göhlen : „Endlich mal Fisch“

Jaana Duschinski freut sich, wenn sie mal nicht Fleisch essen muss / Der „Tatort“ am Sonntag ist für die Musikschulleiterin ein Muss

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26. Juli 2014, 07:00 Uhr

Für die Liebe ist Jaana Duschinski von Estland nach Deutschland gezogen. Ganz neu war ihr das Land jedoch nicht. Als Teenager hatte sie mehrere Jahre in Rathenow gelebt, weil ihr Vater beim Militär war. Vor neun Jahren zog die jetzt 46-Jährige wieder hierher und eröffnete wenig später ihre Musikschule „Jaana“ in Picher. Die Suche nach einem großen Haus für die Familie und für Unterrichtsräume verschlug sie nach Göhlen. Dort baute Jaana Duschinski mit ihrem Mann eine Scheune mit Stall zur Musikschule um. Heute lernen in der „Rock-Pop-Schmiede“ etwa 130 Musikschüler unterschiedlichste Instrumente oder Gesang. Auch auf öffentlichen und privaten Veranstaltungen sind sie häufig zu erleben. Kathrin Neumann stellte Jaana Duschinski die Sonnabendfragen.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In Tallinn am Strand. Ich bin zwar in Moskau geboren und habe von der vierten bis zur siebten Klasse in Rathenow in Deutschland gelebt, weil mein Vater beim Militär war, aber meine späte Kindheit und Jugend habe ich in Tallinn verbracht und dort auch studiert. Mein Vater ist übrigens Este und meine Mutter Deutsch-Polin.

Was würden Sie als Bürgermeisterin Ihres Ortes sofort verändern?

Ich würde sofort den Kindergarten wieder aufmachen, weil es nicht so schön ist, wenn wir Eltern unsere Kinder zur Betreuung in andere Orte bringen müssen.
Wo kann man Sie in Göhlen am ehesten treffen?
Vormittags hier in der Musikschule. Nachmittags bin ich meistens unterwegs zum Musikunterricht, zum Beispiel in Eldena oder Hagenow.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe in einer estnischen Kindermusikschule während meines Musikstudiums als Klavierlehrerin gearbeitet. Klavier und Gesang waren beim Studium meine Hauptfächer. Gitarre und Akkordeon waren das zweite und dritte Instrument.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für eine Schallplatte von den Beatles. Die gab es natürlich nicht immer. Aber der Zufall wollte es, dass sie zu haben war, als ich das Geld bekommen hatte. Schallplatten mit klassischer Musik habe ich immer von meiner Oma bekommen.
Was würden Sie gerne können?
Ich würde gern richtig malen können. Ein Musikschüler von mir hat auch schon gesagt, dass er mal einen Workshop mit mir macht. Also Malen würde ich gern mal probieren. Ich musste ja in den vergangenen zehn Jahren, seit ich in Deutschland lebe, noch einiges Lernen, obwohl ich nicht mehr ganz jung bin. So habe ich hier meinen Führerschein gemacht und ich musste lernen, Chef zu sein. Das ist eigentlich gar nicht meine Sache.
Was stört Sie an anderen?
Hinterlistigkeit. Wenn Menschen nicht das sagen, was sie denken.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Ich lache oft, wenn mein kleiner Sohn Willi etwas anstellt. Dabei ist das manchmal gar nicht lustig. Neulich hat er bei seinem Adoptivopa nebenan die Enten eingesperrt, so dass sie nicht an Futter und Wasser kamen. Sie haben dann einen anderen Weg gefunden und den Grünkohl abgefressen.
Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?
Spontan bin ich öfter. Aber etwas wirklich Unvernünftiges fällt mir nicht ein.
Welches Buch lesen Sie gerade?
In den letzten Jahren lese ich eigentlich nur Fachliteratur, zuletzt über die Leitung eines Popchores. Aber jetzt habe ich von einem Schüler das Buch von Lea Singer „Konzert für die linke Hand“ bekommen. Das möchte ich im Sommer lesen.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Jetzt lachen Sie bestimmt. Aber mein Krimi muss sein: Der „Tatort“ am Sonntag und Inspector Barnaby. In Leipzig, wo meine Tochter studiert, gibt es sogar „Tatort“-Partys. Ich mag auch richtig schöne englische Krimis, mit englischem Humor und ein bisschen Mitdenken.
Wo trifft man Sie eher: Bei einem Fußballspiel oder bei der Rhythmischen Sportgymnastik?
Bei der Rhythmischen Sportgymnastik. Meine Tochter Rita hat diesen Sport betrieben, als wir noch in Tallinn lebten. Meine Nichte macht es immer noch, und meine Schwester näht die Anzüge dafür. Wenn ich mal bei ihnen zu Besuch bin, schaue ich mir zumindest Videos davon an.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Ehrlich? Im Moment niemanden. Ich bin einfach nur reif für die Ferien.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Endlich mal Fisch. So viel Fleisch, wie ich in Deutschland esse, habe ich zuvor noch nie in meinem Leben gegessen. Fisch kann man sehr lecker zubereiten.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
In Estland hatte ich einen Lehrer, den die anderen Leute nicht mochten, weil er anders war. Ich mochte ihn und habe mit ihm tolle Sachen erlebt. Besonders erinnere ich mich an ein Erlebnis, als wir das „Konzert für 2 Klaviere“ von Felix Mendelssohn Bartholdy gemeinsam gespielt haben. Wenn ich es höre, erinnere ich mich an ihn.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Als Musiklehrerin in einem Kindergarten in Estland hatte ich vor zehn Jahren eine elementarpädagogische Ausbildung gemacht und in diesem Zusammenhang ein Praktikum in einem integrativen Kindergarten in Hamburg absolviert. Als ich an meinem Geburtstag morgens zur Arbeit kam, hat die ganze Kita nur für mich gesungen. Ich war überwältigt. Das kannte ich nicht.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Unsere Musikschule in Göhlen zu Ende zu bauen. Es müssen noch eine Reihe von Malerarbeiten erledigt werden.
Was werden Sie als Rentner machen?

Ich glaube, ich werde nie Rentner. Aber vielleicht werde ich dann ein bisschen im Garten arbeiten. In diesem Jahr habe ich ihn kaum gesehen. Vielleicht unterrichte ich auch noch.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Tobias Hofmann aus Klein Krams.

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