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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 16:15 Uhr

Ludwigslust : Fast jede zweite Flucht aufgeklärt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Polizei registrierte seit Januar in der Region schon über 190 Fälle des unerlaubten Entfernens vom Unfallort

von
erstellt am 16.Dez.2014 | 07:00 Uhr

Der Sattelzug fuhr auf das Gelände der Tankstelle in Neustadt-Glewe – offenbar aber etwas zu ungestüm. Denn der Laster streifte eine der Zapfsäulen. Der Unfallfahrer aber meldete die Sache nicht, tankte, zahlte und machte sich dann aus dem Staub. Vielleicht vertraute er darauf, dass es um diese Abendstunde (18.40 Uhr) bereits dunkel war. Und möglicherweise ja ein gar nicht so großer Schaden an der Tanksäule entstanden sei.

Was er nicht ahnte: Ein Zeuge hatte den Vorfall gesehen und sich das Kennzeichen des Verursachers gemerkt.

Offenbar sehen viele Kraftfahrer ein solches Vergehen als „Kavaliersdelikt“ an. Ist es aber nicht. Gilbert Küchler, Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust, warnt: „Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist inzwischen zu einem Phänomen geworden. Allein in unserem Revierbereich haben wir in diesem Jahr bisher über 190 Unfallfluchten registriert. Das entspricht in etwa der Zahl von 2013, als wir bis Jahresende 233 Unfallfluchten gezählt haben. Jeder Verursacher sollte bedenken, dass es sich um einen Straftatbestand handelt, der entsprechend geahndet wird.“

Auch im Fall des eingangs erwähnten Brummifahrers von der Neustädter Tankstelle verfolgte die Staatsanwaltschaft den Fall und ahndete das Verhalten des Fahrers. Da half ihm auch nicht, dass er vor der Unfallflucht versuchte, die beschädigte Tanksäule eigenhändig wieder gerade zu richten.

Auch auf Parkplätzen gibt es immer wieder Unfälle, die Beulen oder Schrammen an Autos zur Folge haben. Auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Neustadt-Glewe allerdings rammte vor kurzem ein VW kein Auto, sondern die Ecke des Gebäudes und fuhr weiter. Auch hier merkte sich ein Zeuge das Kennzeichen, übergab es den Mitarbeitern des Marktes, die wiederum die Polizei alarmierten. „Offenbar sind viele Leute sehr aufmerksam und schauen in solchen Fällen nicht weg, sondern informieren die Geschädigten oder gleich die Polizei“, sagt Hauptrevierleiter Gilbert Küchler. „Diese Tatsache und die akribische Ermittlungstätigkeit unserer Beamten führen dazu, dass fast jede zweite Unfallflucht aufgeklärt werden kann.“

In diese Kategorie fällt auch eine Unfallflucht vor wenigen Tagen in Wöbbelin. Hier beschädigte ein Auto beim Rangieren eine 2,5 mal 2,5 m große Sicherheitsglasscheibe eines Geldinstituts und fuhr davon. Auch hier notierte sich jemand das Kennzeichen und alarmierte die Polizei, die den Unfallfahrer stellen konnte.

Ganz frech war kürzlich auch ein Unfallfahrer in der Seminarstraße in Ludwigslust. Er versuchte rückwärts einzuparken, stieß dabei gleich mehrmals gegen einen geparkten Pkw. Schließlich gab der Fahrer auf und suchte sich wohl einen anderen Parkplatz. Sein Pech: Im gerammten Pkw saß die ganze Zeit die Beifahrerin und merkte sich das Autokennzeichen des „Rammbocks“.

Hauptrevierleiter Gilbert Küchler: „Es lohnt nicht, darauf zu hoffen, dass man nach einer Unfallflucht ungeschoren davon kommt. Die Folgen eines solchen Verhaltens sind nicht zu unterschätzen. Zunächst ist der Umfang der polizeilichen Maßnahmen nicht unerheblich. Dann kann ein Strafbefehl sehr schmerzhaft sein und für Betroffene finanzielle Härten bringen.“

Dazu kommt: Nicht bei jedem Unfall entsteht großer Schaden. Bei einer Flucht könnte die Strafe für Betroffene dann wesentlich höher sein, als der durch den Unfall verursachte Schaden.

 

 

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