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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 00:40 Uhr

Wöbbelin : Erinnerung an Arend Klem

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erzählcafé in Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin: Bericht über die Spurensuche eines Holländers

Gespannt lauschten am Sonntag im Erzählcafé der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin wieder zahlreiche Zuhörer den Berichten. Diesmal lasen Ramona Ramsenthaler und Cornelia Neumann aus der übersetzten Broschüre des Holländers Roeloff Klem und erzählten von der Begegnung mit dem Neffen eines KZ-Opfers. Die Broschüre enthält Aufzeichnungen über die Spurensuche nach Arend Klem, seinem Onkel, von dem er nur wusste, dass er im KZ Wöbbelin umgekommen war.

Alles begann vor gut einem Jahr. Roeloff Klem und seine Frau Will waren auf dem Rückweg von Berlin nach Hause. Spontan entschlossen sie sich, einen Besuch in Wöbbelin zu machen. Sie fanden an der B 106 „ein sorgfältig gestaltetes Denkmal“, wie der Holländer Ende 2015 in seinen Aufzeichnungen schreibt. „Auch der Name Arend Klem ist auf einem der Steine eingraviert, und das berührt mich sehr.“ Der Neffe stellte sich beim Anblick der Namensinschrift die Frage, wer der jüngste Bruder seines Vaters war. Wie kam er in das KZ Wöbbelin? In der Familie wurde kaum über ihn gesprochen. Er suchte nach Spuren seines Onkels.

Arend Klem wird am 9. Juni 1926 als jüngstes von sieben Kindern geboren. Er lebt mit seinen Eltern auf einem Bauernhof bei Oude Tonge, auf der niederländischen Insel Goeree-Overflakkee. Der Vater ist Landarbeiter.

Arend ist gerade vier Jahre alt, als die Mutter stirbt. Das Leben ist hart. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr gehen die Kinder zur Schule, dann müssen sie mitarbeiten. Als die Deutschen in Holland einmarschieren, ist Arend fast vierzehn. 1942 wird der „Arbeitsdienst“ eingeführt. Arend ist noch zu jung und von dieser Maßnahme nicht betroffen. Das ändert sich mit dem Bau des „Atlantikwalls“. Für die Insel braucht er jetzt einen „Sonderausweis“. Am 13. Februar 1944 teilen die Deutschen mit, dass sie Goeree-Overflakkee unter Wasser setzen wollen. 16 000 Menschen müssen die Insel verlassen. Arend Klem findet mit einem Teil seiner Familie Unterschlupf auf dem Bauernhof von Roef van Ginkel in Venendaal. Dieser ist im Widerstand tätig. Im Dezember 1944 gibt es auf dem Bauernhof eine Razzia. Die sieben anwesenden Männer werden abgeführt, darunter auch Arend Klem und Roef van Ginkel. Sie kommen in das Lager Amersfoort, dann in das KZ Neuengamme. Zwei der Männer sterben hier. Arend und vier weitere Mitglieder der Gruppe transportiert man nach Wöbbelin. Erst Monate nach Kriegsende erfahren die Familien, dass alle umgekommen sind.

Roeloff Klem sieht es als Pflicht an, die Erinnerung an sie wachzuhalten. Die Namenssteine helfen dabei.







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