Umweltverschmutzung erreckt Gemüter : Empörung über Siebreste im Bach

In diesen Bach werden die Reste gekippt. Quelle: ZVS
In diesen Bach werden die Reste gekippt. Quelle: ZVS

Das Streesower Argarland schüttet Reste aus der Kartoffelproduktion in einen Bach. Eine Zustimmung des Landkreises, dem das Gewässer zur Verwaltung übertragen ist, gab es dafür nicht.

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15. Oktober 2011, 10:38 Uhr

Steesow | Günter Jaap steht vor dem kleinen Bach am Rande eines Waldes irgendwo zwischen Milow und Steesow und rauft sich die Haare. Er blickt hinab auf einen Hügel, der sich im Wasser auftürmt. Steine und Erde liegen dort. Die Steesower Agrargenossenschaft hat das Material ins Gewässer geschüttet. "Es ist einfach nicht zu glauben", sagt Jaap und stößt einen spitzen Schrei aus. Wenn er über das Thema redet, überschlagen sich seine Worte fast.

Hintergrund des nun schon seit Monaten gärenden Streits: Die Steesower Agrarland hat Siebreste aus der Kartoffelproduktion in dem Gewässer entsorgt. Dies geht aus mehreren Schreiben des Landkreises hervor, die der SVZ vorliegen. Eine Zustimmung des Landkreises, dem das Gewässer zur Verwaltung übertragen ist, gab es dafür im Vorhinein offenbar nicht. Konsequenz vonseiten des Landkreises: Die Verwaltung leitete nach SVZ-Informationen ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.

Jaap glaubt an Negativeinfluss auf Umwelt - Landkreis nicht

Dann jedoch passierte, was Jaap bis heute zur Weißglut bringt: Offenbar ließ der Landkreis das Ordnungswidrigkeitenverfahren fallen und deklarierte die entsorgten Siebreste nachträglich als Sohlschwellen um. Zwar gesteht Landrat Rolf Christiansen in einem Schreiben an den Bürgerbeauftragten, das der SVZ vorliegt, "Geruchsbelästigung" ein und spricht auch von organischem Material in den Resten der Kartoffelsortierung. Trotzdem unterstreicht er in dem Schreiben, dass ein Rückbau aus Sicht der Unteren Wasserbehörde als "unverhältnismäßig" betrachtet werde.

Skandalös, findet Günter Jaap. "Erst Reste abzukippen und diese dann im Nachhinein als Sohlschwellen ausgeben - das nenne ich Kungelei", so Jaap. Das Material sei für den Sohlebau absolut ungeeignet, es werde massiver Einfluss auf die Biologie des Wassers genommen, sagt Jaap. Er glaubt, dass die Natur Schaden nimmt. "Da stehen schon viele tote Bäume am Ufer", sagt Jaap und deutet in Richtung einiger Bäume, die die Äste hängen lassen und deren Stämme sich braun verfärbt haben. "Kein Wunder, denn das organische Material in den Siebresten führt dazu, dass sich im Wasser immer weniger Sauerstoff befindet", gibt Jaap als Erklärung an. Die kranken Bäume am Ufer deutet der Landkreis allerdings ganz anders: Der Wasserstand sei zu niedrig.

Einer übrigens möchte zu der ganzen Sache nur recht wenig sagen: Konrad Schmidt, Geschäftsführer der Agrarland Steesow. "Zum Totlachen dieses Hin und Her", sagt Schmidt. Mehr möchte er zu dem Vorfall nicht sagen.

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