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Komplette Technik in Heiddorfer Anlage zerstört : Eisschollen knacken Wasserkraftwerk

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Das Wasserkraftwerk "Findenwirunswieder" in Heiddorf steht still. Eisschollen haben den Stromerzeuger mit einer möglichen Leistung von 3200 kW/h in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar geknackt.

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2012 | 06:15 Uhr

Heiddorf | Das Wasserkraftwerk "Findenwirunswieder" der Markurth GmbH in Heiddorf steht still. Eisschollen haben den Stromerzeuger mit einer möglichen Leistung von 3200 kW/h in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar geknackt. Nach Angaben der Markurth GmbH, die Eigner und Betreiber ist, sind durch die Eishavarie die beiden Turbinen in Mitleidenschaft gezogen, die zentrale und weitere Steuerungssonden für das Kraftwerk sowie Grob- und Schutzrechen im Außenbereich zerstört. Die Höhe des Schadens ist derzeit nicht zu bestimmen, erläuterte der leitende Mitarbeiter in Heiddorf, Egon Quenzel. Auch nicht, wann die Anlage wieder Strom erzeugen wird. An Ungemach noch nicht genug, fordert nun das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg eine finanzielle Beteiligung an den Räumungsarbeiten im Zufluss zum privaten Wasserkraftwerk und der WSA-Schleusenanlage.

Diese Bringe-Pflicht ergebe sich aus einem Vertrag zwischen beiden Parteien, der die Betreiber des Kraftwerks verpflichtet, "die Stauanlagen von abflusshemmendem Treibgut und Eis freizuhalten". Das stimme zwar, doch es handle sich dabei um die Pflicht, die Wehre funktionstüchtig zu erhalten, widerspricht die Markurth GmbH und stellt fest, dass zum Zeitpunkt der Havarie das Mühlenwehr und das Notwehr komplett funktionstüchtig waren. Vielmehr, so sieht es Quenzel, fühlt sich die Markurth GmbH als Leidtragender. Die auch für die Heiddorfer Bevölkerung gefährliche Hochwassersituation ist durch zu spätestes Reagieren auf die frostigen Temperaturen entstanden.

Nicht nur Quenzel spricht davon, dass diese kreuzgefährliche Situation nicht entstanden wäre, hätte eine bei den Behörden und Verbänden funktionierende Alarmkette bestanden. So hätte das Öffnen des Rögnitzfluters, der jedoch im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) liegt, allein schon gereicht, um wirkungsvoll zu reagieren. Dann hätte die Elde komplett zufrieren können, dass Wasser wäre gefahrlos unter der Eisdecke auch durch Heiddorf abgeströmt. "Doch erst nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, wurde die Basisschleuse geöffnet. Der Wasserspiegel sank und damit brach die Eisdecke entlang der Ufer. Gefährliches Grundeis auf vielen Kilometern trieb zu nächtlicher Stunde und ohne Warnung in Richtung Heiddorf; türmte sich dort nicht nur auf, sondern schoss mit Urkraft von 25 Kubikmetern/Sekunde in das Wasserkraftwerk. Quenzel erreichte gegen 22 Uhr ein warnender Anruf aus Malliß, doch der Natur war zu diesem Zeitpunkt kein Einhalt mehr zu gebieten. "Wir haben seit über 20 Jahren die Elde zufrieren sehen und ohne Probleme unsere Anlage weiter auf Volllast laufen lassen können. Diesmal allerdings wurde ohne Rücksicht auf die natürlichen Abläufe falsch reagiert", befindet die Markurth GmbH. Ob Schadenersatz seitens der GmbH gefordert wird, wurde offen gelassen.

Die Verantwortlichen für diese immer noch akute und folgenschwere Hochwassersituation mit neuerlichem Staueis sieht der Kraftwerksbetreiber beim StALU, dem Wasser- und Bodenverband "Untere Elde" (WBV) und dem WSA.

Die SVZ fragte beim WSA in Lauenburg nach. Wie von Leiterin Bettina Kalytta gestern zu erfahren war, wird derzeit geprüft, ob der Betreiber des Wasserkraftwerkes in Heiddorf finanziell für die Eisräumung mit herangezogen werden soll. Es gebe Vereinbarungen, meinte Kalytta. Einer Entscheidung könne sie allerdings nicht vorgreifen. Sehr wohl wird es aber im Nachgang Gespräche zwischen Behörden und Verbänden geben. Wenn dabei so etwas wie ein Sicherheitskonzept oder ein Alarmplan herauskommt, soll es dem WSA recht sein, meint die leitende Behördenvertreterin. Zu dieser Gesprächsrunde dürfte dann wohl auch die Kreisverwaltung eingeladen werden, zur Sicherheit der Einwohner und der Wirtschaftsstandorte.

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