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Ludwigsluster Tageblatt

26. September 2017 | 05:57 Uhr

Eltern sauer über knappe Stundenzuweisungen

vom

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2010 | 07:03 Uhr

dömitz | Das Gymnasiale Schulzentrum Dömitz wird ein Stück seiner Attraktivität verlieren. Das befürchtet Schulleiter Klaus Niemann. Hintergrund sind die verbindlichen Stundenzuweisungen, die dieser Tage aus dem Staatlichen Schulamt eingetroffen sind. Sie sehen 40 Prozent weniger Stunden für die vom Gesetzgeber bevorzugte Ganztagsschule vor. Die Dömitzer arbeiten nach diesem Konzept bereits seit zehn Jahren. Sie haben sich ein Angebot geschaffen, dessen Niveau mindestens gehalten werden soll. Das Problem liegt in den Klassenstufen 5 bis 10 der Regionalen Schule sowie des Gymnasiums. 52 Wochenstunden würden für die Ganztagsschule benötigt, 35 stehen nur zur Verfügung. Die Schulband, sportliche Aktivitäten, die Schülerzeitung, ein Videoclub sowie die Schülerfirma sind Angebote, die das Dömitzer Schulzentrum mit prägen. Die ersten Auswirkungen der aktuellen Stundenzuweisungen seien bereits spürbar, so Schulleiter Niemann. Beim Sport gibt es Einschnitte, das Angebot der Umwelterziehung, das dieses Jahr etabliert werden sollte, muss nun warten. Das Prinzip der selbstständigen Schule, vom Gesetzgeber gewollt, finden die Dömitzer gut. "Ich bin froh darüber", sagt Klaus Niemann sogar. Ein eigenes Fortbildungsbudget, die Möglichkeit der Vergabe kleiner Prämien für Lehrer - das sind Instrumente, die der erfahrene Pädagoge begrüßt. Der Wermutstropfen liegt in der immer größer werdenden Belastung für die Schulleitungen. Niemann als Schulleiter einer Einrichtung mit über 800 Schülern muss selbst noch 14 Wochenstunden unterrichten. "Das Problem ist nicht der Unterricht", stellt er klar. "Ich bin gern Lehrer. Zu meinen Leitungsaufgaben komme ich allerdings immer weniger", so Klaus Niemann, der im Übrigen darin ein Indiz sieht, warum es im Lande immer weniger Bereitschaft gibt, eine Schulleiterfunktion auszuüben.

Alarmiert ist auch der Schulelternrat des Gymnasialen Schulzentrums. Dessen Vorsitzende Manuela Koch aus dem wendländischen Langendorf schließt nicht aus, dass es zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen kommt. Zumindest steht das Thema schon in der komenden Woche im gymnasialen Zweig des Elternrates auf der Tagesordnung. Soll die Schule nach dem Unterricht zu einem miserablen Aufbewahrungsort verkommen? So zugespitzt sehen viele Eltern inzwischen die Situation. "Notwendig wäre zum Beispiel die individuelle Hausaufgabenhilfe am Nachmittag. Das ist gar nicht möglich, weil keine Lehrer zur Verfügung stehen. Die Schulbibliothek muss geschlossen bleiben, weil niemand da ist, der sie beaufsichtigt. Sportliche Angebote können ebenfalls nicht aufrecht erhalten werden", unterstreicht die Schulelternratsvorsitzende, deren Tochter in Dömitz die zehnte Klasse besucht, die Situation. "Gerade der Sport ist für die Kinder und Jugendlichen, die sich immer weniger bewegen, so wichtig", sagt Manuela Koch.

Hinzu kommt der hohe Altersdurchschnitt der Lehrer, der in Dömitz nach Auskunft der Elternratsvorsitzenden über 51 Jahre beträgt. Hohe Belastungen führen zu einem hohen Krankenstand, der in Dömitz im letzten Schuljahr nach Ansicht des Elternrates hoch war. "Wir werden nicht einfach hinnehmen, dass alles nach und nach zerstört wird, was in den letzten Jahren in Dömitz aufgebaut wurde", sagt Manuela Koch. Die Dömitzer hatten mit ihren Innovationen landesweit auf sich aufmerksam gemacht. Sie hoffen nun auf einen Gesprächstermin mit Bildungsminister Henry Tesch.

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