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Bahn hat der Stadt durchschnittlich 16 Halte pro Tag zugesichert : Fernzüge halten weiter in Ludwigslust

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Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass Ludwigslust seinen Halt von IC und ICE verlieren könnte. Der Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach "genießt" das Thema seit seinem Amtsantritt 2010 sozusagen in vollen Zügen.

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erstellt am 10.Apr.2013 | 09:12 Uhr

ludwigslust | Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass Ludwigslust seinen Halt von IC und ICE verlieren könnte. Zuletzt war dies Thema eines Unternehmerstammtisches in Hagenow. Der Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Westmecklenburg, Wilhelm Schefe, ist verwundert. "Wenn ich in Ludwigslust bin, höre ich öfter mal die Sorge, dass die Züge nicht mehr in der Stadt halten könnten", sagt er. Der Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach "genießt" das Thema seit seinem Amtsantritt 2010 sozusagen in vollen Zügen. Der Verwaltungschef hat den Verdacht, dass so der Standort Ludwigslust schlecht geredet werden soll - von wem auch immer. "Schon als ich mein Amt antrat, fand ich viele Mails von Berufspendlern vor, die sich besorgt über die Zukunft der Bahnanbindungen äußerten", erinnert sich Mach. Das führte schließlich zu dem Pendlerforum am 16. April 2011, an dem nicht nur 140 Bürger teilnahmen, sondern auch Entscheidungsträger der Bahn den Weg nach Ludwigslust gefunden hatten.

Bereits seit Herbst 2010 pflegt die Stadt aufgrund längerer Suche nach den Verantwortlichen den Kontakt zur Bahntochter DB Fernverkehr in Frankfurt/Main, die im verwirrenden Geflecht der Konzernstrukturen den Hut bei den Fahrplänen auf hat. Der Kontakt ist eng, bestätigt auch Stadtmitarbeiter Henrik Wegner, der einen dicken Ordner darüber hat. "Wir diskutieren über die Bahnhalte", versichert der Bürgermeister zum Beispiel mit Blick auf die mittlerweile fast zwei Jahre alte Forderung, den Zug, der Hamburg gegen 15 Uhr verlässt, ebenfalls in Ludwigslust halten zu lassen. Ein Wunsch, den vor allem Teilzeitbeschäftigte an die Stadt herantragen. Bisher sind die städtischen Argumente bei der Bahn stets auf dem Abstellgleis gelandet.

Das Argument der Fahrplan-Verantwortlichen: Die Interessen der Hamburg-Berlin-Reisenden seien höher zu gewichten als die der Ludwigsluster. Erstere sollen möglichst schnell von Metropole zu Metropole gelangen. Das geht zwischen der Hansestadt und der Bundeshauptstadt per Zug schneller als mit dem Flugzeug, wenn man Zubringer, Ein- und Aus-Checken dazu rechnet. Anschlusszüge in Berlin wie zum Beispiel der Eurocityzug nach Prag müssten erreicht werden… Was wohl auch mitschwingt: Wenn ein Zug in Ludwigslust hält, muss er auch in Wittenberge stoppen. Die Stadt kämpft ebenfalls um den Halt der Fernzüge - aus bekannten Gründen. Die Bahn macht zudem kein Hehl daraus, dass sie ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen ist und darum die Fernreisenden am meisten zählen.

Reinhard Mach sieht die Bahn auf dieser Strecke als Marktführer im Personenverkehr, trotzdem glaubt er, dass mehr ginge. "Wir bleiben deshalb am Ball, einen Halt des Nachmittagszuges in Ludwigslust zu erreichen", sagt er. In Frage stünde der Halt Ludwigslust generell nicht. Das Niveau ist seit Jahren stabil: Durchschnittlich 16 IC und ICE halten täglich in Ludwigslust, das wird auch im neuen Fahrplan so bleiben, so die Zusicherung der Bahn. Das lenkt die Gedanken des Verwaltungschefs auf ein angrenzendes Thema: Ludwigslust muss dringend etwas für die Verbesserung des Bahnhofsumfeldes tun. Pendler nutzen jede freie Stelle als Parkplatz. Die um den Bahnhof herum liegenden Straßen sind tagsüber komplett zugeparkt. "Die Situation ist nicht zum Totlachen", sagt Reinhard Mach sarkastisch und blickt auf eine nunmehr dringend zu treffende Entscheidung: Bekommt Ludwigslust nun einen Fahrzeugtunnel in Bahnhofsnähe oder nicht?

Davon hängt die Gestaltung des gesamten Bahnhofsareals ab. Die Kosten für ein Querungsbauwerk sind immens und werden nach derzeitigem Stand über 20 Millionen Euro verschlingen (SVZ berichtete). Für Ludwigslust allein etliche Nummern zu groß und selbst bei einer Beteiligung zu einem Drittel, wie fest vorausgesetzt, noch ein gewaltiger Happen für den Stadthaushalt. Ohne Beteiligung des Bundes geht gar nichts. Erwartet wird eine politische Entscheidung, die auch Nachwende-Wunden heilen könnte, an denen nicht wenige Stadtvertreter immer noch laborieren, wenn sie an die Umstände der Schließung des Bahnübergangs denken. Ein wichtiges Gespräch wird es geben: Am 22. Mai reist ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums aus Bonn nach Ludwigslust - mit dem Zug.

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