zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2017 | 23:33 Uhr

Ludwigslust : Einen Stein lesen können

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bildhauer und Steinmetz Michael Bobzin lädt begeisterungsfähige Menschen ein, sich meditativ zu finden und ihr eigenes Kunstwerk zu erschaffen

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Wenn Michael Bobzin aus dem gut 300 Jahre alten Haus am Kirchplatz 1 blickt, sieht er dort die Schlosskirche, auf der anderen Seite lässt der Anblick des Schlosses sein Herz höher schlagen. Der gelernte Steinmetz/Steinbildhauer lebt und arbeitet in Ludwigslust, in einer Umgebung, die ihn inspiriert und erfreut.

Vor 22 Jahren hat Michael Bobzin seine Ausbildung zum Steinmetz in Domsühl und Lübz begonnen, damals wusste er sofort, dass Stein sein Material ist. Er hat unter anderem gelernt Granit zu bearbeiten, was ihn bis heute fasziniert, wie er sagt. Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete er noch einige Zeit in Lübz, weiter ging es dann nach Hamburg und Aachen. Doch Handwerker zieht es oftmals in die Welt hinaus, auch Michael Bobzin wollte als freier Geselle auf die Walz gehen. Er wanderte über Hessen und die Schweiz nach Italien, Frankreich, Polen, dann wieder zurück nach Deutschland. Ein Weg, der vier Jahre dauerte und auf dem er beobachtete, lernte und Steinmetz- und Bildhauerkunst unterschiedlichster Art erlebte. Ein Auftrag, den er in unserer Region bekam, ließ ihn in Ludwigslust einen Ort finden, an dem er nach seinen Wanderjahren leben wollte. Hier hat Michael Bobzin die nötige Kraft und Ruhe, die er für seine Kunst braucht, denn neben Handwerksaufträgen aller Art, darunter auch Grabmale, hat sich Michael Bobzin dem Schaffen von Objekten und Installationen verschrieben.

Verwendung finden bei ihm ganz unterschiedliche Materialien wie Stein, Holz und Metall, meist jedoch arbeitet er mit Sandstein, Ton und Porenbeton. „Man muss mit dem Stein reden und ihn lesen können, bevor man Hand an ihn legt“, sagt Michael Bobzin und lächelt in sich hinein. Michelangelo sei sein großes Vorbild, erzählt er dann mit Begeisterung und wie sehr er seine Arbeit bewundere. Weitergeben möchte er diese Begeisterung für die Bildhauerei, allein in seiner Werkstatt stehen, das genügt ihm nicht. Und deshalb öffnet der Künstler auch Tür und Tor seines Hauses für begeisterungsfähige Menschen, die selbst gern einmal Hand an einen Steinblock legen möchten. Sie werden von Michael Bobzin angeleitet und lernen gemeinsam mit und vom ihm, was Bildhauerei bedeutet. Nicht selten gehören Übernachtung, Wanderung und Knüppelkuchen backen zu solch intensiven Tagen. Es ist ein Anspruch Michael Bobzins, dass sich die Menschen bei ihm meditativ finden und dabei ihr eigenes kleines Kunstwerk schaffen. Darüber hinaus ist Jugendarbeit ein großes Thema für ihn, so gibt er Kurse an Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen. Es sei das Schönste für ihn, mit Kindern zuarbeiten, schwärmt er. „Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schnelllebiger wird, für die Arbeit mit Stein braucht man jedoch Ruhe und Geduld“, erklärt Michael Bobzin und will das gern in seinen Workshops vermitteln. Sein nächstes großes Ziel sei deshalb auch die Meisterausbildung, damit er junge Leute in seinem Beruf ausbilden kann.

Der Bildhauer und Steinmetz ist jedoch nicht nur in seinem Haus anzutreffen, oft ist er auch auf Familien- oder Firmenfeiern, Rock- oder Stadtfesten und anderen kleinen und großen Events zu finden, um dort die Menschen mit seiner Arbeit zu begeistern und mit ihm zu werkeln. Dabei benutzt er alte Steinhauerwerkzeuge, die bereits in der Dresdner Frauenkirche eingesetzt wurden. Wichtig für ihn sei, dass sie geschmiedet sind, denn seine Werkzeuge sind sein Reichtum, sagt er stolz. Es sind die Spuren alter Meister, auf denen er gern wandert, dabei hat er Granit durchaus schon mal mit der Hand behauen. „Es tut schon weh am Anfang, aber das wird weniger mit den Jahren und die Hände sind nun widerstandsfähiger“, sagt er. Im Laufe der Jahre sind viele verschiedene Arbeiten unter seinen Händen entstanden, auf einige von ihnen ist er ganz besonders stolz. Er war an der Restaurierung der Petermännchen-Laterne des Schweriner Schlosses beteiligt und fertigte im Auftrag der Forstverwaltung Mecklenburg-Vorpommern einen Stein an, der seit 2006 den Schlosspark Ludwigslust ziert. Es gibt aber auch einige Stücke, an denen der Künstler seit vielen Jahren arbeitet.

In seinem Atelier steht ein Adler aus Sandstein, der sich durch seine Hand immer wieder verändert. Doch bevor Michael Bobzin beginnt einen Stein zu bearbeiten, wird er von ihm „getauft“. Das heißt, er begießt ihn mit Wasser, woraufhin seine Strukturen sichtbar werden und er so genau weiß, wie er ihn anfassen kann. Dann entstehen seine Skulpturen, mit denen er sich gern umgibt, sie ausstellt oder mit der Arbeit daran auch andere Menschen für dieses Material begeistert.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen