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Ludwigsluster Tageblatt

22. Oktober 2017 | 23:12 Uhr

Ludwigslust : Erinnerung in würdiger Form

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausstellung „Die Ludwigsluster Dragoner und das Gefecht von Halen am 12. August 1914“ im Natureum eröffnet

von
erstellt am 02.Apr.2014 | 19:00 Uhr

Die Bilder zeigen unter anderem Pferdekadaver am Straßenrand, Soldaten, die auf einem Friedhof Ehrenwache für ihre gefallenen Kameraden halten, und Porträts von Uniformierten. Im Natureum am Ludwigsluster Schloss wurde am Dienstagabend die Ausstellung „Die Ludwigsluster Dragoner und das Gefecht von Halen am 12. August 1914“ eröffnet. Die Exposition ist dem Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren gewidmet und zeigt anhand von Bild- und Textdokumenten die Schrecken des Krieges. Nur wenige Tage nach Beginn der Kampfhandlungen war es bei dem Ort Halen an jenem 12. August zu Reiterattacken gekommen, an denen auch Dragoner aus Ludwigslust und Parchim teilnahmen. Die Angriffe brachen im belgischen Maschinengewehrfeuer blutig zusammen. Innerhalb einer Stunde starben über 300 Angehörige beider Regimenter, wurden verwundet oder gefangen genommen.

Zur Ausstellungseröffnung kamen am Dienstagabend Dutzende Besucher, darunter auch Siegfried von Bodecker. Sein Vater, Rittmeister Hans von Bodecker, führte im Gefecht von Halen eine Eskadron der Ludwigsluster Dragoner. Der 82-jährige Sohn berichtet: „Mein Vater wurde damals verwundet und geriet in Gefangenschaft. Er hat später erzählt, dass vor dem Kampf gesagt worden war, es würde keine derartige Attacke geführt werden. Doch dann kam doch der Befehl dazu.“

Siegfried von Bodecker betont, dass die Ausstellung den Krieg nicht verherrlicht. „Sie erinnert in würdiger Form an einen schrecklichen Tag“, sagt er.

Anfang der 1930-er Jahre wurde auf dem Alexandrinenplatz in Ludwigslust ein Dragonerdenkmal errichtet, dass 1946 abgerissen wurde. „Mein Vater protestierte gegen den Abriss in einem Brief an den Magistrat der Stadt. Doch das Denkmal wurde als ,Symbol des deutschen Militarismus’, wie es hieß, beseitigt. Allerdings konnte der ehemalige Offizier Hans von Bodecker die am Denkmal angebrachte Erinnerungstafel aus Messing und einen Kartuschkasten, der ebenfalls zum Denkmal gehörte, retten. Beide Exponate sind heute in der Ausstellung zu sehen.

Auch Heinke Hiller aus Ludwigslust nahm an der Ausstellungseröffnung teil. „Auch mein Großvater Paul Schulz diente damals im Ludwigsluster Dragonerregiment Nr. 17“, berichtet die 70-Jährige. Er war Sergeant und Fahnenschmied. Aber ich weiß nicht, ob mein Opa an dem Gefecht von Halen beteiligt war. Er hat eigentlich nie richtig über den Krieg gesprochen.“ Heinke Hiller brachte am Dienstag ein Foto mit, das ihren Großvater in einer Gruppe Soldaten zeigt.

Neben Foto- und Textdokumenten sowie der ewähnten Messingtafel zeigt die Ausstellung u. a. auch einen Armeesattel von 1918 mit Zubehör sowie eine originale und eine nachgebildete Lanze.

Der Historiker Bernd Wollschläger, der die Ausstellung konzipiert hat, hielt anschließend im voll besetzten Schlosscafé einen Vortrag über den Verlauf des Kampfes am 12. August 1914. Der Vortrag endete mit einer Episode, die ein in Gefangenschaft geratener deutscher Teilnehmer des Gefechts seinerzeit in epischer Form wiedergab. Dabei geht es darum, dass eine belgische Bäuerin die Milch ihrer einzigen Kuh mit den verwundeten deutschen Gefangenen teilte. Ein Zeichen von Menschlichkeit in einer schrecklichen Zeit...

Die Ausstellung, die von der Naturforschenden Gesellschaft veranstaltet wird, ist bis zum 31. Oktober im Natureum zu sehen. Die Öffnungszeiten des Natureums sind von April bis Oktober im Regelfall an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr.

 

 

 

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