Neustadt-Glewe : Erinnerung an Lederwerk lebendig halten

Peter Tiedemann blättert in alten Fotoalben, die die Geschichte des Lederwerkes Neustadt-Glewe erzählen.
Peter Tiedemann blättert in alten Fotoalben, die die Geschichte des Lederwerkes Neustadt-Glewe erzählen.

Peter Tiedemann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Betriebes in Neustadt-Glewe / Chronik nachfolgenden Generationen erhalten

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27. Dezember 2016, 07:00 Uhr

Peter Tiedemann sitzt im Hobbykeller seines Hauses in der Thomas-Müntzer-Straße in Neustadt-Glewe. Der 62-Jährige, der heute bei der BBS Start GmbH als technischer Mitarbeiter beschäftigt ist, hat eine Menge Aktenordner vor sich auf dem Boden ausgebreitet. Er zeigt auf alte Dokumente, Urkunden, Zeitungsausschnitte, Brigadebucheinträge, Fotos - Erinnerungen an eine Zeit, in der es noch das Lederwerk Neustadt-Glewe gab. Zeugnisse, die zur Chronik des Betriebes gehören, die Peter Tiedemann, der einst selbst lange im Werk gearbeitet hat, bewahren und auch noch nachfolgenden Generationen erhalten möchte. „Ich habe mich schon immer mit der Geschichte des Werkes beschäftigt“, so der Neustädter, als er das Original der Genehmigungsurkunde der Lederwerke Neustadt vom 21. Juli 1910 zeigt. Die Stadt erlaubte hiermit den Bau eines solchen Betriebes. Und mit dem dazugehörigen Kaufvertrag begann die wechselvolle Geschichte des Unternehmens, das dann im Jahr 2007 als Betrieb zur Bielefelder Möller Group endgültig seine Produktion einstellte. „All die alten Unterlagen, die Akten, Dokumente, Fotos wären wohl vernichtet worden, wenn ich diese nicht an mich genommen hätte“, so Peter Tiedemann. Zwischenzeitlich hat er auch schon Texte und Fotos aus der Betriebszeitung „Unser Lederecho“ gesammelt und abgeheftet. Nach dem endgültigen Betriebsende hat ihm damals Reinhold Bötefür von der NID Neustadt-Glewe Norddeutsche Immobilien und Dienstleistung GmbH alles Material über den Betrieb übergeben. „Beim Abriss des alten Verwaltungsgebäudes des Lederwerkes wurde mit dem Kran auch ein alter Panzerschrank geöffnet, der viele Akten und Fotos enthielt“, so Peter Tiedemann. „Fotos von Gebäuden und Anlagen, an die man normalwerweise gar nicht herankam, die vermutlich hier von der Staatssicherheit deponiert waren.“

Das Blättern in den Aktenordnern, das Anschauen alter Fotos, Aufzeichnungen von Betriebskollektiven zu Jubiläen und die Arbeit von Schülern einer Patenbrigade sind für Peter Tiedemann eine Reise in die Vergangenheit - und auch in seine eigene, die mit vielen Erlebnissen, mit Höhen und Tiefen verbunden ist. „21 Jahre habe ich im Lederwerk gearbeitet. War dort als Kfz-Elektriker tätig und mit der Wartung aller Fahrzeuge im Betrieb beschäftigt. Habe auch repariert, um das machen zu können, absolvierte ich eine Ausbildung in Hundorf.“ Seine Lehrlingsausbildung absolvierte er ab 1970 im vogtländischen Treuen, er kam danach zurück ins Lederwerk. Seine Frau lernte er im Lederwerk kennen, beide heirateten 1974.

„Das Lederwerk Neustadt-Glewe war damals im Kreis Ludwigslust einer der größten Arbeitgeber und der größte Schweinsleder herstellende Betrieb in Europa“, sagt Peter Tiedemann, als er in der Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen des Lederwerkes Neustadt-Glewe im Jahr 1985 blättert. In Spitzenzeiten, so der Hobbychronist weiter, gab es im Betrieb , der zu DDR-Zeiten VEB Lederwerk „August Apfelbaum“ hieß, mehr als 1600 Beschäftigte. Gut erinnert sich Peter Tiedemann auch noch an ein Treffen von ehemaligen Lederwerkern in Spornitz, zu dem er nicht nur die Festansprache ausgearbeitet hat, sondern diese auch hielt. „Unser früherer Betriebsdirektor Dr. Manfred Biedermann, der die Rede halten wollte, war aber leider krank geworden und so hab ich das dann übernommen“, schmunzelte Peter Tiedemann. „Wenn ich dann Rentner bin, werde ich das ganze Material zusammenfassen und auch ein Video anfertigen, dort auch den Film mit einarbeiten, den ich von Manfred Biedermann bekam. Der 8-mm-Streifen zeigt den Aufbau der neuen Produktionslinie 1974.“ Auch schwebt dem Neustädter vor, auf der Burg Neustadt-Glewe zusammen mit Museumsleiterin Britta Kley wieder eine ständige Ausstellung einzurichten - um bei Einheimischen wie Besuchern die Erinnerungen an einen einst erfolgreichen Betrieb wachzuhalten.

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