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Demonstration in Ludwigslust : „Es ist kurz vor zwölf“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Demo gegen Alstom-Werksschließung: 250 Menschen fordern Erhalt des Standortes Ludwigslust

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 20:00 Uhr

„Wir sind hier. Wir sind laut. Weil man uns die Arbeit klaut.“ Hans-Georg Frericks von der IG Metall ruft die Sätze laut ins Megafon. Trillerpfeifen stimmen ein. Dann, punkt neun Uhr, starten die Alstom-Mitarbeiter auf ihrem Firmengelände zum Protestmarsch durch die Stadt. „Wir müssen alles dafür tun, diesen Standort zu erhalten“, sagt Frericks. „Eine Werksschließung würde eine Katastrophe für die Region bedeuten.“ Die Kollegen in ihren blauen Dienst-Jacken schwenken Fahnen, pfeifen und halten Transparente in die Höhe. Für eine halbe Stunde wird die Innenstadt von der Polizei gesperrt. Ludwigsluster öffnen ihre Fenster, Passanten bleiben stehen. „Gut so“, ruft ein Rentner auf dem Gehweg den Protestierenden zu. „Eigentlich müsste in ganz Deutschland protestiert werden. So oft wie das im Land passiert.“ Peter Möbes entschließt sich spontan mitzulaufen und reiht sich hinten ein. „Mein Sohn und meine Schwiegertochter arbeiten bei Alstom“, sagt er. „Dieses Unternehmen ist am Markt weltführend und dann passiert so etwas. Wer soll das verstehen.“

Vor acht Wochen hatte die Geschäftsführung auf einer Betriebsversammlung den Kollegen mitgeteilt, die Alstom Grid Messwandler GmbH am Standort Ludwigslust schon im April 2016 zu schließen. Nach SVZ-Informationen will Alstom die Papierisolierung der Messwandler nach Indien und Brasilien auslagern, nur die Endmontage solle später im Werk in Kassel erfolgen. Neunzig der 200 Mitarbeiter in Ludwigslust sollen ein Angebot für Kassel erhalten. Für die meisten aber ist das keine Option: „Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt bei 50 Jahren“, sagt Annette Kruse, bei Alstom tätig im Bereich „Qualität und Überwachung“. Sie arbeitet seit 25 Jahren für die Messwandlerproduktion in Ludwigslust. Erst für Ritz-Messwandler, dann für Areva und nun für Alstom. „Wir alle sind tief verwurzelt mit der Region, haben Haus und Hof hier. Das will keiner aufgeben.“

Noch ist es nicht zu spät. „Es ist kurz vor zwölf“, sagt Falk Hoinkis, Mitglied im europäischen Betriebsrat von Alstom. Auf der Betriebsversammlung im Landratsamt nach der Demo zeigt sich Hoinkis beeindruckt vom Einsatz der Kollegen. Dieser Tag sei der „perfekte Beginn für weitere Aktionen zum Erhalt des Werkes“. Hoinkis kündigt an, schon nächste Woche Gespräche in Paris, dem Hauptsitz von Alstom zu führen. Die Chancen für den Ludwigsluster Standort schätzt er auf „50 zu 50“. „Wobei noch unklar ist, unter welchen Voraussetzungen es hier weitergehen kann.“ Anfang Juli rechnen Betriebsrat und Belegschaft mit ersten Ergebnissen der Studie des Info-Institutes. Das Saarbrücker Beratungsunternehmen wird in den nächsten Wochen vor Ort in Ludwigslust die kompletten Arbeitsabläufe beleuchten, Zahlen erfassen, analysieren und Marktchancen bewerten. Hoinkis: „Seine Empfehlung wird am Ende zeigen, wie viel Potenzial im Standort Ludwigslust steckt.“

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