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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 11:21 Uhr

Dömitz : Falscher Polizist am Telefon

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Unbekannter wollte von zwei Seniorinnen in Dömitz Vermögensverhältnisse ausspionieren. Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen

von
erstellt am 21.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Es ist Sonnabendabend, gegen 21 Uhr. Bei einer 76-jährigen Dömitzerin klingelt das Telefon. Am anderen Ende gab sich ein Mann als Polizist aus, der sich über den Notruf 110 bei der Seniorin gemeldet hatte. Er würde in einem Fall ermitteln und benötige dazu persönliche Auskünfte zu Eigentums- und Vermögensverhältnissen der Frau. Im Laufe des Gesprächs merkte aber die Seniorin in der Roggenfelder Straße schnell, dass da etwas nicht stimmen könne. „Nachdem der Anrufer nicht weiter kam und das Gespräch beendet hatte, meldete sich die Frau über Notruf bei der Polizei. Über das Polizeipräsidium in Rostock wurden dann lokale Kräfte an den Ort des Geschehens geschickt. Beamte des KDD, des Kriminaldauerdienstes der Polizeiinspektion Ludwigslust, sind dann unverzüglich nach Dömitz gefahren“, so Gilbert Küchler, Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust. „Im Gespräch mit den Beamten zeigte sich die Frau sehr gefasst, stand aber immer noch unter dem Eindruck des Telefonats mit dem angeblichen Polizisten.“ Die Seniorin schätzte den Anrufer am Telefon von der Stimme her auf etwa 20 bis 30 Jahre, er sprach deutsch. „Wie die Frau weiter sagte, gab sich der Mann als Hauptkommissar Stefan Schwarz zu erkennen. Die Person gab an, zu in Dömitz geschehenen Überfällen Ermittlungen durchzuführen. Der Anrufer bezog sich dabei auf einen im Bereich Roggenfelder Straße gefundenen Rucksack. In diesem hatte dann angeblich die Polizei einen Notizblock entdeckt, auf dem der Name der Seniorin stand.“

Der falsche Polizist gab an, die Frau schützen zu wollen, und man müsse jetzt ermitteln, ob sie schon geschädigt worden sei oder eventuell noch Opfer einer Straftat werden könne. „Aus diesem Grunde wollte der Mann am Telefon nun aus polizeilicher Sicht Informationen einholen über ihre Vermögenswerte. Als die 76-Jährige aber sagte, dass sie weder Wertgegenstände noch Gold im Hause habe, legte der Anrufer auf.“

Wenig später, innerhalb einer halben Stunde nach dem ersten Vorfall, hatte eine 77-Jährige aus der Ludwigsluster Straße in Dömitz das gleiche Erlebnis. Die Vorgehensweise des Anrufers war ähnlich wie beim ersten Telefonat. Auch in diesem Fall meldete sich anschließend die Seniorin über Notruf bei der Leitstelle, die Kollegen des Kriminaldauerdienstes waren auch hier schnell vor Ort. „Aber die Frau vergewisserte sich noch einmal bei der Einsatzleitstelle, ob auch die richtigen Beamten bei ihr eingetroffen sind“, ergänzt der Ludwigsluster Revierleiter. „Das ist sehr bemerkenswert, dass sich die Frau noch einmal abgesichert hat. Außerdem hat sie ihre Verwandten in Kenntnis gesetzt, so dass beim Eintreffen der Beamten ihre Tochter anwesend war.“ Auffällig bei dem zweiten Telefonat war, dass sich der Anrufer, den die 77-jährige als einen Mann zwischen 20 und 30 schätzte, zwar als Polizeibeamter vorstellte, aber weder Name, noch Dienstgrad oder Dienststelle nannte. Er gab an, ein bestimmtes Umfeld gegenzuchecken, in dem es zur Festnahme von Straftätern gekommen war. Dabei seien Geld und Schmuck gefunden worden, ebenso auch der Name und die Adresse der Frau, die der falsche Polizist angerufen hatte.

„Auch diese Frau sollte Angaben zu ihren Vermögensverhältnissen machen. Sie verneinte, Bargeld oder Wertgegenstände im Haus zu haben und die Rentnerin erklärte, auch keine Sparbücher oder Sparguthaben zu besitzen. Außerdem wolle sie ihre Tochter über diesen Anruf informieren“, so Gilbert Küchler. Das sei doch aber nicht nötig, sagte der falsche Polizist zu der älteren Dame, man könne das Gespräch doch weiter fortsetzen. Aber die 77-Jährige wollte das nicht und beendete das Telefonat. „Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um ein und den selben Mann handelt. In beiden Fällen hat der Kriminaldauerdienst Ermittlungsverfahren zum Verdacht des Amtsmissbrauchs und des versuchten Betrugs eingeleitet“, erklärt Gilbert Küchler.

Hervorzuheben ist, dass im Telefondisplay einer der angerufenen Frauen die „110“ als anrufende Nummer angezeigt wurde. Hierbei handelt es sich um das sogenannte „Call ID Spoofing“, einer Methode, die es ermöglicht, beliebige Nummern auf der Rufnummernanzeige des angerufenen Telefons anzeigen zu lassen.

„Daher ergeht nochmals der Hinweis: Der Polizei-Notruf 110 ist eine Telefonnummer, die lediglich angerufen werden kann, von der aber niemals ausgehende Telefonate möglich sind“, so Revierleiter Küchler. „Zudem wird die ,echte’ Polizei sie nie am Telefon zu ihrem Bargeld- oder Schmuckbestand befragen.“



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