neu kaliss : Festival für das Miteinander

Die „Dancekids“ präsentierten einen arabischen Flamenco. Den Tanz hatten die Mädchen des Jugendklubs Neu Kaliß und des Kinderhauses „To Hus“ mit Suhana einstudiert.  Fotos: harald schulz
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Die „Dancekids“ präsentierten einen arabischen Flamenco. Den Tanz hatten die Mädchen des Jugendklubs Neu Kaliß und des Kinderhauses „To Hus“ mit Suhana einstudiert. Fotos: harald schulz

Künstlerpaar „Suhana und Castano“ aus Polz veranstalteten 6. Orient-Soiree / Neu Kalisser Kinder tanzten und trommelten

svz.de von
05. Juni 2016, 21:00 Uhr

Einem Festival für das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen gleich, so bereicherte die 6. Orient-Soiree am Sonnabend und Sonntag in der Neu Kalisser Mehrzweckhalle das kulturelle und gesellschaftliche Leben über die Gemeindegrenzen hinaus. Das Projekt-Thema dieser klangvollen und tänzerisch anspruchsvollen orientalischen Tanzshow lautete bedeutungsvoll „Eurient“.

Die Organisatoren, das Künstlerpaar Suhana und Castano aus Polz, erfüllten diesen Anspruch eben auch, weil sie von Künstlerkollegen aus Hamburg und Jugendlichen sowie Kindern aus der Gemeinde Neu Kaliß mehr als eine Portion bestens unterhaltende orientalische Tanz- und Trommelkunst spendiert bekamen. Dieses Mitwirken von Kindern der Grundschule und aus dem Jugendklub der Gemeinde sowie vom Kinderhaus „To Hus“ Neu Kaliß begeisterte am Sonnabend beim Konzert in der Mehrzweckhalle nicht nur das Publikum.

Gemeindebürgermeister Burkhard Thees sprach von einem gesellschaftlichen Gewinn, in solch einem verbindenden kulturellen Angebot junge Menschen aus der Gemeinde fest mit einzubinden. Deshalb verstehe er den Verzicht auf eine Nutzungsgebühr für diese Veranstaltung im Sinne und zum Wohl der Gemeinde.

Andrea Führer und Heidrun Schulz vom „To Hus“ freuten sich über ihre Schützlinge, die diese Aufführung als Belohnung für das stetige wöchentliche Trommel-Freizeitangebot bei Castano ansahen. Am Mischpult für Musik, Sprache und Licht assistierte Lewin Steiner, Schüler der 9 b und Mitglied in der Schülerfirma am Schulzentrum Dömitz, dem technischen Kopf der Abendvorstellung, Fredy Nowak aus Hamburg. Dieses Duo koordinierte tadellos 21 Szenen mit 49 Stimmungsbildern.

Die Orient-Soiree verfolgte auch eine Gruppe syrischer Kriegsflüchtlinge, die derzeit in Malliß untergebracht sind. Reem Rahil war von den Tänzen so berührt, dass sie die meisten per Video auf ihrem Handy bannte. Ahmed Alsach sah die Vorführungen schlicht als gelungen an. Dass solche Veranstaltungen Menschen anderer Kulturkreise zusammenführen, ihnen Hoffnung geben und sogar vereinen, davon ist Mahmoud Abdel Aal aus Kretzschau im Naumburger Land überzeugt. Er hatte seinen Arabica-Oriental-Laden in der Neu Kalisser Mehrzweckhalle zwei Tage lang geöffnet.

Das Publikum mit der 7000-jährigen Geschichte des orientalischen Tanzes vertraut gemacht und durch das anspruchsvolle Programm geführt, das gelang Naima perfekt. Die Hamburgerin gehört seit vielen Jahren zu der Künstlerfamilie, wie sie die Mitwirkenden der Orient-Soiree bezeichnete.

Eines eint diese Künstlertruppe: Alle leben für diese Art des Tanzes und drücken es unübersehbar auf den Brettern, die die Welt bedeuten, aus – und sei es auch nur im kleinen Neu Kaliß.

In der orientalischen Tanzshow begeisterte die heute in Hamburg lebende Shammadan mit ihrem modern choreografierten arabischen Flamenco. Sie ist eine Vollbluttänzerin mit ägyptischen Wurzeln. Dass Bürgerproteste sich auch bestens durch Tänze ausdrücken lassen, zeigte die Gruppe „Khaiel“ mit ihrer Präsentation eines aus den 1980-er Jahren stammenden algerischen Protestes gegen Willkür.

Märchenhaft, verträumt und doch mit einer perfekten Körperbeherrschung vollführte Suhana einen Tanz, der seine Wurzeln gleich aus mehreren marokkanischen Regionen hatte. Es folgte ein Trommelsolo, das Castano spontanen Applaus bescherte: Er erzeugte unter anderem rhythmische Töne, indem er auf seine Wangen und auch auf den geöffneten Mund trommelte, um so einen Wohlklang der Töne zu erzeugen.

Der ägyptische Stocktanz, den das Ensemble des Tanz-Theaters „1001 Nacht“ aufführte, erreichte schon die Kategorie Pop. Hingegen präsentierte Adyla mit einem Tanz, der alle Vorzüge einer Frau aufzeigte, die tiefe Symbolik der weiblichen Haarpracht im Orient.

Mit dem Angebot verschiedener Workshops für Hula- und orientalische Tänze sowie für orientalischen Tango und für das Trommeln wurde die 6. Orient-Soiree am Sonntag beendet.

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