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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 04:10 Uhr

Dömitz : Erster Lehrvertrag für Spanier

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Cristo Javier Encinoso Delgado zieht von Teneriffa nach Dömitz für einen Ausbildungsplatz bei der Stahl- und Metallbau Ehbrecht GmbH

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Die ersten Tage waren schwer. „Da hat mein Herz geklopft und ich habe gedacht, ich fliege bald wieder zurück nach Hause. Kein einziges Wort habe ich verstanden. Alles war so fremd.“ Cristo sollte sich irren. Nur acht Wochen später unterschreibt der Spanier als erster der ausländischen Praktikanten bei der Dömitzer Stahl- und Metallbau Ehbrecht GmbH einen Lehrvertrag. Am 1. September beginnt seine Ausbildung zum Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik. „Er ist der einzige Bewerber, der die Voraussetzungen mitbringt“, sagt Geschäftsführer Stefan Ehbrecht. Von allen anderen sei in diesem Jahr keiner „ausbildungsreif“ gewesen. Abgesagt habe er den Schülern nicht, weil die Noten schlecht waren, sondern weil es an der Einstellung haperte. Cristo dagegen zeigt jeden Tag, wie gern er hier arbeitet. „Er ist ein positiver Mensch. Sehr neugierig, interessiert und zuverlässig“, sagt Ehbrecht. Drei Jahre war Cristo in Spanien arbeitslos. Dann erfuhr er von dem Sonderprogramm MobiPro EU, das ausländische Jugendliche in Europa in eine betriebliche Ausbildung vermittelt. Er absolvierte in Spanien einen Deutschgrundkurs und begann Ende Juni ein Praktikum in Dömitz. 167 ausländische Jugendliche sind auf diesem Weg in den Landkreis Ludwigslust-Parchim gekommen. „Die Hälfte von ihnen hat ziemlich schnell aufgegeben“, sagt Carola Grodd von der Gesellschaft für innovative Beschäftigung. Aus Heimweh oder weil sie kein Deutsch konnten. Die anderen stecken noch mitten in den Praktika. Zwei Unternehmen in Eldena hätten signalisiert, ab September ungarische Lehrlinge einzustellen.

Cristo richtet sich auf eine lange Zeit in Deutschland ein. Er will seine Lehre abschließen, arbeiten, Geld verdienen und damit auch seiner Familie in Spanien helfen. Am Donnerstag fliegt er nach Hause, um seine Sachen endgültig zu packen. Eine Wohnung in Dömitz hat er schon. Die Freundin wird im Oktober nachkommen. Ein kleines Auto will er sich kaufen, damit er zur Berufsschule nach Hagenow fahren kann. Er besucht Deutschkurse, liest viel, joggt gern an der Elbe und liebt das Fußballspielen. Vielleicht findet er in Dömitz einen Fußballverein.

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