Ludwigslust : Elternräte mischen sich ein

Sie sind die Vorsitzenden der höchsten Elternvertretungen im Schulamtsbereich Schwerin: Martina Richter, (Kreiselternrat Ludwigslust-Parchim), Rainer Schiffel (Stadtelternrat Schwerin), li., und Carsten Dieste (Kreiselternrat Nordwestmecklenburg).
Sie sind die Vorsitzenden der höchsten Elternvertretungen im Schulamtsbereich Schwerin: Martina Richter, (Kreiselternrat Ludwigslust-Parchim), Rainer Schiffel (Stadtelternrat Schwerin), li., und Carsten Dieste (Kreiselternrat Nordwestmecklenburg).

Gespräch mit der neuen Vorsitzenden des Kreiselternrates Ludwigslust-Parchim, Martina Richter aus Ludwigslust

von
20. November 2015, 17:12 Uhr

An diesem Wochenende tagt der Bundeselternrat in Potsdam mit dem Schwerpunktthema Inklusion. Mit dabei ist Martina Richter, die gerade neu gewählte Vorsitzende des Kreiselternrates Ludwigslust-Parchim. SVZ-Redakteur Uwe Köhnke sprach mit ihr.

Inklusion ist ein großes Thema. Wie schätzen Sie den Stand ein und was gibt es noch zu tun?
Martina Richter: Elternvertreter fordern schon seit langem den Blick vom reinen Lehrerkollegium zum multiprofessionellen Team zu wandeln. Schule braucht neben einer professionellen Führungsebene auch zeitgemäße und vielseitige Professionen im Schulteam. Neben den Fachlehrern zählen hier u.a. auch Schulsozialarbeiter, Erzieher, Integrationshelfer, Schulpsychologen, Ernährungs- und Sportfachkräfte sowie externe Kooperationspartner wie Musikschule, Sportvereine, Wirtschaftsvertreter dazu. In dieser Personalstruktur sehen wir noch erhebliches Potenzial und eine wichtige Ressource im gelingenden Inklusionsprozess.
Worin sehen Sie die aktuellen Aufgaben des Kreiselternrates?
Wir haben uns im neuen Vorstand mit zwölf Mitgliedern jetzt zusammengefunden. Aktuell geht es vor allem um die Flüchtlinge in unserem Landkreis, die beschult werden müssen. Dazu wurden wir vom Staatlichen Schulamt umfassend informiert. Da geht es vor allem um Deutsch als Zweitsprache. Wir sind der Meinung, dass Mecklenburg-Vorpommern unbedingt die Lehrerausbildung wieder einführen muss. Wir sind ziemlich sicher, dass es da noch Dozenten in Greifswald geben müsste, so dass man schnell wieder anknüpfen könnte. Es gibt in ganz Norddeutschland kaum noch Universitäten, die ausbilden, so dass es ganz sicher in den nächsten Jahren zum Mangel kommen wird. Auch die Schülerbeförderung wird im nächsten Jahr ein ganz wichtiges Thema sein. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist hier vorbildlich. Wir müssen darum kämpfen, dass das so bleibt. Weitere Themen sind der Religions- und Philosophieunterricht, Schulsozialarbeit und Medienkompetenz an den Schulen.
Welchen Stellenwert genießt nach Ihrer Meinung der Kreiselternrat?
Ich finde, dass wir uns in den letzten Jahren recht gut positioniert haben. Wir haben vor allem eine gute Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt und auch mit dem Landkreis. Man hört uns, wir geben Stellungnahmen ab, zum Beispiel zum Schulentwicklungsplan. Natürlich muss man sich schon bemühen, bei unterschiedlichen Standpunkten sich in der Mitte zu treffen. Ich finde, dass wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen.
Wie können Sie konkret Einfluss nehmen?
Es gibt viele Möglichkeiten. Ansprechen ist die eine Seite, es gibt aber auch viele Möglichkeiten, wie sich Eltern selbst einbringen können. Nicht nur vor der Schultür stehen und meckern, sondern hinein gehen, die Elternräte nutzen oder Probleme an die Schulkonferenz herantragen, Kooperationspartner suchen.
Wie ist Ihre Meinung dazu, dass die beweglichen Ferientage jetzt terminlich vereinheitlicht werden sollen?
Dazu gab es eine sehr rege Diskussion. Man kann sicher viele Argumente für die eine oder andere Seite finden. Für unseren Flächenkreis ist die Regelung, wie sie jetzt vorgesehen ist, gut. Es gibt Eltern, die haben ihr Kind in Schwerin an einer speziellen Schule – Sport oder Musik etwa. Dann gibt es ein Kind, das muss auf eine Förderschule. Und schließlich habe ich vielleicht noch ein Kind vor Ort in einer Grundschule. Und wenn ich dann verschiedene bewegliche Ferientage habe, kann ich sie nicht mit meinen Kindern zusammen genießen. Die andere Seite sind die Lehrer selbst. Auch sie arbeiten nicht immer vor Ort und können daher nicht mit ihren Kindern Ferien machen.
Wie sind Sie als Elternvertretungen mit dem Schulentwicklungsplan des Landkreises zufrieden?
In dem jetzigen steht ja, dass alle Schulen gehalten werden sollen. Das finden wir natürlich toll. Auf der anderen Seite kann ich aber auch die Aussage des Ministers verstehen, dass nicht jede kleine Schule gehalten werden kann. Es geht um Qualität. Wir wollen keinen Unterrichtsausfall, wir wollen Schulsozialarbeiter, wir wollen bestimmte Professionalitäten erhalten – das kann ich nur mit dem entsprechenden Personal. Im Moment wird darüber beraten, welche neuen Wege man gehen kann, wie Schule in fünf, sechs Jahren aussehen könnte. Vielleicht altersgemischte Gruppen? Die Wege dürfen gerade im ländlichen Raum nicht so weit sein. Wir müssen auch schauen: Warum wählen Eltern ganz bestimmte Schulen ab? Auch dadurch fehlen Schülerzahlen. Doch da sagen wir ganz klar: Dann muss die Schule an ihrem Schulprogramm arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Information: Martina Richter ist 41 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie arbeitet als Schulsekretärin in der Beruflichen Schule des Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“ in Ludwigslust. Am 2. November wurde sie zur neuen Vorsitzenden des Kreiselternrates Ludwigslust-Parchim gewählt. Ihre Stellvertreter sind Andrea Faust (Kuhstorf) und Ralph Mohr (Goldberg).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen