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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 13:04 Uhr

Pritzier : Energie aus Gülle und Mist

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In Pritzier entsteht Biogasanlage / Landwirt Jens Bothmann investiert Millionen in Projekt

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Zwischen den Ställen der Gut Pritzier Milchproduktion GmbH ziehen sich frisch aufgeworfene Kabelschächte, an der hunderte Meter entfernten, neuen Zufahrt zum Betriebsgelände wühlen sich Minibagger des Energieversorgers WEMAG für weitere Stromleitungen ins Erdreich. Die technischen Vorbereitungen für den Anschluss der künftigen Biogasanlage an das Energienetz in Pritzier laufen auf Hochtouren. Drei riesige, noch unfertige Betonbehälter an der B 5 künden von dem für den Ort einzigartigen Projekt.

Hinter der Investition steht Jens Bothmann, Inhaber und Geschäftsführer des Gutes Pritzier. Wenn laut Planung im Spätherbst das erste Biogas in Strom umgewandelt wird, werden voraussichtlich 3,3 Millionen Euro verbaut sein. Den Grundstoff für den komplizierten Vergärungsprozess bekommt der aus Nordwestmecklenburg stammende Landwirt praktisch frei Haus.

„Künftig werden sämtlich hier anfallende Gülle sowie der Mist für die Biogasanlage verwendet“, sagt Bothmann, der den Milchviehbetrieb mit mehr als 1100 Tieren Anfang 2013 von einem Niederländer übernahm. „Es werden keine Rohstoffe zur Biogasgewinnung extra angebaut oder angefahren“, betont der Unternehmer. Die für 400 Kilowatt ausgelegte Anlage „schluckt“ dann täglich 80 Kubikmeter Gülle und 15 bis 20 Tonnen Mist pro Tag.

Sein Vorgänger auf dem Gut, dem die Behörden eine Biogasanlage bereits genehmigt hatten, wollte dort Mais vergären. „Das entspricht nicht meinen Interessen“, sagt Bothmann zu dieser technischen Variante. „Ich verfüttere den Mais lieber an Tiere“, betont der 40-Jährige. Konflikte mit Kritikern der Stromerzeugung auf Basis von Energiepflanzen kamen daher offenbar gar nicht erst auf.

Der Strom, der aus dem mit Hilfe von Mikroorganismen entstandenen Gas abschließend in einem Blockheizkraftwerk erzeugt wird, soll komplett in das öffentliche Netz eingespeist werden. Die durch den Gärprozess gewonnene Wärme wird künftig gebraucht, um die drei Beton-Fermenter zu beheizen.

In dem Millionenvorhaben am Ortsrand von Pritzier sieht Bothmann nur Vorteile: „Durch den Stromertrag kann ich Erlöse mit Stoffen erzielen, die ich sowieso im Betrieb habe und die ich nicht kaufen muss. Ich verwerte die tierischen Sekundärstoffe umwelttechnisch und monetär sinnvoll“, sagt er. Außerdem ließen sich die anfallenden Gärreste als hochwertiger Dünger auf den guteigenen Feldern ausbringen. Dieses Substrat sei gegenüber der ursprünglichen Gülle beispielsweise deutlich geruchsärmer. Weil Bothmann für seine Anlage Gülle und Mist statt Mais verwendet, fallen die Fermenter jetzt deutlich größer aus als ursprünglich noch vom niederländischen Landwirt geplant. Die Betonbehälter werden mit Tragdach um die zwölf Meter hoch sein, der größte ein Gesamtvolumen von 8500 Kubikmeter umfassen. Die Biogasanlage muss nach Bothmanns Angaben für die gleiche Energie mit deutlich mehr Gülle als Mais beschickt werden. Mit der Energiegewinnung aus Gülle hat der Agrarunternehmer bereits Erfahrungen. Bothmann ist nicht nur Chef des Gutes Pritzier und der Tochtergesellschaft Lavi Garlitz, die sich um die Jungtiere kümmert. In Testorf-Steinfort in Westmecklenburg gehört ihm auch ein Milchviehbetrieb mit 1200 Kühen. Die Tiere gewährleisten dort seit gut zehn Jahren den reibungslosen Betrieb einer Biogasanlage.

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