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Gramnitz : „Fisch darf nie nach Fisch riechen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dieter Prieff und seine Gefährtin Kathrin Gebauer sind die Fischhändler in der Region und das mit großer Leidenschaft

Ihre Namen kennen die meisten Kunden gar nicht, für sie sind sie schlicht der Fischer oder eben die Fischfrau. Dabei fischen Kathrin Gebauer (47) und ihr Lebenspartner Dieter Prieff (60) nun wirklich nicht selber. Sie handeln mit Fisch und das täglich und auch noch an allen möglichen Stellen in der Region. In Schwerin, in Hagenow, in Boizenburg und Dannenberg oder Lübtheen sind sie z. B. zu finden und bei vielen Veranstaltungen, wo die Organisatoren sich eben auch einen Fischhändler vorstellen können.

Die Zentrale der beiden Fischfachverkäufer liegt im beschaulichen Gramnitz, fast an der B 321. Dort gibt es zwar einen kleinen Teich, aber die Lebendfische für den Verkauf werden in Spezialbehältern gehalten. Alles andere wird nach Bestellung angeliefert, mehrfach die Woche und natürlich frisch. Das meiste kommt von einem Großhandel in Bremerhaven. Die Karpfen, und davon verkaufen die beiden im Jahr fast an die drei Tonnen, die Karpfen kommen immer von den Lewitz-Fischern. Deren Qualität sei einfach nicht zu schlagen.

Dass ausgerechnet Bremerhaven auf der Lieferantenliste ganz oben steht, ist kein Zufall. In der Stadt hatte der wortgewandte Fischhändler nämlich eine langjährige Partnerin, deren Vater einen Fisch-Großhandel betrieb. „So bin ich eigentlich dazu gekommen“, erzählt er in seinem Gramnitzer Haus“ Denn Prieff ist eigentlich gelernter Brunnenbauer und hat schon viel in seinem Leben ausprobiert. Er war in der „Knödelbude“, hat sich im Hotelbereich versucht, war bei den Flotexbohrern dabei und landete vor 15 Jahren beim Fisch und dem Handel damit. Das ist seine Leidenschaft geworden und geblieben. Mit einer gewissen Hartnäckigkeit, Disziplin und viel harter Arbeit hat er sich seine Marktposition erarbeitet und ausgebaut. Kaum jemand, der ihn und seine quicklebendige Lebenspartnerin im Altkreis Ludwigslust nicht kennt. Zwei Verkaufswagen betreiben beide, Partnerin Kathrin aus Grabow kam vor ein paar Jahren in sein Leben und teilt seine Leidenschaft des Verkaufens.

Idyllisch ist das Leben der Fischhändler nun wirklich nicht, denn meist geht es früh los, sehr früh sogar. Denn auf manchen Märkten muss der Verkaufsstand schon früh um sieben Uhr geöffnet werden. Davor muss der Wagen aber in Gramnitz bestückt worden sein, dazu kommt die Anfahrt, das Aufbauen vor Ort. „Ein Fischstand darf, wenn er seine Luken öffnet, nicht nach Fisch riechen. Die Leute erwarten Frische und bei entsprechendem Geruch würden sie schnell wegbleiben“, wissen beide. Nur den geräucherten Fisch, den darf und soll man als Kunde wahrnehmen.

Dieter Prieff: „Wir räuchern selbst, das ist unser großer Vorteil.“ Damit ist nicht nur die Qualität der Ware, sondern auch der Preis gemeint. So ist geräucherter Aal bei den beiden noch immer kein Billigprodukt, die Unterschiede zu anderen Händlern, die geräucherte Ware einkaufen müssen, sind jedoch riesig. Der Aufwand zu Hause ist es auch und nicht alle Nachbarn in Gramnitz sind froh über die Räucherei. Inzwischen wirft Prieff zweimal in der Woche seine Öfen an, die neueste Spezialität ist das so genannte Kalträuchern bei 30 Grad. „Das dauert zwar länger, schmeckt aber dafür auch ganz anders“, schwört der Brunnenbauer auf die Methode. Legendär sind inzwischen auch die Salate, die seine Partnerin selbst zubereitet und verkauft. Vorbereitet wird das alles nach Feierabend, die Tage sind lang, Freizeit ist rar gesät.

Von Oktober bis zum Dezember ist die Hauptsaison für den Fischverkauf. Das stimmt zwar im Prinzip immer noch, doch inzwischen läuft der Handel das ganze Jahr über, die Karpfen gehen sogar bis Ostern gut. Und so haben die beiden im Januar ordentlich zu tun. Im Sommer steht zumindest einer der Wagen dort, wo viele Touristen und Gäste vorbeikommen, im Dömitzer Hafen.

Trotz aller Mühen, auf den Gedanken, die Fahrerei zu lassen und einen Fischladen in einer Stadt aufzumachen, sind die beiden noch nicht gekommen. „Das Geschäft mit richtigen Fischläden ist schwer geworden, wie man an Hagenow sieht. Wir haben unsere Nische gefunden und da wollen wir auch bleiben“, verriet Prieff, der in Hagenow auch noch Obmann der Marktleute ist. In Hagenow können er und andere sich z. B. längere Handelszeiten vorstellen, oder auch einen regelmäßigen Fischverkauf am Sonnabend. „Obwohl wir mobile Händler sind, haben wir doch viele Stammkunden, die an den jeweiligen Orten zu festen Zeiten auf uns warten. Da muss man verlässlich sein.“ Und man erlebt einiges. So fragte doch eine Kundin mit Blick auf den noch im Becken schwimmenden Karpfen, ob der denn auch frisch sei. „Ich denke schon, jedenfalls im Moment noch“, war die Antwort von Fischhändler Prieff, während er den Fisch mit einem Kescher herausholte und dann schlachtete.

 

 

 

 

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erstellt am 11.Jan.2014 | 14:00 Uhr

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