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Diskussion um Fohlen-Impfstoff : Feldversuch vergiftet Bürgervertrauen

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Das Verhältnis zwischen Veranstalter und Gästen war vor dem Informationsabend über einen bei Fohlen zur Anwendung kommenden gen-manipulitierten Impfstoff vergiftet. Mit Transparenten machten sich Bürger Luft.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 09:16 Uhr

Grabow | Das Verhältnis zwischen Veranstalter und Gästen war bereits vor dem Informationsabend über einen bei Fohlen zur Anwendung kommenden gen-manipulitierten Impfstoff vergiftet. Mit Transparenten gegen Gentechnik und Tierversuche, mit Ängsten behafteten Antworten gegenüber den mit starker Präsenz aufgefahrenen Medien, aber vor allem voller Misstrauen gegenüber dem niederländischen Betreiber des Feldversuches, der Intervet Internationel, und dem Schockemöhle-Unternehmen Gestüt Lewitz, machten sich rund 30 Grabower Bürger vorgestern Abend vor dem Reutersaal der Stadt über ihre Befürchtungen Luft.

Drinnen mussten dann der Geschäftsführer des ca. 3500 Pferde und 650 Fohlen umfassenden Lewitz-Gestüts, Dr. vet. Marc Lämmer, mit den Referenten Dr. vet. Dieter Lütticken und PD Dr. Monica Venner die geballte Ladung an Misstrauen über sich ergehen lassen. Alle drei Mediziner sind mit dem Projekt eng verbunden. Aus dem Hintergrund und ab und an auch mit Beiträgen versuchten der Intervet-Versuchs- und Studienleiter Tom Nell und die Leiterin für Kommunikation im Unternehmen, Sabine Schüller, die erhitzten Gemüter aufzuklären. Alle Liebesmüh der gut vorbereiteten Gastgeber fruchtete nicht: Das Misstrauen saß zu tief. Auch nicht das Statement von Gestütsleiter Lämmer: "Ich sehe kein Gefahrenpotenzial für die 180 Mitarbeiter und für die Pferde, deshalb habe ich dem Versuch zugestimmt." Das könne vielleicht alles richtig sein, traf Stadtvertreter Stefan Sternberg dann den Nagel auf den Kopf, "doch die Informationen für die Bürger sind sechs Monate zu spät erfolgt. Das hat ein Geschmäckle. Und Grundfragen sind bislang nicht beantwortet."

Die Aussage von Grabows Bürgermeister Ulrich Schult im Verlauf seiner kurzen Anwesenheit zu Beginn lautete, dass er den Versuch weiterhin als gefährlich empfinde.

Die perfekt vorgetragenen Referate über den auf dem gestütseigenen Heidehof im Freiversuch zur Anwendung kommenden Impfstoff waren selbsterklärend. Das rektal einzuführende Präparat, aus dem allgegenwärtigen, jedoch für den Versuch um vier krankmachende Genome reduzierten Bakterium Rhodoccus equi, wird bei 30 Fohlen auf dem eigens dafür zur Verfügung gestellten Heidehof angewandt. Als für die Öffentlichkeit schwer verständlich, bewertete Landwirtschaftsexperte Dr. Burkhard Roloff vom BUND-MV, weshalb der Versuch überhaupt angestrengt wurde. Er sieht dahinter die Absicht, über diesen Freisetzungsversuch die Zulassung schnellstmöglich zu erreichen. Die Initiatorin der Anti-Impfstoff-Bewegung, Gisela Welke aus Grabow, erkennt wie viele andere anwesende Gegner eine Gefahr für die Allgemeinheit, weil "lebende, gen-behandelte Bakterien im offenen Stall ausprobiert werden." Von dort könnten andere Tiere Ausscheidungen der Test-Fohlen fortschleppen, lauteten diese oder ähnliche Befürchtungen aus der Saalrunde.

Eine vehemente Gegnerin der genehmigten Impfstudie ist auch die Hautärztin Wiebke Busse aus Grabow. Sie gab den Intervet-Vertretern und Gestütsleiter Lämmer mit auf dem Nachhauseweg, dass es besser wäre, den Versuch abzubrechen. Denn, so ihr Versprechen: "Wir geben nicht auf."

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