Dömitz : Eine viel zu warme Turnhalle

Joana, Julian, Hanna und Luca haben die Zähler im Dömitzer Schulzentrum jetzt immer im Blick.
Foto:
Joana, Julian, Hanna und Luca haben die Zähler im Dömitzer Schulzentrum jetzt immer im Blick.

Schüler des Dömitzer Schulzentrums spüren Energiefresser auf – und senken die Verbrauchskosten in nur einem Monat um 400 Euro.

von
17. Juni 2016, 07:00 Uhr

Wochenende. Kein Schüler im Haus. Trotzdem strömt reichlich Wasser durch die Leitungen. „Der Verbrauch war eindeutig zu hoch. Es stellte sich dann heraus, dass die Spülung einer Toilette kaputt war und das Wasser immer lief“, erzählt Hanna Lochow, Gymnasiastin vom Schulzentrum „Fritz Reuter“ Dömitz. „Eine Menge Geld. Aber vorher hatte niemand den Schaden bemerkt.“ Seit sich die Schule am Klimaschutzprojekt des Landkreises Ludwigslust-Parchim beteiligt, kann so eine Verschwendung nicht mehr passieren. Der Verbrauch von Wasser, Strom und Heizenergie wird über ein Monitoringsystem stundengenau aufgezeichnet. Hanna und die anderen Schüler des Wahlpflichtkurses „Nachhaltigkeit“ können ihn im Internet jederzeit abrufen – und bei Auffälligkeiten reagieren. Natürlich hat auch der Hausmeister einen Zugang zum Monitoringsystem.

Zu Beginn ihrer „Arbeit“ im vergangenen Herbst sind die Schüler mit dem Energiemanager des Landkreises, Hannes Völsch, und Kursleiterin Elgin Tiedemann durch alle Gebäude des Schulzentrums gegangen, um Energiefresser aufzuspüren. „Wir haben zum Beispiel geguckt, ob die Heizungen an und Fenster gekippt sind“, erzählt Hanna. Und Luca Butt ergänzt: „Und wir haben die Luftfeuchtigkeit und die Heizkörpertemperatur gemessen.“ Die meisten Räume seien zwei Grad Celsius zu warm und 44 Fenster angekippt gewesen, obwohl zum Teil die Heizungen liefen, so Julian Hirte. „Es gibt aber auch Lehrer, die sagen, dass wir die Fenster lieber nur ankippen sollen“, wirft Joana Steinfatt ein.

Am extremsten war es jedoch in der Turnhalle. „Dort waren 25 Grad Celsius“, erzählt Joana. „Dabei liegt der Richtwert bei gerade einmal 17 Grad.“ Man sei dort bei Bewegung auch immer sehr schnell ins Schwitzen gekommen. Schließlich regelte der Hausmeister die Heizung so, dass die Temperatur in der Halle auf 22 Grad Celsius sank. „Wir haben gleich gesehen, dass der Gasverbrauch deutlich runterging“, so Joana. Hannes Völsch bestätigt: „Insbesondere die großen Turnhallen bieten ein enormes Einsparpotenzial, wenn man bedenkt, dass man pro Grad Raumtemperatur rund sechs Prozent Energie einspart.“

Insgesamt beteiligen sich 16 Schulen in Trägerschaft des Landkreises am Klimaschutzprojekt. „Ziel ist es, die Verbräuche zu optimieren, den kreislichen Haushalt zu entlasten und bei den Schülern einen Lerneffekt zu erzielen“, so Hannes Völsch. Mit dem Ergebnis des ersten Projektjahres ist er mehr als zufrieden. „Beim Strom ist der Verbrauch um 3,4 Prozent gesunken, bei Heizenergie um 8,3 Prozent und bei Wasser sogar um rund zwölf Prozent. Und das alles ohne investive Maßnahmen“, so der Klimaschutzmanager. Insgesamt hat der Landkreis so im Vorjahr knapp 3200 Tonnen CO2 und rund 80 000 Euro gegenüber 2014 eingespart. Rund 40 000 Euro davon gibt er an die Schulen weiter, die entsprechend einer Vereinbarung jeweils die Hälfte der an ihrer Einrichtung eingesparten Kosten erhalten.

Die Dömitzer haben bisher rund 200 Euro bekommen. „Aber wir haben ja auch erst im Dezember die ersten Maßnahmen umgesetzt“, erklärt Elgin Tiedemann. Wofür das Geld eingesetzt wird, steht den Schulen frei. Das Dömitzer Energieteam will es aber gleich in eine weitere Energiesparmaßnahme stecken. „Uns ist aufgefallen, dass viele Bildschirme und Rechner immer im Standby sind“, sagt Julian. „Deshalb wollen wir Steckerleisten mit Kippschalter anschaffen, so dass die Lehrer alle Geräte mit einem Handgriff ausschalten können.“ Auch über Zeitschaltuhren hatten die vier Neuntklässler nachgedacht. „Aber diese Investition wäre gemessen am Einspareffekt noch zu groß“, so Luca.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen