Techentin : Fitmachen für Team-Leitung

Kati Knop aus Techentin ist Team-Leiterin im Nessler-Kaufhaus in Hagenow und nimmt am GiB-Projekt für Frauen in Führungspositionen teil

svz.de von
17. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Chefin von 14 Frauen und einem Mann zu sein – das hätte sich Kati Knop noch vor ein paar Jahren nicht wirklich vorstellen können. Doch jetzt leitet die 40-Jährige das Team des Nessler-Kaufhauses in Hagenow bereits seit zwei Jahren erfolgreich. Doch in dieser Zeit hat Kati Knop auch feststellen müssen: Der Job als Teamleiterin erfordert eine ganze Menge mehr als sie sich zunächst vorstellen konnte. Deshalb nimmt die verheiratete Mutter einer 15-jährigen Tochter jetzt am Crossmentoring-Programm der Gesellschaft für innovative Beschäftigung (GiB) in Ludwigslust teil. Das Projekt startete Anfang des Jahres und soll Frauen auf eine mögliche Tätigkeit in Führungspositionen vorbereiten oder aber – wie im Fall von Kati Knop – helfen, den Anforderungen als Führungskraft noch besser gerecht werden zu können.

„Ich habe im Sommer aus der SVZ von dem GiB-Projekt erfahren und mich entschlossen, daran teilzunehmen“, blickt Knop zurück. „Ich dachte mir, dass ich mich hier weiter entwickeln und auch sehen könnte, wie Führungsarbeit in anderen Firmen gestaltet wird.“ Denn Erfahrungen in der Team-Arbeit hatte sie bis vor zwei Jahren kaum, erst recht nicht als Leiterin. „Ich arbeitete zuvor als Schauwerbegestalterin bei Nessler, weitgehend auf mich allein gestellt“, erinnert sich Kati Knop. „Dann plötzlich ein Team zu leiten, das war doch eine ganz andere Sache. Ich kannte zwar den organisatorischen Arbeitsablauf und hatte auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse, doch das allein reicht nicht.“

Auch als Team-Leiterin wollte Kati Knop möglichst viel allein machen. Zum Teil wohl deshalb, weil sie es als Schauwerbestalterin so gewohnt war. Rückblickend gibt sie zu: „Es fiel mir lange Zeit schwer, die Arbeit zu verteilen. Ich dachte, bevor ich es andere machen lasse, erledige ich es lieber gleich selbst.“ Dazu kam, dass sie nach eigenen Worten anfangs nicht genügend mit ihrem Team im Kaufhaus geredet und wichtige Entscheidungen getroffen hat, ohne andere Meinungen einzuholen. „Außerdem bin ich sehr dominant, privat, aber auch gegenüber meinen Mitarbeitern“, gibt Kati Knop unumwunden zu. „Das alles habe ich aber im ganzen Ausmaß erst erkannt, seitdem ich am GiB-Projekt teilnehme.“


Reflexion hilft, sich selbst zu erkennen


Ganz besonders half ihr nach eigenen Worten die Teilnahme am Tagesworkshop „Konfliktmanagement“ zum Thema „Miteinander reden – miteinander arbeiten“ im Oktober. „In einem fiktiven Rollenspiel ging es zum Beispiel um das Thema Arbeitszeit. In der dargestellten Situation ließ ich mein Gegenüber, der laut Spielvorgabe die Arbeitszeit nicht eingehalten hatte, nicht zu Wort kommen. Ich hinterfragte nicht seine Motive und Meinung dazu.“ Das Fazit, das ihre Dozentin damals zog, schockte Kati Knop, wie sie zugibt. „Ich würde zu wenig auf die Gefühle anderer achten, müsse viel mehr auf sie eingehen, hieß es. “

Ähnliches erfuhr sie im Workshop „Führungskompetenz“, das sich mit dem Thema „Führungsverantwortung und Teamentwicklung im Unternehmensalltag“ beschäftigte. „Auch dieses Seminar hilft jedem Teilnehmer, zu erkennen, wie er selbst ist“, sagt Kati Knop.

Das sei auch einer der entscheidenden Punkte in dem GiB-Projekt: „Durch die Mentoren und anderen Teilnehmer am Projekt wird einem selbst reflektiert, wie man wirklich ist. Das hat mir bereits geholfen, mich zu verändern.“ Nach dem Workshop „Konfliktmanagement“ zum Beispiel setzte sich Knop mit ihrer Mentorin zusammen und bekam „Hausaufgaben“. „Ich habe drei Wochen lang jeden Tag aufgeschrieben, was ich auf Arbeit gemacht habe. Danach traf ich mich erneut mit meiner Mentorin. Wir haben aus den Arbeitsabläufen der drei Wochen gestrichen, was nicht meine Aufgabe gewesen wäre und was ich hätte abgeben können.“

Rückblickend auf die vergangenen Monate sagt Knop: „Dank des Feedbacks durch meine Mentorin und die Teilnehmer am Projekt habe ich vieles erkannt und verändert. Zum Beispiel, dass man nicht alles allein machen kann, sondern sein Team braucht. Heute rede ich viel mehr mit meinem Team, beziehe es in Entscheidungen mit ein. Dabei kommt mir auch zugute, dass ich im Kaufhaus ein ganz tolles Team habe. Ich kann nur jedem empfehlen, am GiB-Projekt teilzunehmen.“


Weiterführung des Projekts wünschenswert


Auch GiB-Projektleiterin Peggy Hildebrand findet nur Lob für Kati Knop. „Ich finde es ganz toll, wie sich Frau Knop für das Programm interessiert. Sie hinterfragt ihr Verhalten, möchte dazu lernen und versucht erfolgreich, ihren eigenen Führungsstil zu entwickeln.“

Das landesweite Programm „Zukunft durch Aufstieg – Mentoring für weibliche Beschäftigte in MV“ steht unter Schirmherrschaft der bisherigen Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, Manuela Schwesig. Es wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bis zum 30. Juni 2014 gefördert. Hildebrand: „Es wäre schön, wenn es auch über die Frist hinaus weiter geführt werden könnte.“

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