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Arztpraxis schließt : Eldena ohne einen einzigen Hausarzt

vom

Die Arztpraxis Didrich in Eldena ist geschlossen. Das Mediziner-Ehepaar Lothar und Ortrun Didrich wollte aus Altersgründen nicht weitermachen. Ihre Praxis war die einzige allgemeinmedizinische im Ort.

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2013 | 10:47 Uhr

Eldena | Die Arztpraxis Didrich in der Bahnhofstraße 3 in Eldena ist geschlossen. Das Mediziner-Ehepaar Lothar und Ortrun Didrich, Facharzt für Allgemeinmedizin bzw. Fachärztin für Innere Medizin, das dort praktizierte, wollte auch aus Altersgründen nicht weitermachen. Beide Ärzte sind über 70 Jahre alt. Ihre Praxis war die einzige allgemeinmedizinische Praxis im Ort.

Ein Nachfolger für die Didrichs ist nicht in Sicht. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung MV (KV) in Schwerin liegt jedenfalls keine Bewerbung vor, wie eine Sprecherin auf SVZ-Anfrage gestern erklärte. Es gebe zwar einen diesmal wirklich interessierten Mediziner aus der Parchimer Region. Doch Interessierte hätte es bereits einige gegeben, ohne dass es zur Praxisübernahme gekommen wäre, so die Auskunft der KV. Damit bleibt die wohnortnahe medizinische Grundversorgung nicht nur für die Einwohner in Eldena erst einmal auf der Strecke, der Mangel trifft auch die Menschen in den Dörfern Güritz, Krohn und Stuck. Insgesamt also mehr als 1500 Einwohner. Sie müssen auf Praxen in Grabow, Ludwigslust oder im Umland von Eldena ausweichen.

Die Arztpraxis Didrich gab es mehr als 62 Jahre in Eldena. Zwei Generationen der Familie versorgten die Bevölkerung seit Anfang der 1950er-Jahre medizinisch. Der Name Didrich war nicht nur bei Menschen in Eldena angesagt, wenn es galt, Erkrankungen zu behandeln. Die Patienten kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad, später mit dem Auto selbst aus Liepe, Malk Göhren, Bresegard, Glaisin oder Boek. Der Allgemeinmediziner Stephan Didrich war im November 1951 von Redefin nach Eldena gezogen und hatte die Praxis des verstorbenen Dr. Wilhelm Wangemann übernommen. Durch den Zweiten Weltkrieg hatte es Didrich von Memeln nach Mecklenburg verschlagen. In Eldena fühlte er sich wohl und ließ den Ort zur Heimat werden.

Dr. Didrich wurde auch als humorvoller und lebensfroher Mensch geschätzt. Aus gesundheitlichen Gründen gab er 1968 auf, übergab seine Praxis an den Sohn, Dr. Lothar Didrich, und die Schwiegertochter, Ortrun Didrich. Alle drei galten in der Öffentlichkeit als Landärzte mit Leidenschaft. Sie brachten das mit, was einen "Doktor auf dem Lande" auszeichnet: Sie kannten die Patienten und deren Familien, wurden mit ihnen gemeinsam alt und nahmen sich die Zeit für ein persönliches Gespräch.

Diese von den Menschen im ländlichen Raum oft sehr geschätzten Eigenschaften eines "Arztes ihres Vertrauens" mache es so schwierig, eine Landarztstelle nachzubesetzen, weiß die Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung nur zu gut. Solche Arztpraxen seien nicht begehrt. Ein Mediziner müsse das Land, die Arbeitsbedingungen dort mit häufig weiten Wegen zu Patienten und die Leute lieben. Die Patienten spürten sehr schnell diese Verbundenheit, aber auch, wenn es eben nicht passt. Und das sei dann Thema im Ort, so die Sprecherin.

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