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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 22:20 Uhr

Elbe-Flut steuert auf Rekordmarke zu

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erstellt am 04.Jun.2013 | 08:38 Uhr

Dömitz/Ludwigslust | Die Menschen im Amt Dömitz-Malliß rüsten sich für eines der schlimmsten Hochwasser, das es je gab. "Am Pegel Dömitz werden nach jetzigem Stand am Sonnabendmorgen 6,90 Meter erwartet", sagte Amtsvorsteher Burkhard Thees gestern Nachmittag nach der ersten Sitzung seines Hochwasserstabes. "Das sind schon 20 Zentimeter mehr als 2011." Und nach bisherigen Prognosen sind sie nicht die Spitze. Laut Vorhersage der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes steigt die Elbe am Sonnabend auf 7,12 Meter. Für Montagabend werden gar 7,87 Meter geschätzt, wobei der Scheitel der Flut Dömitz dann offenbar noch gar nicht erreicht hat. Der braucht nach Auskunft des Schweriner Umweltministeriums fünf bis sechs Tage von Dresden bis Dömitz - und wurde in der sächsischen Landeshauptstadt noch gar nicht ausgemacht. Erst für Dienstag oder Mittwoch kommender Woche werde der Scheitel in unserer Region erwartet, so das Ministerium.

"Wenn ich die Zahlen höre, wird mir richtig schwindelig", sagte Burkhard Thees, der vor allem auf die Elde-Deiche Neu Kaliß und Heiddorf bange Blicke wirft. Dort könnte das Wasser über die Deichkrone steigen, wenn die Vorhersagen eintreffen, so der Chef des Krisenstabes. Steigt die Flut noch höher, müssten in Rüterberg und Dömitz auch die Elbdeiche mit Hilfe von Sandsäcken um 40 bis 50 Zentimeter erhöht werden. "Als die Deiche saniert wurden, ist man nicht von solchen Werten ausgegangen", erklärte Thees. Deren Oberkanten sind in Mecklenburg-Vorpommern auf 7,80 Meter - bezogen auf den Pegel Dömitz - bemessen. Steigt das Wasser höher, werden die Schutzwälle überspült.

Nach wie vor scheinen die Vorhersagen jedoch schwierig und Rechnungen mit vielen Unbekannten zu sein. Hans Ebeling vom Neuhauser Deichverband schöpft ein bisschen Hoffnung, wenn er auf die Prognosen für Usti in Tschechien schaut. Da seien für gestern 9,50 Meter vorhergesagt worden, tatsächlich aber "nur" 8,84 Meter aufgelaufen. Auch für Dresden seien 40 Zentimeter zu viel vorhergesagt worden.

Das Amt Dömitz-Malliß hat den Kampf gegen die erwarteten Wassermassen trotz der Unsicherheit inzwischen aufgenommen - braucht aber dringend Hilfe. "Wir haben Sand, wir haben Säcke, wir haben Maschinen für das Befüllen, aber wir haben viel zu wenig Leute", sagte Burkhard Thees. Anders als 2002 bleibe diesmal extrem wenig Zeit, um die Deiche zu verstärken, weil das Wasser sehr schnell steigt. Rund 70 Zentimeter sollen es von heute auf morgen sein, weitere 105 Zentimeter von Donnerstag auf Freitag und dann noch einmal 95 Zentimeter bis Sonnabend. "Wir brauchen Hilfe von außen, sonst schaffen wir es nicht", so der Chef des Krisenstabes. Er ruft deshalb die Menschen der Region auf, mit anzupacken. Ob für die Deichwachen, die ab morgen laufen werden, oder für das Füllen und Verbauen der Sandsäcke - jede Unterstützung wird gebraucht. Wer helfen kann und will, wird gebeten, sich zunächst in der Amtsverwaltung Dömitz-Malliß (Telefon 038758/3160) zu melden.

Große Hilfe könnte auch aus anderer Richtung kommen. Nach Bundeswehrangaben ist das gesamte Panzergrenadierbataillon 401 Hagenow mit 560 Mann für die kommenden zwei Wochen in Bereitschaft versetzt worden. Wird seine Hilfe vom Katastrophenabwehr-Stab des Landkreises Ludwigslust-Parchim angefordert, könnten binnen weniger Stunden 420 Einsatzkräfte ins Amt Dömitz-Malliß oder in die Boizenburger Region ausrücken. Auch im Amt Neuhaus wäre der Einsatz möglich.

Die Entscheidung darüber könnte heute Vormittag fallen. Dann berät der Katas trophenabwehrstab des Landkreises unter Einbeziehung von betroffenen Stadt- und Amtsverwaltungen, Polizei, Bundeswehr, THW, Rettungsdiensten und weiteren Partnern. "Zum Wochenende werden Wasserstände von deutlich mehr als sieben Meter erwartet", sagte Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises gestern. "Was da kommt, ist nicht zu unterschätzen." Der Landkreis hat ein Bürgertelefon zum Hochwasser geschaltet (Telefon 03874/624-3333). Aktuelle Informationen sind ab heute auch im Internet-Portal unter www.kreis-swm.eu abrufbar. Gestern Abend wurde für den gesamten Elbabschnitt in Mecklenburg-Vorpommern Hochwasser-Alarmstufe I ausgerufen.

Wie dick es tatsächlich kommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sonnige Tage ohne Niederschlag, die Flutung der Havel-Polder in Brandenburg, Deichbrüche, Deichschlitzungen und das Öffnen von Wehren könnten nach Angaben des Umweltministeriums die Situation entschärfen. Treffen die Hochwasserscheitel der Elbe und ihrer Hauptzuflüsse zusammen, könnte sich die Lage aber auch verschärfen.

Der Schiffsverkehr auf der Elbe dürfte spätestens am Freitag zum Erliegen kommen. "Ab einem Wasserstand von 5,80 Metern in Dömitz muss die Berufsschifffahrt einen Schutzhafen anlaufen", erklärte Silke Schreier vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg. Bereits Anfang der Woche sei den Schiffern mitgeteilt worden, dass dieser höchst schiffbare Wasserstand (HSW) Ende der Woche erreicht werden wird. Schutzhäfen befinden sich in Thießau und Lauenburg.

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