zur Navigation springen

ludwigslust : Fit sein für ein eigenständiges Leben

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Im ehemaligen Hotel Wulff in der Gillhoffstraße 19 in Ludwigslust wurden 13 Plätze im Trainingswohnen für Menschen mit Behinderungen geschaffen

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Der junge Mann im karierten Hemd sitzt am Schreibtisch, knipst die Tischlampe an. Der Wohnraum ist gemütlich eingerichtet. Der 20-jährige Sebastian Ott gehört nun zu jenen Männern und Frauen, die hier im ehemaligen Hotel Wulff in der Gillhoffstraße 19 in Ludwigslust im Trainingswohnen der Lewitz-Werkstätten gemeinnützige GmbH ein neues Zuhause gefunden haben. „Ende November 2013 bin ich eingezogen. Ich fühle mich hier sehr wohl“, so der junge Mann, der in den Spornitzer Werkstätten in der Gartenabteilung arbeitet. „Jeden Tag fährt er mit dem Sonnenschein-Bus zur Arbeit nach Spornitz“, sagt Heilerziehungspfleger Frank Hermann, der in dem Haus als Betreuer tätig ist und als Einrichtungsverantwortlicher erster Ansprechpartner ist. Im ehemaligen Hotel Wulff sind innerhalb einer relativ kurzen Um- und Ausbauzeit von gut acht Wochen elf Zimmer entstanden, davon zwei Doppelzimmer. „Sie sind fast alle belegt, wir hätten noch Platz für zwei Bewohner“, ergänzt Frank Hermann. Am 1. Februar zieht dann ein weiterer Bewohner ein.


Trainingswohnen für die meisten etwa nach einem Jahr beendet


Sebastian Ott wohnte bis zum Einzug in die Trainingswohnstätte bei seinen Eltern. „Wir haben in der Gillhoffstraße 16 eine Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen, aber das Trainingswohnen geht einen Schritt weiter. Damit wird den Bewohnern die Möglichkeit gegeben, hier mehr Selbstständigkeit zu erlangen. Mit dem nächsten Ziel, in eine eigene Wohnung einzuziehen“, ergänzt Frank Hermann. Das Projekt Trainingswohnen ist für die meisten etwa nach einem Jahr beendet, kann individuell aber trotzdem auch länger dauern. Sebastian Ott: „Wenn ich es denn nach einem Jahr schaffe, möchte ich gern nach Neustadt-Glewe ziehen. Dort habe ich zwei Bekannte, das wäre für mich dann schon eine gute Sache.“

Betreuer Frank Hermann und eine Kollegin teilen sich den Dienst im Trainingswohnen. Innerhalb der Woche ist frühmorgens jemand da. „Damit wir auch sicher gehen, dass die Bewohner rechtzeitig aufstehen und pünktlich ihre Arbeit erreichen“, schmunzelt der Einrichtungsverantwortliche. Auch von 15 bis 20 Uhr ist ein Betreuer im Haus Gillhoffstraße 19 anwesend, am Wochenende steht in der Zeit von 10 bis 17 Uhr jemand von den Betreuern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Während uns Sebastian seine gut 25 Quadratmeter große Wohnung zeigt und er über seine Zukunftspläne auch für seine Arbeit im Gartenbau spricht, kamen am Vormittag zahlreiche Gäste in das Haus Gillhoffstraße 19. Denn mit dem gestrigen Tag hat die neue Einrichtung der Lewitz-Werkstätten gGmbH offiziell die Arbeit aufgenommen. „Mit den hier neu geschaffenen 13 Plätzen für das Trainingswohnen bietet unsere gemeinnützige GmbH jetzt insgesamt in sieben Einrichtungen 131 vollstationäre Wohnstättenplätze an. Dazu kommen 103 Plätze im betreuten Wohnen für geistig behinderte Menschen sowie psychisch kranke Menschen. Das heißt, insgesamt 234 Menschen werden zurzeit im Wohnen betreut, dies sind 42 Prozent der Männer und Frauen, die in der Werkstatt arbeiten“, sagte Geschäftsführer Marko Schirrmeister im Beisein von Bürgermeister Reinhard Mach, Dr. Hans-Hermann Schultz, Vorsitzender des Verwaltungsrates, und der Bereichsleiterin Wohnen Kathleen Ladwig-Skiba.

Während in den ersten zehn bis 15 Jahren nach der Wende vorrangig Wohnstätten gebaut und gegründet wurden, kam es in den letzten zehn Jahren zu einem verstärkten Ausbau der ambulanten Betreuung im Wohnen. Der Bedarf an Wohnstättenbetreuungsplätzen ist nach wie vor ungebrochen groß. Zurzeit spielt die Differenzierung in der Intensität der Wohnbetreuung durch solche Einrichtungen wie die Lewitz-Werksttätten eine immer größere Rolle. Schlagwörter wie Inklusion und Sozialraum tun ihr übriges dazu.


Im Oktober 2013 wurde mit den Umbauten begonnen


Auch hier im Bereich Ludwigslust gab und gibt es weiteren Bedarf und Interesse, Wohnstättenplätze zu beantragen. Vorrangig nutzen behinderte Menschen, die bereits eine Wohnbetreuung, vor allem in den Wohnstätten, in Anspruch genommen und sich weiter entwickelt haben, dieses selbstständigere Wohnangebot. Auch Klienten, die noch keine Betreuung erhalten, melden sich im Trainingswohnen an. „Als sich für unseren Betrieb abzeichnete, dass wir hier in Ludwigslust ein solches Wohnangebot brauchen und wir uns auf die Suche nach geeigneten Objekten machten, erhielten wir die Information, dass sich das Ehepaar Wulff mit dem Gedanken beschäftigt, dieses Objekt zu veräußern und den Hotelbetrieb einzustellen“, so Marko Schirrmeister. Nach ersten Kontakten und Besichtigungen wurde schnell klar, dass das Haus für diese Art von Betreuung den richtigen Zuschnitt besitzt. Seit Oktober 2013 wurden an dem Gebäude einige Umbauten vorgenommen. Weitere Fenster im Dach wurden eingebaut, neue Fluchtfenster installiert. Zusätzlich sind Brandabschnitte eingezogen, besonders im Treppenhaus. Aus dem ehemaligen Büro und den Gästetoiletten sowie einem Teil des Gastraumes wurden zwei neue Zimmer geschaffen, eine neue Küche wurde eingebaut sowie ein kleines Betreuerbüro eingerichtet. Für die zügige und reibungslose Umsetzung dieses Vorhabens, die Hauptarbeit trugen die Firma Jochmann und die Integrationsfirma Zagapu, möchte Marko Schirrmeister den Betrieben, Bauleitung und Planern herzlich danken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen