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Tiergestützte Pädagogik : Emma hilft Schülern beim Stressabbau

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Emma ist die gute Seele im Ludwigsluster Goethe-Gymnasium. Sie gibt den Schülerinnen und Schülern Trost, wenn es mal nicht so gut läuft.

Das Pausensignal ertönt und Emma hebt ihren Kopf, wedelt mit dem Schwanz. Die Labrador-Hündin weiß: Gleich kommt Luise, spielt mit ihr. Und vielleicht gibt es auch ein Leckerli.

Emma ist die gute Seele im Ludwigsluster Goethe-Gymnasium. Sie gibt den Schülerinnen und Schülern Trost, wenn es mal nicht so gut läuft, hilft ihnen, manche Probleme zu überwinden. Emmas Frauchen ist Ramona Stein, Lehrerin und Kooperationsmanagerin am Gymnasium. „Auch bei uns gibt es eine Anzahl Schülerinnen und Schüler, die psychische und physische Probleme haben“, erklärt Ramona Stein. „Sie sind von Mobbing betroffen, haben Kontaktschwierigkeiten und oft auch zu Hause Probleme. Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Mann, der auch Lehrer ist, überlegt, wie man diesen Problemen begegnen kann. Und wir sind auf die Idee gekommen, dass vielleicht ein Hund helfen könnte.“

Ramona Stein hat dann ein Jahr lang viel über Hunde gelesen und unter anderem auch eine Grundschule in Greifswald besucht, in der ein Vierbeiner „tätig“ ist. Die Idee, die dahintersteckt, erläutert Ramona Stein so: „Es gibt Kinder und Jugendliche, die sich ausgeschlossen fühlen, entweder weil sie ein Handicap haben oder einfach nur, weil sie denken, sie seien nicht so wie andere. Für Betroffene ist der Hund ein Wesen, das sie akzeptiert, so wie sie sind. Wenn sie das Tier streicheln oder mit ihm kuscheln können und Emma dann auch noch auf ihre Kommandos hört, so stärkt das ihr Selbstwertgefühl.“

Genau diese Funktion hat Labrador-Hündin Emma am Ludwigsluster Gymnasium übernommen. Ramona Stein hat das heute fast zwei Jahre alte Tier im Frühjahr 2012 als Welpen bei einem Züchter erworben, es in den folgenden sechs Ferienwochen erzogen und mit Beginn des Schuljahres 2012/13 mit in die Schule genommen, nachdem die Schulkonferenz zugestimmt hatte.

Emmas Platz ist in einer Ecke des Arbeitszimmers von Ramona Stein. Während in den Klassenzimmern Unterricht ist, liegt Emma hier auf einer Decke und schläft meist. Mit ihrem Instinkt fühlt sie aber, wenn die Pausen nahen. Ertönt dann das Pausensignal, wird Emma richtig wach. So wie jetzt: Ein Mädchen kommt in Ramona Steins Zimmer, beugt sich zu Emma und kuschelt mit ihr. Dann kommt Luise. Die 16-Jährige ist Emmas Bezugsperson unter den Schülern. Luise hat Emma schon einige Kunststückchen beigebracht. „Ich lege Emma zum Beispiel ein Leckerli auf die Schnauze, Emma stößt es dann in die Luft und fängt es mit der Schnauze auf. Letzteres müssen wir aber noch üben“, schmunzelt Luise.

Ramona Stein schaut indes zu und sagt: „Höchstens zwei Schüler zugleich dürfen zu Emma, und auch das nur in den Pausen. Vielen hilft allein schon, wenn sie Emma streicheln dürfen. Das baut Stress, Aggression und Depression ab, die vielleicht im Unterricht entstanden sind.“ Manch einer setzt sich auch einfach zu Emma in die Ecke, freut sich, wenn die Hündin ihre Pfoten auf Arme oder Beine des Betroffenen legt. Übrigens kommen auch Lehrer, um den Labrador zu streicheln.

Schulleiter Ekkehard Detenhoff ist begeistert von Emma. „Seit sie bei uns ist, geht es bei uns viel leiser zu. Denn die Schüler wissen, dass der Hund empfindlich auf laute Töne reagiert. Und sauberer ist es auch geworden, weil nichts auf den Boden geworfen wird, was Emma möglicherweise fressen könnte.“ Dies gehört zu den Regeln, die allen Schülern bekannt sind, ebenso wie das Waschen der Hände nach Kontakt mit Emma. Es muss aber auch gesagt werden, dass vor allem nicht alle Lehrer mit dem Projekt einverstanden waren. Allgemeine Ängste vor Hunden spielen hier ebenso eine Rolle wie das Unverständnis gegenüber der „tiergestützten Pädagogik“.

Jetzt plant Ramona Stein, dass Emma die Begleithundeprüfung ablegen soll. Denn bisher darf Emma nur in Steins Zimmer oder – mit Luise – in einem Nebenraum bleiben. Nach der Prüfung könnte das Mikroprojekt „Schulhund – tiergestützte Pädagogik“ erweitert werden. Emma dürfte unangeleint mit Ramona Stein auch auf dem Schulhof unterwegs oder in den Unterrichtsräumen sein. Bei Klausuren könnte Emmas Anwesenheit manchem Schüler helfen, Stress abzubauen.

Übrigens darf die Hündin montags und dienstags nicht mit in die Schule. Da unterrichtet Ramona Stein, kann nicht auf Emma aufpassen. An diesen Tagen besucht der Labrador einen Hundekindergarten. Mittwochs bis freitags aber ist Emma im Gymnasium. Und damit ihr Vierbeiner fit bleibt und gefordert wird, geht Ramona Stein mittags für eine Stunde mit Emma in die angrenzenden Wiesen, wo sie sich austoben kann, Ramona Stein ihr aber auch Aufgaben gibt wie das Apportieren.

 

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erstellt am 18.Jan.2014 | 17:00 Uhr

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