Neu Kalliss : Er rettete Frau vor dem Ertrinken

Jörg Kruse  rettete eine Frau. An dieser Stelle konnte sie an das Ufer gebracht werden.
Jörg Kruse rettete eine Frau. An dieser Stelle konnte sie an das Ufer gebracht werden.

Jörg Kruse aus Heiddorf stieg in die eisigen Fluten der Müritz-Elde-Wasserstraße und brachte Hilflose an das sichere Ufer

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10. März 2016, 06:15 Uhr

Mittwochnachmittag: Jörg Kruse steht in Neu Kaliß am Ufer der Müritz-Elde-Wasserstraße. Ein leichter Wind kräuselt das langsam dahin strömende Wasser. Jörg Kruse erinnert sich wieder an die dramatischen Ereignisse wenige Tage zuvor. Als er eine Frau vor dem Tod durch Ertrinken rettete.

Später Sonntagnachmittag. Wie an jedem Tag führt der Heiddorfer seine beiden Beagles Mailow und Duffy am Ufer des Flusses aus. Jörg Kruse und seine Hunde haben schon rund zwei Kilometer hinter sich, befinden sich in Höhe des ehemaligen Krankenhauses. „Vor mir, rund 150 Meter entfernt, sah ich einen Menschen unmittelbar am Ufer. Plötzlich stolperte die Person, strauchelte und stürzte ins Wasser“, so der 53-Jährige.

Jörg Kruse reagiert sofort, rennt am Ufer entlang in Richtung der im Wasser treibenden Person. „Als ich näher kam, sah ich, dass es eine Frau war. Sie trieb auf dem Rücken, nur der Kopf war über Wasser. Offenbar hielten nur die gefütterten Ärmel ihrer Jacke die Frau an der Oberfläche.“

Geistesgegenwärtig alarmiert Jörg Kruse per Handy die Rettungsleitstelle, steigt dann ins Wasser. „Die Frau trieb aber bereits ab und ich merkte, dass ich es allein und bei dem kalten Wasser (ca. 4 Grad – d. R.) nicht schaffen würde zu ihr zu gelangen“, sagt der 53-Jährige. Glücklicherweise sind auf der Koppel am gegenüberliegenden Ufer Reiter unterwegs. Kruse ruft sie zu Hilfe und bittet darum, dass sie eine Leine mitbringen sollen. Dann läuft er am Ufer entlang und überholt die im Wasser treibende Frau.

Inzwischen sind mehrere Reiterinnen über die nahe Brücke bei Jörg Kruse angekommen. Der hat bereits seine warme Jacke und Hose ausgezogen. „Zum Glück hatte ich noch einen Jogginganzug darunter an, weil es beim Spazierengehen doch etwas kalt wird“, so Kruse. Er bindet sich die von den Reiterinnen mitgebrachte Voltigierleine um den Körper und steigt über eine Eisentreppe ins Wasser.

So gesichert erreicht er die schon in der Flussmitte treibende Frau, die bei Bewusstsein ist. Mit Mühe bugsiert er sie zum Ufer. Wo schon das nächste Problem wartet. Die Spundwand (Hochwasserschutz) verhindert, dass er mit der Hilflosen an das Ufer gelangen kann. Über die Eisentreppe an besagter Wand geht es auch nicht: Ein Stahlbügel verhindert, dass er die Frau in die Höhe und damit an das Ufer bugsieren kann. „So blieben wir erstmal im Wasser. Irgendwie gelang es mir, die Frau über Wasser zu halten, zumal sie selbst noch nach der Leiter greifen konnte“, so der Retter.

Glücklicherweise trifft die örtliche Freiwillige Feuerwehr sehr schnell ein – und gemeinsam mit den Kameraden und den Reiterinnen gelingt es, die 56-Jährige an das sichere Ufer zu bringen. Sie war rund sieben Minuten in den eisigen Fluten, wird stark unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht.

Jörg Kruse war zwar auch unterkühlt, konnte aber nach Hause. „Es gab für mich keinen Zweifel, in das Wasser zu gehen und die Frau dort raus zu holen“, so der Lebensretter gestern. „Die Anspannung fällt jetzt erst langsam ab.“ Übrigens hat Jörg Kruse bereits zum zweiten Mal einen Menschen aus der Wasserstraße gerettet. Vor zwei Jahren barg er hier ebenfalls eine Frau aus den Fluten – allerdings war damals Sommer.

Kruse , der Angestellter in einer Ludwigsluster Firma ist, sieht sich selbst nicht als Held. Bürgermeister Burkhard Thees, der am Sonntagnachmittag selbst vor Ort war, sagt aber: „Alle an dem Rettungseinsatz Beteiligten haben sehr besonnen und entschlossen gehandelt. Wir als Gemeinde werden den Einsatz des Lebensretters entsprechend würdigen.“ Und Polizeisprecher Klaus Wiechmann sagt: „Dem 53-Jährigen gilt unser Dank, größter Respekt und Anerkennung. Er hat sich selbst in Gefahr begeben, um einen Menschen zu retten.“

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