Ludwigslust : „Ergreifend und ermutigend“

Mit ihrem Stück „TrotzTdem“ erinnerten Schweriner Gymnasiasten des Tanztheaters „Lysistrate“ gestern im Kreistagssaal an die Opfer im Widerstand.
Mit ihrem Stück „TrotzTdem“ erinnerten Schweriner Gymnasiasten des Tanztheaters „Lysistrate“ gestern im Kreistagssaal an die Opfer im Widerstand.

Stehender Applaus für Schweriner Tanztheater Lysistrate. Kranzniederlegungen und stilles Gedenken vor den Gräbern der KZ-Häftlinge.

svz.de von
26. Januar 2018, 21:00 Uhr

Blumen und Kränze zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus:  Dort, wo im Mai 1945  die Ludwigsluster auf  Geheiß der  Amerikaner zusehen mussten, wie  200 verhungerte und gequälte Opfer aus dem  KZ Wöbbelin beerdigt wurden, herrschte auch gestern betretenes Schweigen. „Obwohl Sie behaupten, keine Kenntnis von diesen Toten gehabt zu haben, so sind Sie doch jeder einzeln dafür verantwortlich“, hatte der US-Militärgeistliche George  Woods damals den Ludwigslustern gesagt. „Denn diese Taten sind  von einer Regierung begangen worden, die Sie gewählt und  mit Ihrer Gleichgültigkeit an der Macht gehalten haben.“

 Noch heute, 73 Jahre später, verfehlen  Woods’ Worte nicht ihre Wirkung. Mit verschränkten Händen  und gesenkten  Köpfen hörten die Ludwigsluster gestern  zu, als Bürgermeister Reinhard  Mach  aus der  historischen Rede des Amerikaners zitierte. Mach sprach von   „geistigen Brandstiftern, die auch heute noch mit Parolen versuchen, die Zeit zurückzudrehen“. Dass  gestern so viele Menschen zum Gedenken nach Ludwigslust  gekommen waren, sei ermutigend. „Es zeigt, dass Sie sich dafür einsetzen, dass unsere Welt demokratisch und lebenswert bleibt“, so Mach.  Sein Dank ging auch  an die Schweriner Schüler des Tanztheaters „Lysistrate“, die   kurz  zuvor noch  im Kreistagssaal  das Stück  „TrotzTdem“ aufführten und  dafür stehenden Applaus  bekamen.  Inspiriert von der Geschichte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und dem Schicksal der Geschwister Scholl setzen sich  die Schüler  tänzerisch mit Gefühlen wie  Wut, Angst, Zuneigung und Stärke auseinander. „Es war  großartig, den Jugendlichen dabei zuzusehen, wie sehr sie das Thema verinnerlichen und   auf die Bühne bringen“, sagte  Mechthild Ueltzen. „Das Ende  hat mich  wirklich sehr ergriffen“, so die 83-Jährige.  Die jungen Tänzer hatten das Stück bereits 2016 in der Stadthalle zu den Internationalen Begegnungen der Generationen aufgeführt.  Niederländische Angehörige von Opfern aus Wöbbelin  waren  damals so beeindruckt, dass sie „Lysistrate“  in die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden einluden. Am ersten Maiwochenende wird dort „TrotzTdem“  vor mehr als 1000 Zuschauern aufgeführt. Wer die Tänzer vorher noch einmal  live erleben möchte –  am 30. April ist öffentliche Generalprobe im Schweriner Goethe-Gymnasium.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen