Das will sie durchaus, auch wenn das Projekt die Kommune mit mindestens einer Million Euro belasten wird. „Das ist eine der letzten Möglichkeiten, für Ludwigslust noch eine Bahnquerung zu realisieren. Dafür haben wir lange gekämpft und viele Gespräche geführt“, sagte Reinhard Mach und erwähnte noch einmal die Anstrengungen des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Hacker. Die Entscheidung liegt allerdings bei den Stadtvertretern. Und die wurden am Montagabend auch in die Pflicht genommen. „Eine Bürgerinitiative darf eine Lösung nicht wieder verhindern. Der gerade Weg wäre die Neustädter Straße“, sagte etwa Klaus Möller und erwähnte außerdem die Neubaugebiete am Ahrensburger Ring und am Georgenhof, in denen sich viele junge Familien ansiedeln, deren Kinder irgendwie zur Schule kommen müssen.

Der Forderung eines anderen Bürgers, dass der Tunnel doch direkt von der Bahnhofstraße Richtung Wöbbeliner Straße führen müsste, wurde – trotz Beifalls – gleich eine Abfuhr erteilt. Das Bauwerk solle so errichtet werden, dass damit auch die Erreichbarkeit der Bahnsteige für mobilitätseingeschränkte Personen gewährleistet wird, so Reinhard Mach. Aufzüge wären im Bereich des ehemaligen Bahnübergangs aber nicht machbar, weil die Bahnsteige dort zu schmal seien, erklärte Ronald Steuer vom Schweriner Verkehrsministerium und ergänzte: „Wenn der ICE-Halt in Ludwigslust dauerhaft erhalten bleiben soll, dann brauchen wir einen vernünftig ausgestatteten Bahnhof mit gut erreichbaren Parkplätzen.“

Heute und morgen wird der Tunnel allerdings nicht gebaut. Frank Haberland von der DB Netz AG Schwerin nannte 2019 als frühstmöglichen realistischen Termin für den Baubeginn.

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 02.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen