Dömitz : Erinnerung an den gefallenen Vater

Legten am gestrigen Volkstrauertag am Grab von Georg Kühn einen Kranz nieder: v.l. Enrico Frenz, Stadtwehrführer von Dömitz, Ulrich Landowski, Volker Pansch , der Dömitzer Bürgermeister Helmut Bode und Pastor Markus Hasenpusch.  Fotos: Michael Seifert
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Legten am gestrigen Volkstrauertag am Grab von Georg Kühn einen Kranz nieder: v.l. Enrico Frenz, Stadtwehrführer von Dömitz, Ulrich Landowski, Volker Pansch , der Dömitzer Bürgermeister Helmut Bode und Pastor Markus Hasenpusch. Fotos: Michael Seifert

Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung am gestrigen Volkstrauertag an restaurierter Kriegsgräberstätte auf Dömitzer Friedhof

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16. November 2015, 07:00 Uhr

„Ich habe meinen Vater nicht gekannt und ich weiß auch nur sehr wenig über ihn. Geboren wurde mein Vater Georg Kühn im Jahre 1899 und er war Musiker am Metropoltheater in Berlin. Ich habe sein Grab gefunden, hier in Dömitz auf dem Friedhof.“ Berührende Worte von Ulrich Landowski auf der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag, die am gestrigen Sonntag in der Trauerhalle des Friedhofs der Elbestadt stattfand. Der 70-Jährige war extra zu diesem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt aus Berlin gekommen, zusammen mit seiner Frau Jutta. Georg Kühn war einer von 37 Angehörigen der deutschen Wehrmacht, die zum Kriegsende 1945 hier in Dömitz starben und in der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof beerdigt wurden. Nach dem Gedenken in der Trauerhalle wurden dann Kränze auf der mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Landkreises restaurierten Anlage niedergelegt.

In seiner Andacht erinnerte Pastor Markus Hasenpusch an die Opfer von Krieg und Gewalt, an die Soldaten und zivilen Opfer der beiden Weltkriege. Und er erinnert zugleich an die Männer und Frauen, die im Dienste der Bundeswehr und mit Bundestagsmandat überall an Brennpunkten in der Welt auf Friedensmission unterwegs sind. „Wie bedroht der Frieden in der Welt ist, zeigen nicht zuletzt die hinterhältigen Anschläge in Paris. Deshalb brauchen wir auch unsere Soldaten im Einsatz für den Frieden.“ Auch der Dömitzer Bürgermeister Helmut Bode sagte, dass sich dieses unermessliche Leid mit rund 60 Millionen Toten im 2. Weltkrieg nicht wiederholen dürfe und sprach dabei auch ganz aktuell den Kampf gegen den Terrorismus an. „Bei den Anschlägen am letzten Freitag in Paris starben 129 Menschen, hundete sind verletzt. Es war eine Attacke mitten im Herzen der Demokratie in Europa.“ Im Kampf für Frieden und Freiheit, für Demokratie und Völkerverständigung nicht nachzulassen, sei jetzt mehr denn je oberstes Gebot. Solche Gedenktage wie der Volkstrauertag sind wichtig, in diesem Kampf nicht nachzulassen.

Für Ulrich Landowski war es gestern sicher auch ein besonderer Moment, als Lehrerin Katrin Herrmann, die den Kurs Regionalgeschichte am Gymnasialen Schulzentrum leitet, gemeinsam mit Schülerin Lisa Fuhrmann die Namen der Toten verlas. Und er dabei auch den Namen seines Vaters Georg Kühn hörte. „Als ich 12 oder 13 war, erzählte mir meine Mutter, dass mein Vater auf der Flucht vor der Ostfront in der Oder ertrunken war. Erst nach dem Tode meiner Mutter fanden meine Schwester und ich sehr persönliche Papiere des damaligen Dömitzer Bürgermeisters. Dort stand, dass mein Vater beim Überqueren der Elbe mit dem Boot gekentert sei und an Herzversagen gestorben ist.“ Vor gut drei Jahren begann Ulrich Landowski in Dömitz mit seinen Nachforschungen, wobei ihm auch Volker Pansch, der ehemalige stellvertretende Dömitzer Schulleiter, half. Und eine Frau sagte Ulrich Landowski damals: „Wenn man einen Herzschuss kriegt, spricht man auch von Herzversagen.“

Ein Foto von Georg Kühn stand bei der Gedenkveranstaltung in der Trauerhalle des Friedhofs, sein Sohn Ulrich hatte es mitgebracht, eines von wenigen Aufnahmen, die ihm geblieben sind. „Ich bin froh, dass ich nun weiß, dass mein Vater hier auf dem Friedhof seine Ruhestätte gefunden hart. Und ich möchte jedes Jahr an das Schulzentrum einen Geldbetrag überweisen für die Pflege des Grabes durch Dömitzer Schüler.“

Ein besonderer Tag war es gestern auch für Christel Fuhrmann. Die Dömitzerin hatte sich immer wieder mit großem Engagement dafür stark gemacht, dass das Andenken an zwei junge Männe nicht in Vergessenheit gerät. Die beiden 17 und 18 Jahre alten Jungs Erich Sommer und Achim Rabbe waren in Wittenberge als Luftwaffenhelfer eingesetzt und wollten nun mit einem Boot über die Elbe in den Westen. Aber am 7. Mai wurden sie auf dem Wall in Dömitz von den Russen erschossen.

Zwei Holzkreuze erinnerten an die beiden Toten, doch nach 70 Jahren waren die Gräber plötzlich eingeebnet, die von Christel Fuhrmanns Mann geschnitzten Holzkreuze waren vernichtet. Nun erinnern eine neugestaltete Grabstelle mit einem Grabstein und den Namen der beiden jungen Männer darauf an diesen 7. Mai 1945.

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