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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 00:31 Uhr

Ludwigslust : Elgeti beklagt starken Preisverfall

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bauernverband-Geschäftsführer: Verheerende Situation in der Tierhaltung / Erzeugerzusammenschlüsse empfohlen

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Der Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, Harald Elgeti, zieht für die Landwirte in der Region eine gemischte Bilanz. Für die Zukunft befürchtet er sogar Nachteile für die Bauern im Verbandsgebiet durch die Agrarumweltprogramme des Landes.

2014 seien bei den Ackerkulturen zwar überdurchschnittlich hohe Mengen geerntet worden. Durch den damit verbundenen Rückgang der Preise müsse man von einer eher mittelmäßigen Ernte sprechen, sagt er. Am Ende sei doch entscheidend, „was im Portmonee ist“. Wurden nach Elgetis Angaben beispielsweise für Weizen in den Vorjahren Preise von 20 bis 24 Euro je Hektar realisiert, sind es in diesem Jahr 12 bis 14 Euro.


Programme für Region eher ungeeignet


Elgeti beklagt zudem einen drastischen Verfall der Preise für tierische Erzeugnisse. „Wir haben im Dezember 2013 einen Milchpreis von 42 Cent pro Kilo gehabt, aktuell liegen wir bei 27 Cent. Nach wissenschaftlichen Berechnungen wären aber 46 Cent kostendeckend“, sagt er. Das Ende der Talfahrt sei überhaupt nicht absehbar. Signale am Markt, dass es besser werden könnte, gäbe es momentan nicht. Ähnlich verhielte es sich bei Schweinefleisch, wo der Kilopreis bei 1,30 Euro liege. „Die preisliche Situation in der Tierhaltung ist verheerend“, kritisiert der Verbandsvertreter.

Mit Skepsis blickt Elgeti auf die Agrarumweltprogramme des Landes, die ab 2015 mit der neuen EU-Förderperiode anlaufen.

„Wir hatten in der zurückliegenden Förderperiode Programme, die insbesondere den tierhaltenden Betrieben in den Regionen mit schwächeren Böden geholfen haben. beispielsweise mit einer Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete. Wir hatten ein Programm zur Förderung besonders artgerechter Tierhaltung Die alle sind jetzt ersatzlos gestrichen“, beklagt der Geschäftsführer.

Die neu aufgelegten Programme sind aus seiner Sicht zum großen Teil für die Region nicht nutzbar. Als Beispiel nannte er das Programm Vielfältige Kulturen im Ackerbau, nach dem fünf Hauptkulturen vom Landwirt angebaut werden sollen. „Wir haben große Bereiche in dieser Region, wo aufgrund der Böden nur Roggen, Mais und Ackerfutter angebaut werden kann. Bei allen anderen Kulturen wäre eine Gewinnerwartung hingegen unrealistisch.“

Elgeti verweist darauf, dass der Landkreis Ludwigslust-Parchim im Vorjahr aus den Agrarumweltprogrammen 9,5 Millionen Euro bekommen hat. Davon seien etwa 70 Prozent in das Verbandsgebiet im Altkreis Ludwigslust geflossen. Das zeige doch, dass hier die Bedürftigkeit besonders hoch sei, zumal in der Region nicht gerade die reichsten Landwirtschaftsbetriebe angesiedelt seien. Elgeti befürchtet durch die neuen Agrarumweltprogramme eine „Umverteilung zu unseren Lasten“.

Unter den neuen Programmen ist nach Darstellung Elgetis kein einziges für Tiere. „Wir müssen aber Tiere halten und Veredelung betreiben. Weil es bei uns keine qualitativ hochwertigen Ackerflächen gibt, können wir von Ackererträgen nicht leben“, sagt er.

Änderungen erwartet der Geschäftsführer des Bauernverbandes nicht mehr. „Ich glaube, diese Geschichte ist entschieden“, räumte er ein. Die Programme lägen jetzt in Brüssel zur Bestätigung vor. Nun sollten sie auf schnellstem Wege Gesetzeskraft erlangen, „dass man endlich weiß, woran man ist“, fügt er hinzu. „Wir werden uns die Krumen raussuchen, um damit ein bisschen was machen zu können.“


Debatte um Tierhaltung versachlichen


Um dem Preisverfall unter anderem bei Milch Einhalt zu gebieten, setzt Elgeti auf Erzeugerzusammenschlüsse. „Davon werden wir mehr als bisher brauchen, um gegenüber den Handelspartnern mehr Gewicht zu bekommen“, sagt er. Bei den vergleichsweise wenigen Einzelhandelsketten und Molkereien hätten die Landwirte wenig Verhandlungsmöglichkeiten, der Wettbewerb um das Produkt sei ausgeschaltet.

Mit Hilfe von der Politik, das Ungleichgewicht auf den Märkten zu ändern, rechnet Elgeti nicht. „Bekämen wir dauerhaft höhere Preise für unsere Erzeugnisse, würden sich die Lebensmittelpreise erhöhen. Dann stünde die Politik irgendwann vor der Frage, sind die Renten oder Hartz IV-Sätze noch angemessen. Insofern hat die Politik kein Interesse, irgendetwas zu unternehmen, was uns zu besseren oder gerechteren Preisen verhilft.“

Für 2015 wünscht sich der Vertreter des Bauernverbandes eine sachliche Bewertung der Landwirtschaft, vor allem der Tierhaltung. Aktuell werde eine total emotionale Diskussion geführt, arbeiteten sich viele an der Landwirtschaft ab, sagt Elgeti. Viele Vorwürfe seien aber nicht haltbar. „Bei der Bewertung des Tierwohls sollte das Kriterium sein, wie geht es dem Tier und nicht, wie viele sind es“, betonte Elgeti. Dabei müsste doch jedem klar sein, dass ein Landwirt, der hohe Leistungen von seinen Tieren möchte, die dann nur bekomme, wenn es den Tieren gut gehe. Beim Bau neuer Ställe würden deshalb die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Tierwohl mit einfließen.

 

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