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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 08:36 Uhr

Feuer und Flamme für die Kunst

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bildhauer Thomas Lehnigk mag keine Respektlosigkeiten, liebt Stahl, Klump, Sandstein und will mit Werken provozieren und schmeicheln

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Sich selbst bezeichnet der Bildhauer und Kunstschmied Thomas Lehnigk gern und oft als „sinnlichen Chaoten“, der ständig auf der Suche sei, nach sich selbst. Das zeigt sich auch letztlich in seinen Werken, von filigran bis monumental. Seine Vorbilder sucht er nicht selten in der Natur, wo der gebürtige Ludwigsluster Inspiration und Ruhe zugleich findet. Vor 15 Jahren entdeckte er Klump, Stahl und Sandstein für seine kreativen Zwecke. Schuf seitdem oft Atemberaubendes, das, die strudelnde wie hektische Zeit vorüberziehen lassend, in sich ruht. Beim Betrachten wecken seine Arbeiten nicht selten den zwanghaften Wunsch, sie unbedingt berühren zu müssen.

„Das kann ich gut nachvollziehen, denn schließlich geht es mir ganz ähnlich. Ich muss in Kontakt treten mit dem Material. Es spricht mit mir über meine Hände, der Kopf liefert nur die Idee“, erklärt der Kummeraner, dessen Skulpturen mitunter von delikaten Blickachsen leben, vom kontroversen Dialog und dem Unangepasstsein. „Meine Kunst will provozieren und schmeicheln zugleich“, betont der 50-Jährige, als er SVZ-Redakteur Thorsten Meier bei einem Pott Kaffee die beliebten Fragen zum Wochenende beantwortet. Selbst dabei, in einem Workshop-Raum der Tessiner Suchtklinik, wo er ab und an für Drogensüchtige Schmiedekurse gibt, behält er seinen schwarzen, abgegriffenen Schlapphut auf. Sein Markenzeichen, wie er grinsend erklärt. Wenn Lehnigk sein Schmiedefeuer anheizt und Stahl in ihm versenkt, bis er „weich“, also rot-glühend ist, beginnen bei ihm Magie und Zeitreise zugleich. Und ein inneres, fast kindliches Staunen, wenn sich bisher Unsichtbares trotzig seine Form bahnt. „Ich arbeite schließlich in einem sehr, sehr alten Handwerk.“ Sein Atelier mit Schmiede lässt keinen Zweifel offen, dass es hier schon vor etwa 300 Jahren tatsächlich so ausgesehen haben könnte. Denn das Klingen eines Schmiedehammers war einst in jedem Dorf, und sei es noch so winzig, eine vertraute Melodie. Herbeigezaubert von einem rußgeschwärzten, lederbeschürzten Meister, der seinen schwungvollen Arm so auf das rote Eisen niederschmetterte, dass jeder Funken im Halbdunkel der Werkstatt zu sehen war.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Versuche herauszufinden, was du kannst und mache es unbedingt. Erfülle dir deine Träume, andere werden es nicht für dich tun. Träume haben leider nur eine bedingte Haltbarkeit.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In der Natur, egal wo. Da fühle ich mich wohl, bekomme den Kopf frei. Ich bin ab und zu auch gerne alleine, um neue Träume zu finden.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit kaltgeschmiedeten Talglichthaltern, die ich in Schwerin auf dem Weihnachtsmarkt verkaufte. Die Leute haben sie mir fast aus der Hand gerissen. Das war für mich eine wertvolle Erfahrung, die mich ermutigt hat, weiterzumachen.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für die Standgebühr auf dem Schlachter-Markt. Aber das Geld war mir dabei gar nicht so wichtig, sondern eher die Bestätigung, dass etwas von meinen Händen Hergestelltes Anklang findet. Das war einfach unbezahlbar.
Wo findet man Sie am ehesten?
In meinem Atelier in Kummer. Auf dem Anwesen plane ich eine offene Werkstatt für Jedermann. Ab 2018 soll das Ganze Gestalt annehmen. Ich will Handwerk und Fertigkeiten vermitteln, wie Schweißen, Schmieden sowie Holz und Stein zu bearbeiten.

Was stört Sie an anderen?
Respektlosigkeit. Besonders die, die derzeit weltweit und leider auch in unseren Breiten immer mehr um sich greift. Der Ton wird rauer in Deutschland. Es wird geschimpft und gepöbelt - im Netz wie auch auf der Straße. Benimmregeln und Umgangsformen scheinen Begriffe aus vergangenen Zeiten zu sein.
Welche Musik hören Sie am liebsten?
Eigentlich alles, außer Schlager. Klassik, Jazz wie auch Blues und alle daraus entstandenen, modernen Musikrichtungen.

Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Spontan ein Bauchmensch, bei Planungen eher Kopfmensch. Doch beide gehören für mich untrennbar zusammen. Mein Sternzeichen ist ja auch Zwilling.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Zufriedenheit und Gelassenheit.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Milch
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Mir einen Ort schaffen, der mich widerspiegelt, mit dem ich andere Menschen berühren kann. Und wo ich mich wohlfühle.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?

Den Künstler Henry Moore, leider ist er schon tot. Ich bin nämlich ein absoluter Fan seiner Skulpturen und seines künstlerischen Werdeganges. (Moore, er lebte 1898 bis 1986, als „Picasso der Skulptur“ bezeichnet, gilt als einer der wichtigsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts und Inbegriff des modernen Künstlers. Für seine Arbeiten typisch ist die Wechselbeziehung zwischen Natur und Abstraktion. Die von ihm entdeckten „Voids“, sogenannte Aussparungen und Löcher, erhöhen die plastische, dreidimensionale Wirkung seiner Skulpturen. Mit diesem neuen Ansatz übte Moore starken Einfluss auf die jüngeren Bildhauer aus, denen er entscheidende Impulse gab. Anm. d. R., Quelle amazon)
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Kompliziert
Wo ist für Sie Heimat?
Zur Zeit in Kummer.

Was bedeutet Ihnen die Liebe?

Sie trägt mich durchs Leben, ist mein Elixier.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich mag asiatische und deutsche Küche. Bei letzterer liebe ich Bouletten mit Mischgemüse. Mein Leibgericht stammt von den Sorben: Süßsaure Eier.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf die Natur.

Worauf könnten Sie verzichten?

Auf Statussymbole jeglicher Art.
Welches ist für Sie das schönste Wort?

Skurril

Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Torsten Pasewaldt, er ist Leiter der Arbeitstherapie in der Tessiner Fachklinik und ein höchst interessanter Gesprächspartner.

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