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Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 11:44 Uhr

Wöbbelin : Erzählcafe zur Polizei-Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Gesprächsrunde in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mit Militärhistoriker Klaus-Ulrich Keubke

Mehr als zwanzig Besucher zählte am Sonntag das zweite Erzählcafe in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Der Militärhistoriker Dr. Klaus-Ulrich Keubke berichtete über die Geschichte der Mecklenburger Polizei. Den Schwerpunkt legte er auf die Rolle der Mecklenburger Polizei während des Nationalsozialismus. Welche Rolle spielte die Polizei im NS-Staat? Wo wurde sie eingesetzt? Keubke ging an Hand einzelner Biografien der Frage nach, welchen Handlungsspielraum der Einzelne im Apparat der Polizei hatte. Er zeigte auf, dass in Mecklenburg-Schwerin bereits Anfang 1933 die Mehrheit der Polizeiangehörigen Mitglied der NSDAP waren.

Damit hatte Mecklenburg deutschlandweit den höchsten Anteil NSDAP-Mitglieder bei der Polizei. Ein im April 1933 erlassenes Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums diente auch in Mecklenburg zur Säuberung der Polizei.

Politisch abweichende und jüdische Beamte wurden entlassen. Im Land betraf das 24 Wachtmeister und den Polizeihauptmann Wilhelm Grabbe. Bemerkenswerter Weise gelang es dem Polizeihauptmann sich aus gesundheitlichen Gründen pensionieren zu lassen. Ein Gespräch mit dem Leiter der Ordnungspolizei des Landes, Polizeioberstleutnant Hans Heidemann, war hilfreich. 1935 erfolgte die Eingliederung der Landespolizei in die Wehrmacht. Im September 1939 wurden SS-Divisionen bei der Polizei eingerichtet. Ihren ersten Auslandseinsatz hatte die Polizei Mecklenburgs bereits 1938 bei der Besetzung Österreichs. Ein Polizeibataillon war in Lettland und Russland stationiert.

1941 beteiligten sich Mecklenburger an der Auflösung des Gettos in Riga. Nachweisbar ist die Absicherung des Lagers durch Polizeikräfte aus Mecklenburg. Haben Polizisten auch an Erschießungen teilgenommen? Krankenakten lassen es vermuten. Es gibt zahlreiche Magenerkrankungen nach Auslandseinsätzen.

„Wer sich tiefer mit Polizei- und Militärgeschichte beschäftigen möchte, sollte nicht nur Literatur auswerten, sondern im Landeshauptarchiv recherchieren. Das Archiv ist in Sachen Militär- und Polizeigeschichte sehr gut aufgestellt“, empfiehlt der Schweriner Militärhistoriker Keubke am Ende seines spannenden Vortrags.




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