Der Autor : Ernst Werner Suckrau

Bei gutem Wetter macht sich Suckrau auf den Weg und säubert seine Häuschen.
Bei gutem Wetter macht sich Suckrau auf den Weg und säubert seine Häuschen.

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08. August 2020, 05:00 Uhr



Sie war eine herausragende Erscheinung und prägte über Jahrhunderte das Landschaftsbild um Groß Thurow. Im vergangenen Jahr brach sie dann in einer stürmischen Nacht zusammen. Die Geschichte der alten Eiche begann wahrscheinlich vor etwa 300 bis 400 Jahren. Ich nehme an sie ist damals in eine Hecke gepflanzt worden, mit der die Bauern ihre Felder voneinander abgrenzten. Die meisten Solitärbäume in der Feldmark haben ihren Ursprung in diesen Grenzhecken. Die Hecken gibt es inzwischen nicht mehr aber einige wenige Bäume überstanden unbeschadet alle Veränderungen der Landnutzung und haben sich im Lauf der Jahrhunderte zu imposanten Bäumen mit ausladenden Kronen entwickelt.

Sowohl aus ästhetischer als auch aus ökologischer Sicht bereichern diese Bäume unsere Landschaft ungemein. Die meisten Solitärbäume sind deshalb heute als Naturdenkmal ausgewiesen. Im UNESCO Biosphärenreservat Schaalsee betrifft das 129 Bäume. Meine Kollegen haben sie im vergangenen Monat kontrolliert und bescheinigen ihnen einen guten Zustand. Zu den Naturdenkmalen zählt z.B. der Mammutbaum im Park von Groß Thurow, die Friedhofslinde in Schlagsdorf und ein großer Tulpenbaum auf der Insel Stintenburg imSchaalsee. Den größten Anteil der gelisteten Bäume stellt jedoch mit 100 Exemplaren die Eiche. Ein Baum von der Größe der Groß Thurower Eiche bietet unzähligen Arten Lebensraum, was einige von ihnen schon durch ihren Namen signalisieren. Eichelhäher haben es ebenso wie die Eichhörnchen auf die Früchte abgesehen, die sie als Wintervorrat verstecken. Die Raupen von Eichenwickler und Eichenspinner fressen am liebsten Eichenblätter und den Larven von Eichelbohrer und Eichenprachtkäfer dient das Holz der Bäume als Nahrung. Selbst als Totholz haben Eichen einen großen ökologischen Wert. Auf abgestorbenen Ästen lebt der Eichenwidderbock und alte Baumstämme werden von einem Pilz mit Namen Eichhase besiedelt. Dass die Groß Thurower Eiche auch als nach ihrem Zusammenbruch auf ihrem angestammten Platz verbleiben darf, freut mich nicht nur aus ökologischer Sicht sondern auch ganz persönlich. Es ist schön, dass dieser alte Baum nicht von heute auf morgen aus unserer Landschaft verschwindet. Der Landwirt Albrecht Kowalski stellte die Fläche für den Verbleib des Totholzes und die Pflanzung einer neuen Eiche zur Verfügung. Gemeinsam haben wir den Baum auch schon in die Erde gbracht. Die Eiche von Groß Thurow wird es also, wenn alles gut geht, noch viele hundert Jahre geben.

Foto: E.Dornblut, Neben der zusammengebrochenen Eiche in Groß Thurow wächst bereits eine neue Eiche.
Der Landwirt Albrecht Kowalski stellte die Fläche dafür zur Verfügung.

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