Dreharbeiten Polizeiruf 110 : Es war Mord! Ermittlung in Warlow

Am Wochenende zieht sich das Filmteam aus Warlow zurück. Ab Montag wird weitergedreht. Ausstrahlungstermin des Polizeirufs 110 mit dem Titel „Die 5. Gewalt“ ist erst im September 2016. Fotos: Kita/Hennes/NDR
1 von 4
Am Wochenende zieht sich das Filmteam aus Warlow zurück. Ab Montag wird weitergedreht. Ausstrahlungstermin des Polizeirufs 110 mit dem Titel „Die 5. Gewalt“ ist erst im September 2016. Fotos: Kita/Hennes/NDR

NDR-Filmteam verliebt sich in mächtige Lindenallee und wählt Warlow als Drehort für Polizeiruf 110 / Bis Dienstag ermitteln hier die Kommissare Bukow und König

23-11367774_23-66107382_1416391935.JPG von
05. Juni 2015, 20:33 Uhr

„Haben Sie gesehen? Der Konsum macht wieder auf. Dann kann ich mit dem Lütten nachher einkaufen gehen.“ Kita-Leiterin Dietlind Zimmermann will dem Opa erklären, dass der Laden an der Ecke nur Kulisse ist. „Die drehen hier einen Film. Nächste Woche ist das Schaufenster wieder leer“, ruft sie dem alten Mann hinterher. Aber da ist er mit seinem Enkel schon aus der Tür.

Das NDR-Filmteam vom Rostocker „Polizeiruf“ hat in Warlow einiges durcheinander gebracht. Seit Dienstag belagern Trucks das letzte Stück der Lindenallee. Hohe Scheinwerfer stehen in Vorgärten. Mobile Verteilerkästen werden über Gehwege gerollt, Kabel hängen über Zaunlatten. Bei Familie Fritsche auf dem Grundstück parken gleich fünf Wohnmobile. „Hier ist vielleicht was los“, sagt Angret Fritsche. „Gestern hatte ich 60 Leute zum Essen auf meiner Terrasse.“ Natürlich bekocht nicht sie das Filmteam. Das übernimmt ein Berliner Caterer. Rund um die Uhr versorgt er Schauspieler, Filmemacher, Statisten und die Nachbarn aus Warlow gleich mit. „Lecker war das“, sagt Angret Fritsche und erzählt, wie der Berliner Koch plötzlich in ihrer Küche stand und sie zum Essen einlud. Den Schauspieler Charly Hübner kennt sie nicht. Aber ihre Jungs: „Mensch Mama, das ist doch der Polizeiruf-Kommissar.“

Seit einer Woche wissen Fritsches, dass das Fernsehen in ihr Dorf kommt. Kai Jürgensen vom Film-Team hat am Wochenende auf dem Dorffest Handzettel verteilt. „Wir sind hier unglaublich herzlich aufgenommen worden. Ein besseres Dorf als Warlow hätten wir uns nicht aussuchen können“, sagt der Motiv-Aufnahmeleiter.

Sechs Wochen ist es her, da ist Jürgensen ganz zufällig auf dem Weg von Parchim nach Ludwigslust in Warlow gelandet. „Ich fahre gern Strecken abseits der Hauptwege“, sagt er. „Man weiß ja nie, welche schönen Drehorte man sonst verpasst.“ Unter der Lindenallee habe es dann sofort „Klick gemacht“. Und als er ganz am Ende der Straße das leere Haus mit dem Schild „Zu verkaufen“ sah, war das kleine 500-Seelen-Dorf klarer Favorit seiner Vorschlagsliste. Das Team um Regisseur Christian von Castelberg entschied sich dann schnell für Warlow und damit gegen die Mitbewerber Crivitz und Brüel. Gedreht wird hier noch bis Dienstag. Die Szenen aus Warlow nehmen ein Drittel der Filmlänge ein. Warlow heißt im Film „Beslow“ und ist ein kleines Dorf bei Rostock. Hier wird die Leiche einer Obdachlosen entdeckt. Vor ihrem Tod war die Frau vergewaltigt und misshandelt worden. Die Täter scheinen zwei Sexual-Straftäter aus der Nachbarschaft zu sein: Peter Buschke und Martin Kukulies, die erst vor Kurzem aus der Haft entlassen wurden. Die Kommissare Bukow und König stoßen jedoch bald auf viele Ungereimtheiten in den Zeugenaussagen. Am nächsten Morgen finden die Ermittler dann den erhängten Buschke in dessen Haus...

Jenem Haus am Ende der Lindenallee. Szenenbildner haben hier in der vergangenen Woche die Wände neu tapeziert, Gardinen aufgehängt und Inventar aufgestellt. Neben den Eingang hat der NDR einen Vorbau gezimmert und dessen Scheiben gelb mit Schimpfparolen besprüht. An den Zaunpfosten flattern handgeschriebene Zettel: „Raus aus Beslow ihr Schweine“.

Drinnen im Wohnzimmer stehen Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau gerade vor der Kamera. Die Szene ist schwierig. Die Kommissare vernehmen Zeugen. Schauspieler Hübner muss dabei wütend und handgreiflich werden. Der Aufnahmeassistent hört die Regieanweisungen draußen über Kopfhörer mit. Dann stürmt Hübner aus dem Haus, schimpft laut und knallt die Zaunpforte. Eineinhalb Minuten dauert die Szene im Film – bis sie im Kasten ist, vergehen vier Stunden.

Auf dem Weg zur Maske im Wohnmobil trifft Hübner später auf Warlows Bürgermeister Rainer Zimmermann. „Schön habt ihr es hier“, sagt der Schauspieler. Gestern Abend sei er im Auto einfach mal so rumgefahren. Das sei die einzige Gegend in Mecklenburg, die er noch nicht so gut kenne. „Ludwigslust ist schön.“ Viel schöner als seine alte Heimat, die Residenzstadt Neustrelitz. Heute lebt der Schauspieler bei Hamburg. Aber Warlow, sagt Hübner, wäre auch schön zum Wohnen. Wo doch hier gerade ein Haus leer steht...

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen