Dömitz : Erinnerung an Flut noch präsent

Dankbare Anerkennung durch das Land: Minister Till Backhaus übergibt die Fluthelfermedaillen.
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Dankbare Anerkennung durch das Land: Minister Till Backhaus übergibt die Fluthelfermedaillen.

Am Rande der Einweihung einer Unterstellhalle erhielten 32 Kameraden aus Heidhof/Rüterberg die Helfermedaille des Landes

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24. März 2014, 07:00 Uhr

Ruhig und träge fließt die Elbe dahin. Als könne sie kein Wässerchen trüben. Die 14 000 Menschen, die in unserem Landkreis in der Elbregion leben, wissen es besser. Sie kennen den Strom nicht nur als Plätscher-Wässerchen. Im vergangenen Jahr hat der Fluss seine Muskeln spielen lassen und den Menschen, die mit ihm leben wollen, fast das Letzte abverlangt. Das wurde am Freitagabend im Heidhofer Feuerwehr-Gerätehaus noch einmal deutlich in den Geschichten, die sich die Menschen vom Hochwasser erzählen. Der Heidhofer Wehrführer Uwe Schulenburg erinnert an die Rüterberger Frauen, die ihren Feuerwehrmännern zuriefen: „Ihr könnt uns doch jetzt nicht allein lassen!“ Das war im Juni letzten Jahres, als die Lage am Fluss immer prekärer wurde und die Männer an einem anderen Abschnitt eingesetzt werden sollten, dann aber doch bleiben und mithelfen durften, das Dorf zu beschützen.


„Jahrhundert-Flut“ noch nicht vergessen


Das so genannte Jahrhundert-Hochwasser, das inzwischen alle zehn Jahre eintritt, ist in den Erzählungen der Männer und Frauen an der Elbe immer noch präsent. Sie denken an die schwere Entscheidung, als es hieß: Wir müssen evakuieren! Was dann doch nicht passierte, um nicht alles im Stich zu lassen, was bisher an Hochwasserschutz aufgebaut worden war. Noch ein bisschen warten und den Fluss weiter im Auge behalten – das war damals eine schwierige Gratwanderung. Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling gesteht: „So ein Hochwasser habe ich noch nicht erlebt.“ Er kommt aus dem Rheinland, aber der Rhein sei gegen die Elbe zahm, erzählt er. Wehrführer Uwe Schulenburg ruft die gemeinsame Arbeit bei der Verstärkung des Rüterberger Deiches in Erinnerung, bei der auch die Heidhofer Frauen halfen. Auch lustige Begebenheiten hat er nicht vergessen und gute Laune breitet sich aus im Gerätehaus, als er einiges nochmal kundtut. Als Minister Till Backhaus, der an diesem Abend nach Heidhof gekommen ist, sagt: „Wir können dem lieben Herrgott danken, dass er uns vor einer Katastrophe bewahrt hat“, da ist es auf einmal ganz still im Raum und ein paar Männer, die als Feuerwehrleute hart im Nehmen sind, müssen sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln wischen. Das Hochwasser hat die Demut in den Vordergrund gespült, weil doch nicht alles durch den Menschen beherrschbar ist.

Das Land würdigt die Helfer, die beim Hochwasser aufopferungsvoll mitgeholfen haben, mit der „Ehrennadel für Fluthelferinnen und Fluthelfer 2013“. Minister Till Backhaus überreicht sie an 32 Kameraden.


Seit zehn Jahren gemeinsamer Weg


Auch wenn nicht Hochwasser herrscht, ist Leben in Heidhof. Das wird ebenfalls deutlich, denn die kleine Unterstellhalle für den Dekontaminations-Anhänger des Katastrophenschutzes neben dem Gerätehaus ist fertig und kann in Betrieb genommen werden. Seit zehn Jahren gehen die Heidhofer und die benachbarten Rüterberger einen ungewöhnlichen Weg: Sie haben sich zusammengeschlossen und heißen nun Freiwillige Feuerwehr Heidhof/Rüterberg. Die Dömitzer Stadtvertretung hatte entschieden, dass eine Unterstellmöglichkeit für den Dekontaminations-Anhänger gebaut werden solle. Dafür wurden 20 000 Euro bereit gestellt. Die Feuerwehr-Kameraden packten selbst mit an. Eine Tatsache, die die Dömitzer Bürgermeisterin Renate Vollbrecht dankbar hervorhebt.

Die Stadt Dömitz hat den Anhänger vom Landkreis bekommen. Seit 2009 hat die Heidhof/Rüterberger Wehr ihn bei sich. Die Kameraden haben eine Ausbildung gemacht, um die Geräte im Notfalle auch bedienen zu können. „Möge diese Situation nie eintreten!“, so die Bürgermeisterin.

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