Geschützte Tiere in der Falle : Erlaubte Jagd auf Maulwürfe

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Landkreis erteilt Ausnahmegenehmigung für drei Grünlandflächen in der Lewitz. Gutachten: Gefahr für Pferde durch zu viel Erde im Futter

svz.de von
05. April 2017, 21:00 Uhr

Als Volker S.* an den Grünlandflächen nördlich von Neustadt-Glewe entlangfährt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen. „An mehreren Stellen steckten Klemmfallen in der Erde, mit denen Maulwürfe gejagt werden“, berichtete er aufgeregt am Telefon. „Dabei hatte ich gerade im Radio gehört, dass der Maulwurf unter Schutz steht und saftige Strafen drohen, wenn man ihn tötet.“

Volker S. ließ die Sache keine Ruhe. Er hängte sich ans Telefon, rief Polizei, Ordnungsbehörden und Naturschutzverbände an und erfuhr, dass die Untere Naturschutzbehörde eine Genehmigung für das Töten erteilt hatte. „Wahnsinn. Und als kleiner Bürger bekommt man eine Strafe, wenn man im Garten einen Maulwurf tötet“, sagte Volker S..

In der Lewitz dürfen auf drei Flächen Fallen aufgestellt werden.
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In der Lewitz dürfen auf drei Flächen Fallen aufgestellt werden.

Tatsächlich gehören die Maulwürfe laut Bundesartenschutzverordnung wie alle einheimischen Säugetierarten zu den besonders geschützten Arten. Damit ist es verboten, ihnen „nachzustellen, sie anzulocken, zu fangen oder zu töten“, heißt es darin. Allerdings steht dort auch, dass die zuständigen Behörden im Einzelfall Ausnahmen zulassen dürfen, unter anderem „zur Abwendung erheblicher […] landwirtschaftlicher Schäden“. Und davon macht die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim Gebrauch.

„Der Kreis hat nach vorheriger Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung vom Artenschutz erteilt“, erklärte Kreissprecher Andreas Bonin auf SVZ-Anfrage. Danach dürfen auf drei Grünlandflächen nördlich und südlich der A 24 und südlich des Neustädter Sees 80 Schnappfallen aufgestellt werden. Die Anzahl der getöteten Tiere müsse dokumentiert werden, so Bonin. Die Genehmigung gilt einen Monat bis 15. April. Auch in den Vorjahren war sie erteilt worden, zum ersten Mal 2015.

Einen solchen Antrag könne jeder stellen, aber für die Genehmigung bedürfe es sehr guter Gründe, so der Kreissprecher. Die hat die PS Pferdehaltung GmbH Gestüt Lewitz, die auf den Flächen Futter für Pferde macht, nach Ansicht der Behörde offenbar geliefert. „Der Umfang der Erdhaufen auf den betroffenen Flächen ist laut beigefügtem Gutachten so erhöht, dass das Risiko von Erdbeimengungen im Futter sehr hoch ist“, erklärte Andreas Bonin. „Dadurch sind wesentliche wirtschaftliche Schäden zu befürchten.“

Mit Erdbeimengungen im Futter durch Maulwurfshügel haben viele Landwirte zu kämpfen. „Aber Pferde sind da viel empfindlicher als andere Tiere“, betonte Christoph Seite, Geschäftsführer der PS Pferdehaltung GmbH, gegenüber SVZ. Sie bekämen Sandkoliken oder Schlimmeres. Denn auch die Gefahr von Butolismus bestehe laut Gutachten, so Andreas Bonin. „Diese Erkrankung sei in der Behandlung sehr kostspielig und führe häufig zum Tode“, zitierte er.

Insofern sei man froh über die Ausnahmegenehmigung, sagte Christoph Seite und fügte hinzu, dass es eigentlich in erster Linie um die nicht geschützten Wühlmäuse gehe, die das größere Problem seien. Und man sei selbst daran interessiert, einen naturnahen Konsens zu finden. Das Schleppen des Grünlandes würde das Problem aber nicht lösen. „Wir müssen jetzt schleppen, weil das Gras sonst schon zu groß ist“, erklärte Seite. „Aber bis zum ersten Mähen im Mai ist noch viel Zeit, in der Wühlmäuse und Maulwürfe aktiv sind.“ Um die kleinen Wühler auf natürlichem Wege zurückzudrängen, sollen in diesem Jahr Sitzkrücken aufgestellt werden, um Greifvögeln das Leben leichter zu machen.

Mit der Ausnahmegenehmigung ist dennoch nicht jeder glücklich. „Die Erlaubnis, den Maulwurf töten zu dürfen, finden wir nicht gut. Wir sind strikt dagegen“, betonte Rica Münchberger, Geschäftsführerin des Nabu-Landesverbandes MV. „Ich kann mir vorstellen, dass Maulwurfshügel eine Gefahr für Pferde darstellen können, allerdings gibt es dafür bestimmt auch andere Lösungen.“ Eine Vertreterin des Landesverbandes des Tierschutzbundes meinte, dass Töten immer das schlechteste Mittel sei.

Verständnis zeigte dagegen eine Frau, die beruflich ebenfalls viel mit Pferden zu tun hat: Antje Kerber, Gestütsleiterin des Landgestüts Redefin. „Ich kann diese Entscheidung als Gestütsleiterin und Pferdeliebhaberin auf jeden Fall nachvollziehen“, sagte sie. „Wir haben zum Glück kein Problem mit dem Maulwurf, aber wir haben auch sehr kleine Weideflächen. Deshalb können wir mit Sichtkontrolle arbeiten und die Hügel und Löcher im Notfall zuschütten.“ Auch das Risiko durch Sand im Futter kennt sie: „Der Sand lagert sich im Magen der Pferde ab und bildet Klumpen. Da ein Pferdemagen relativ klein ist, kann das im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Kolik führen.“

Für die Ausnahmegenehmigung sprach laut Landkreis auch die Situation des Maulwurfs selbst. „Der Erhaltungszustand der lokalen Population wird sich dadurch nicht verschlechtern“, so Andreas Bonin. „Deshalb halten wir die Ausnahme für vertretbar.“

 
*Name geändert

 

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