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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 00:55 Uhr

Brunow : Fairer Milchpreis nur im Bündel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landwirte stärken ihre Marktposition durch Zusammenschluss / Dieckmann: Danone-Schließung bestätigt Richtigkeit des Weges

von
erstellt am 14.Jun.2014 | 07:00 Uhr

Das angekündigte Aus für das Danone-Milchwerk in Hagenow (SVZ berichtete) hat auch in Brunow wie die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen. Die Milchbauern sind alarmiert. Sie sehen sich in der Entwicklung der letzten Jahre bestätigt, die durch einen harten Preisdruck beim Milchverkauf gekennzeichnet ist. Das Ergebnis ist, dass die Bauern sich immer mehr zusammenschließen, um eine bessere Position am Markt zu erreichen. So ist das auch bei den Erzeugern, die ihre Milch bisher an das Danone-Werk liefern. Sie sind Mitglieder der Norddeutschen Erzeugergemeinschaft, einer Dachorganisation, in der sich Milcherzeuger zusammengeschlossen haben, um bessere Bedingungen mit den Vermarktern auszuhandeln.

Helge Dieckmann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Brunow, vollzieht die Entwicklung nach. Ursprünglich waren siebzig Prozent der deutschen Milch über Genossenschaften eingesammelt worden. Diese gehörten den Milchbauern, die in den Molkereien einen eigenen Vermarkter besaßen. „Diese Struktur hat sich in den letzten Jahren verselbstständigt“, so Helge Dieckmann. Es seien separate Betriebe entstanden, so dass die Bauern heute keinen Einfluss mehr auf die Vermarktung der Milch hätten. „Für die Molkereien ist die Entwicklung günstig gewesen“, erklärt der Geschäftsführer. So ein Betrieb ließe sich besser steuern, Bauern seien nur noch die Rohstofflieferanten, Genossenschaften nur noch Erfassungsstelle und die Bauern hätten kein Mitspracherecht mehr beim Preis.

„Dem müssen wir uns entgegenstellen und den Rohstoff Milch vor den Molkereien bündeln“, sagt Dieckmann. Dafür sind Strukturen geschaffen worden. So ist 2012 die Erzeugergemeinschaft Nordpool entstanden, in der die Brunower Mitglied sind. Sie sind unter 25 Betrieben, die insgesamt 70 Millionen Kilogramm Milch im Jahr liefern. Die Nordpool ist aber auch nur Baustein einer Dachorganisation, eben jener bereits erwähnten Norddeutschen Erzeugergemeinschaft mit Sitz in Lüneburg, der acht kleinere Erzeugergemeinschaften angehören – fünf in Niedersachsen und drei in MV.

Diese bündeln zusammen bereits 300 Millionen Kilogramm Milch, aber auch das ist für die erfahrenen Produzenten noch nicht ausreichend. Dennoch zeigt der Zusammenschluss bereits Erfolge. Die Verträge mit den Milchkäufern heben sich vom normalen Markt ab. Das Ziel bestehe darin, so Helge Dieckmann, Verträge zu schließen, in denen Menge und Preis von vornherein festgesetzt seien. Es sei noch mehr Milch nötig, die in Erzeugergemeinschaften gebündelt werden müsse. So gibt es eine Kooperation mit der Bayern-MEG, der Milcherzeugergemeinschaft Bayern, die seit acht Jahren mit 50 Erzeugergemeinschaften 2,2 Milliarden Kilogramm Milch bündelt.

Mit den Produzenten im Süden stehen die Norddeutschen in Verbindung, tauschen sich aus und haben ein ehrgeiziges Ziel: Zehn Prozent der deutschen Milch wollen sie „zusammenpacken“. Das sind drei Milliarden Kilogramm. Dass dieses Kalkül aufgeht, zeige sich bei den aktuellen Vertragsverhandlungen, berichtet Dieckmann. Die Verträge seien zukunftsträchtig und man könne sich erfolgreich am Markt bewegen. Immer seien bei den Verhandlungen auch die Erzeugungskosten im Blick. Helge Dieckmann erinnert an das Motto des 7. Milchbauerntages im Februar in Karow bei Plau am See. „Lieferst du noch oder verkaufst du schon?“ Das sei ein Slogan, den sich jeder Produzent durch den Kopf gehen lassen müsse, um seine Position am Markt zu verbessern.

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