Familie fristlos die Wohnung gekündigt

<strong>Die Küche der Mietwohnung:</strong> Auf die Rohrleitungen der Therme geschaut, öffnet sich der Blick direkt in den darunter liegenden Keller. <foto>Foto: Harald Schulz</foto>
Die Küche der Mietwohnung: Auf die Rohrleitungen der Therme geschaut, öffnet sich der Blick direkt in den darunter liegenden Keller. Foto: Harald Schulz

svz.de von
29. Juni 2012, 05:32 Uhr

Ludwigslust | Der Streit zwischen ihrem Vermieter und Barbara Müller schwelt schon geraume Zeit. Jetzt eskalierten die Meinungsverschiedenheiten um 106 Quadratmeter Wohnfläche in einem 13-Parteien-Wohnhaus in der Friedrich-Naumann-Allee mit einer Mietminderung einerseits und der fristlosen Kündigung für die Mutter von vier Kindern andererseits. Der Vermieter hat in Anbetracht des Räumungstermins 30. Juni, die mietrechtlich vereinbarte Kündigungsfrist von drei Monaten im selben Anschreiben gleich mit nachgeschoben. Nun hat die Hartz IV-Empfängerin selbst einen Rechtsbeistand bemüht, denn "nicht nur in meiner Wohnung herrschen unzumutbare Zustände. Und nichts ändert sich."

Was sich ändern müsste, wäre der Schimmelbefall in dem muffig riechenden Badezimmer. Und auch der Verlauf von Rohrleitungen in der Küche, die freien Blick in den darunter liegenden Keller geben, ist einem Wohnraum sicherlich nicht würdig, meint Barbara Müller. Auch den zur Wohnung gehörenden Balkon kann die Mieterin nicht mehr betreten: "Er könnte abbrechen." Im Flur des Treppenhauses lösen sich Putz und Tapeten, die Treppenstufen geben nur bedingt Sicherheit gegen das rutschfreie Vorankommen - dem gesamten Gebäude ist das Alter unübersehbar anzumerken. Der Vermieter ist selbst Handwerker, weiß auch um so manchen Mangel, wie er der SVZ Auskunft gab. Der nun gekündigten Barbara Müller soll er mehrfach angekündigt haben, Mängel zu beseitigen. Den Schimmelbefall allerdings sah der Wohnungsgeber als hausgemacht seitens der Mietpartei Müller. Er habe die Wohnung vor knapp einem Jahr in einem sauberen und schimmelfreien Zustand übergeben. Diesen nun monierten Umstand sehe er sogar zusätzlich als schädlich für das Mietverhältnis, zudem werde der Wert der Wohnung erheblich beeinträchtigt. Dass ab und an eine Maus durch einen Altbau huscht, das sei ein Umstand, der nicht nur in seinem Mietshaus mal vorkommen kann.

Was allerdings im Sinne der anderen Mieter ganz und gar nicht hinzunehmen ist, so der Vermieter, ist die permanente Ruhestörung durch die Familie Müller. Und auch die willkürliche Mietkürzung um 50 Prozent könne er nicht akzeptieren. Wie er als Vermieter, müssen sich auch Mieter an Pflichten halten, um ihre Rechte in Anspruch nehmen zu können.

Die aus der Wohnung gekündigte Mutter von vier Kindern im Alter von 7 bis 14 Jahren lässt sich nun anwaltlich vertreten und hat sich dem Mieterbund anvertraut. Dass sie seit heute auf der Straße wohnen soll, das sei in der heutigen Zeit wohl eine unmögliche wie unwirkliche Geschichte, befindet Barbara Müller.

Anmerk. d. Red.: Weitere Mieter in dem Wohnhaus wurden gestern Vormittag nicht angetroffen oder wollten sich zu der Thematik nicht öffentlich äußern.

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